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Verschiedene Ansichten über den Stein: Lokalpolitiker streiten über den Standort der Bronzeskulptur mit dem großen Findling in Kassel.

Kassel Documenta

Streit über Documenta-Skulptur

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Kassels Lokalpolitiker streiten über den Standort einer angekauften Documenta-Skulptur von Giuseppe Penone. Für die einen ist der Bronzebaum ein "erheblicher Fremdkörper", die anderen bitten Ministerpräsident Bouffier um Unterstützung, damit die Skulptur in der Karlsaue bleiben kann.

Der Bronzebaum ragt in den grau-blauen Februarhimmel über der Kasseler Karlsaue. Ein riesiger Stein aus Granit, drei Tonnen schwer, ruht in seiner kahlen Krone. „Idee di Pietra – Ansichten eines Steins“ hat der italienische Künstler Giuseppe Penone das Werk genannt, manche wollen diesen Titel auch mit „Gedanken aus Stein“ übersetzen. In jedem Fall machen sich derzeit viele Menschen Gedanken, wo der Stein samt Baum nach dem Ende der Dokumenta verbleiben soll. Auch Hessens Ministerpräsident soll sich jetzt damit befassen.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) nämlich hat des Kunstwerks wegen an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) geschrieben. Der städtische Pressedienst berichtet, Hilgen habe Bouffier „eindringlich gebeten“, sich dafür einzusetzen dass das Kunstwerk am jetzigen Standort in der Karlsaue bleiben kann. „Kassel wird es Ihnen danken“, wird aus dem Brief zitiert.

Auf dem Kasseler Neujahrsempfang soll Bouffier Interesse an dem Thema gezeigt haben.

Seine Parteikollegin und Hilgens kommunalpolitische Gegenspielerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) allerdings ist dagegen, den Bronzebaum auf jener Wiese in einer Randzone der Karlsaue zu belassen, wo er seit zwei Jahren und siebeneinhalb Monaten steht. Sie ist nicht nur CDU Kreisvorsitzende in Kassel, sondern als Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst zuständig für die Schlösser, Gärten und Sammlungen der Kasseler Landgrafen, die heute als Teil der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) den Bürgern gehören. Sie betont, es gebe zahlreiche attraktive Standorte in Kassel für den Bronzebaum – im barocken Erscheinungsbild der Karlsaue aber wäre er „ein erheblicher Fremdkörper“ und ein Präzedenzfall.

Nun muss gesagt werden, dass der Streit um den Standort ein Luxus-Problem darstellt. Denn als im September die Documenta 13 endete, als deren erster Vorbote der Penone-Baum im Juni 2010 in die Parklandschaft gesetzt worden war, sah es zunächst so aus, als würde Kassel sich von der beliebten Skulptur verabschieden müssen. Doch in kürzester Zeit fanden sich genug Spender, um das Werk zu kaufen.

Prominentestes Beispiel für einen durch Spenden finanzierten Documenta-Ankauf war bislang der „Himmelsstürmer“ von Jonathan Borofsky. Der wurde einst vom Friedrichsplatz vor den Kasseler Kulturbahnhof versetzt. Ein Argument von vielen, das dafür spricht, dass auch der Peonone-Baum verpflanzbar wäre. Ministerin Kühne-Hörmann und der Leiter der MHK, Bernd Küster, sind dieser Meinung.

Die Ministerin hat den Weinberg oder das Fuldaufer ins Gespräch gebracht. Am Fluss steht bereits Documenta-Kunst – die „Spitzhacke“ von Claes Oldenburg. Museums-Chef Küster gefällt die Idee, dort entlang eines neuen Spazierwegs nach und nach weitere Documenta-Skulpturen zu platzieren. Vielleicht hätten die Bürger aber noch bessere Ideen, sagt er. Sie hätten Geld für das Werk gegeben und sollten auch über dessen Standort mitentscheiden.

OB Hilgen wähnt die Bürger auf seiner Seite. Die wollten den Penone-Baum behalten und dies am jetzigen Standort, betont er und verweist auf eine nicht-repräsentative Umfrage der lokalen Zeitung. Die Wiese, auf der er steht, liege am Rande der barocken Anlage – dort wonach dem zweiten Weltkrieg aus Trümmerschutt ein Rosenhang für die Bundesgartenschau 1955 angelegt wurde. Erst durch den Penone Baum sei dieser Ort wieder von den Bürgern „wahr- und angenommen“ worden, betont er.

MHK-Chef Küster hingegen will auch die Anlage von 1955 in ihrer historischen Planung geachtet sehen. Vor allem aber argumentiert er, die Karlsaue solle für jede Documenta wieder ganz von neuem bespielbar sein – ohne Werke der vorigen Schauen. Dass der Bronze-Baum seinen aktuellen Platz nur temporär würde einnehmen können, sei klar vertraglich vereinbart worden. „Ich finde es unerfreulich, dass dies jetzt zum Wahlkampfthema wird“, sagt der Museums-Chef.

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