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Enttäuschte Gesichter: SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel.

Hessen-Wahl

SPD stürzt auf historisches Tief

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Die Sozialdemokraten machen die große Koalition im Bund verantwortlich für den Wahlausgang in Hessen. Die Zukunft von Thorsten Schäfer-Gümbel ist zunächst kein Thema.

Wie bitter dieser Abend für die SPD ist, wird schnell deutlich: Die Reaktionen auf der Wahlparty auf die erste Hochrechnung um kurz nach sechs sind mehr als verhalten. Die enttäuschten Gesichter des Spitzenpersonals rund um Thorsten Schäfer-Gümbel, der wenige Minuten später für ein Statement ans Mikrofon tritt, sprechen Bände. Wie bitter dieser Abend für die SPD ist, wird insbesondere aber auch immer dann deutlich, wenn die Blicke der Gäste auf der Wahlparty leidvoll zu den Fernsehern gehen – auf denen ziemlich oft jubelnde Grüne zu sehen sind.

Die SPD fährt bei dieser Wahl deutliche Verluste ein: Hatte sie vor fünf Jahren noch gut 30 Prozent der Stimmen geholt, sieht die Forschungsgruppe Wahlen die Partei bei der Hochrechnung um 21 Uhr bei 19,6 Prozent – damit sinkt die SPD in Hessen auf einen historischen Tiefstand. Und das, da sind sich die hessischen Sozialdemokraten am Sonntag schnell einig, liegt nicht etwa an einem schlechten Wahlkampf oder dem falschen Personal, sondern an der großen Koalition in Berlin. 

„Das ist ein richtig bitterer Abend“, zeigt sich Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel enttäuscht. „Das tut weh und wird noch lange weh tun.“ Die SPD in Hessen habe im Wahlkampf mit Bildung, Mobilität und Wohnen auf die richtigen Themen gesetzt. Aber der „übermächtige Bundestrend“ habe über allem geschwebt. Das habe viel mit Glaubwürdigkeit zu tun, ist sich Schäfer-Gümbel sicher. Dinge wie die Diesel-Problematik oder das Verhalten der großen Koalition im Fall Maaßen hätten einen „Brei ergeben, bei dem wir keine Chance mehr hatten, unsere Themen zu setzen.“ 

Als „ganz außergewöhnlich“ bewertet Generalsekretärin Nancy Faeser das Ergebnis. Die SPD habe im Wahlkampf mit Bildung, Mobilität und Wohnen auf die drei Themen gesetzt, bei denen die Partei die höchsten Kompetenzwerte erreicht habe. Deswegen könne sie nicht sagen, was die Partei im Wahlkampf hätte besser machen können. Aber, und da wird auch Faeser deutlich: In puncto Groko gebe es eine „Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise“, die sei da und könne nicht wegdiskutiert werden.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Günter Rudolph, sprach von einer „Protestwahl für die Groko“. Das habe auch das Ergebnis der CDU gezeigt, die ähnlich stark verloren habe wie die SPD. „Man kann in Berlin jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen“, machte Rudolph deutlich. Für Thorsten Schäfer-Gümbel ergibt sich aus dem Wahlergebnis vor allem eine Konsequenz: Die SPD müsse in Berlin ihre „Profil-Frage“ klären, denn: „Die Leute erkennen nicht mehr, wofür die SPD steht“.

Gegen halb neun hat sich die erste Aufregung gelegt, das Restaurant nahe des Landtagsgebäudes, in dem die SPD ihre Wahlparty feiert, ist schon deutlich leerer geworden. Bei Kürbissuppe, Brezeln und grüner Soße mit Ei rätselt auch die Basis, wie es nun weitergeht mit der SPD. Die Partei habe einen überzeugenden Wahlkampf geliefert, ist sich Fabian Pflume, Juso-Mitglied aus Wiesbaden, sicher. „Viele Menschen haben uns gesagt: Die Themen, die ihr in den Fokus rückt, liegen mir am Herzen.“ Daher sei der Weg, den die hessische SPD eingeschlagen habe, der richtige: „Konkret sagen, was soziale Gerechtigkeit bedeutet“.

Für Thorsten Schäfer-Gümbel ist die Wahl aber auch noch aus einem anderen Grund besonders bitter: Es war sein dritter Versuch, sich gegen einen CDU-Ministerpräsidenten durchzusetzen – zum dritten Mal ohne Erfolg. Für die hessische SPD ist das jedoch kein Grund, personelle Konsequenzen zu ziehen. Sie gehe davon aus, dass Thorsten Schäfer-Gümbel auch weiterhin die hessische SPD anführen werde, sagt Generalsekretärin Nancy Faeser. „Er hat einen ausgesprochen Super-Job gemacht .“ Er habe sehr früh mit dem Wahlkampf begonnen und konsequent auf die drei Themen Bildung, Mobilität und Wohnen gesetzt. „Er hat das Vertrauen der hessischen SPD.“

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