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Museumschefin Eva Scheid präsentiert auch Exponate zur Lederherstellung im Lorsbachtal.

Hofheim

Stadtmuseum mit Strahlkraft

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Seit 25 Jahren stehen Blaues Haus, Lederindustrie und Römer im Mittelpunkt.

Dass der Aufbau eines Stadtmuseums kein Selbstläufer ist und es mitunter Jahre dauert, ehe Politik und Bürger überzeugt sind, dass lokale historische Sammlungen auch ansprechend präsentiert werden müssen, diese Erfahrung machen gerade engagierte Heimatforscher in Kelkheim und Hattersheim. In Hofheim diskutierte die Stadtgesellschaft noch viel länger über dieses Thema.

Schon Anfang der 1950er Jahre habe es Bestrebungen gegeben, ein Museum in der Kreisstadt einzurichten, sagt Museumschefin Eva Scheid. Erst Anfang der 1990er Jahre wurden die Planungen konkret. Standort sollte ein am Rande des historischen Kellereiplatzes gelegenes kurmainzerisches Hofgut aus dem frühen 19. Jahrhundert werden. Architekten ergänzten es um einen modernen Anbau. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1993 stellt das Museum auf diese Weise ein Bindeglied dar zwischen dem historischen und dem modernen Hofheim. Und Eva Scheid, promovierte Kulturanthropologin und Kunsthistorikerin, ist seine Leiterin. Das Hofheimer Stadtmuseum habe sie einfach nicht mehr losgelassen, erzählt sie. Die Kunstmäzenin Hanna Bekker vom Rath und ihr Blaues Haus, das nach dem Krieg vielen bekannten Künstlern als Refugium diente, die Fotografin Marta Hoepffner, der Expressionist Ludwig Meidner, der in Marxheim sein Atelier hatte, das römische Hofheim, die Lederindustrie im Lorsbachtal – all das sind Themen, die Eva Scheid begeistern.

Die enge Zusammenarbeit mit Hofheims Stadtarchivarin Roswitha Schlecker ließ sie eine Art Drehbuch für die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte erarbeiten. Die Besucher werden aktiv mit einbezogen, bekommen an Hörstationen Informationen über Bilder, die an der Wand hängen, können Dialekten der Stadtteile oder dem vom Gesangverein Concordia gesungenen Hofheim-Lied lauschen.

Die Geschichte der Lederindustrie im Lorsbachtal wird anhand alter Gerätschaften und einer riesigen hydraulischen Chagrinier- und Bügelpresse von 1931 lebendig. Ausgestellt sind auch das älteste Hofheimer Gerichtsbuch, Wandmalereien in Freskotechnik aus einer römischen Offiziersunterkunft vom Hochfeld sowie Scherben und Fußbodenfliesen, die bei den Ausgrabungen rund um Wasserschloss und Kellereigebäude gefunden wurden.

Weit über Hofheims Stadtgrenzen hinaus haben das Museum die 120 Sonderausstellungen bekannt gemacht, die Eva Scheid in den vergangenen 25 Jahren organisiert hat. Dabei konnte sie unter anderem aus dem reichen Fundus der Exponate rund um den Künstlerkreis Blaues Haus schöpfen, den das Stadtmuseum besitzt. Allein die Schau expressionistischer Gemälde mit dem Titel „Brücke und Blaues Haus“, die 2010 im Kooperation mit dem Kulturfonds Rhein-Main ausgerichtet wurde, sahen mehr als 10 000 Besucher.

Erschrocken reagierten die Hofheimer Kunst- und Kulturvereine, als Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) 2014 das Budget für Ausstellungen und Museumspädagogik drastisch zusammenstreichen und Ausstellungsräume schließen wollte, um Löcher im chronisch defizitären städtischen Haushalt zu stopfen. Mehr als 1500 Unterschriften wurden innerhalb kurzer Zeit gesammelt. Die Sparmaßnahmen kamen am Ende nicht zum Tragen.

Das Team hauptamtlicher Mitarbeiter rund um Eva Scheid ist überschaubar, 30 Ehrenamtliche helfen bei der Aufsicht. Der Förderverein unterstützt das Museum, Geld gibt’s auch vom Land Hessen. Deshalb können auch in Zukunft Sonderausstellungen stattfinden. Die nächste mit dem Titel „Malgründe – Hofheim als Motiv“ ist ab kommenden Sonntag zu sehen. Mit einem Tag der offenen Tür wird dann auch das 25-jährige Bestehen des Hofheimer Stadtmuseums gefeiert.

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