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Wahlplakate samt Kommentaren: Straßenrandszene in Pohlheim (Kreis Gießen).

Wahlkreis 19 bei der Landtagswahl

Spitzenduell in Gießen

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Ministerpräsident Bouffier und Herausforderer Schäfer-Gümbel treten im gleichen Wahlkeis an. Die Prognosen, wer die Nase vorn hat, könnten gegensätzlicher nicht sein.

Optisch ist Volker Bouffier klar im Vorteil. Das Porträt des Ministerpräsidenten prangt formatfüllend und unübersehbar auf den Plakaten. Thorsten Schäfer-Gümbel dagegen ist, wenn überhaupt, deutlich verhaltener ins Bild gerückt. Der SPD-Spitzenkandidat erscheint jeweils eingebettet in eine Umgebung, die ein bestimmtes Thema seines Wahlkampfs beschreibt.

Der Wahlkreis 19, Gießen II, ist ein ganz besonderer. Hier, zwischen Rabenau, Grünberg, Hungen und Pohlheim, treffen der amtierende Ministerpräsident der CDU und sein SPD-Herausforderer unmittelbar aufeinander, denn beide bewerben sich bei der Wahl am kommenden Sonntag, 28. Oktober, um das Direktmandat zum Einzug in den hessischen Landtag.

2013 hatte Bouffier, der in Gießen wohnt, die Nase vorn. Damals holte er 46,9 Prozent der Erststimmen, Schäfer-Gümbel, der in Lich zu Hause ist, kam auf 39,3 Prozent. Landesweit erreichte die CDU 38,3 Prozent, koalierte mit den Grünen, und Bouffier wurde als Ministerpräsident im Amt bestätigt.

Kleiner Trost für den SPD-Chef: Sein persönliches Ergebnis lag deutlich über dem seiner Partei, die lediglich 30,7 Prozent der Wählerstimmen erhielt.

Und dieses Jahr? „Ich tippe auf Thorsten“, sagt Sigrid Fink, die wir in Buseck zufällig auf der Straße ansprechen. Dass sie den Spitzenpolitiker beim Vornamen nennt, ist nicht despektierlich gemeint und auch nicht flapsig. Sie ist mit ihm tatsächlich per Du. „Wir kennen uns, weil seine Frau meine Kollegin war und wir uns auch privat begegnet sind“, erzählt Fink. Sie arbeitet als Sekretärin beim evangelischen Dekanat Kirchberg, wo Schäfer-Gümbels Frau die Fachstelle für gesellschaftliche Verantwortung leitete.

Und Bouffier? Den kennt Sigrid Fink auch, von ihrer ehrenamtlichen Arbeit beim Trachtenverband Hessen. Mit ihm ist sie zwar nicht per Du, aber spätestens beim nächsten Hessentag werde man wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen und plaudern.

Fink war gerade dabei, in einem Aushang des Dekanats die nächsten Termine anzupinnen. Direkt gegenüber, auf dem Anger, feiert die SPD immer ihr Sommerfest. „Da hat Thorsten auch gesprochen“, sagt Fink. Dort hat auch Romano Aprea den SPD-Kandidaten Ende Juli reden gehört. „Er hat eine recht positive Ausstrahlung gehabt“, sagt Aprea, der in seinem Lädchen 74 vor allem Jeans verkauft.

Seine Prognose zum Ausgang der Landtagswahl ist dennoch eine andere als die von Sigrid Fink. „Bouffier wird wieder gewinnen, und Herr Schäfer-Gümbel wird sein schlechtestes Ergebnis erreichen“, prophezeit er. Ernsthafte Politik zu machen sei schwierig in Zeiten, in denen Populisten Zulauf hätten. Womit er ausdrücklich nicht Volker Bouffier meint.

Und wie ist das für die Wahlkämpfer vor Ort, wenn sich dort die Prominenz ein Duell um das Direktmandat liefert? „Nicht wirklich etwas Besonderes“, urteilt Markus Schmidt, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbands. Immerhin: Er freut sich über prominente Wahlkampfhilfe aus Berlin und dem Bund. Dass gerade hier in Mittelhessen CDU-Spitzenpolitiker wie Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer oder NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auftreten, habe sicher mit der Bedeutung Hessens für die Bundes-CDU zu tun - oder eben auch mit der Kandidatur Bouffiers.

Ein „Prestigeduell“ will Matthias Koerner, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks, das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenkandidaten dennoch nicht nennen. Auch solle man das Ergebnis nicht überbewerten, wiegelt er im Falle einer Niederlage schon mal ab.

Von Vorteil für den Wahlkampf vor Ort sei aber, dass der SPD-Chef mit seinen Auftritten für sichtbare Präsenz sorge. Auch wenn das auf den Plakaten nicht unbedingt so zum Ausdruck zu kommen scheint.

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