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Dem Verfall preisgegeben: die in den 30ern erbaute Siedlung.

Hanau

Spekulationsobjekt und Arbeiterunterkunft

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Handwerker leben in der Hanauer Dolphin-Siedlung. Dolphin Trust bestreitet auf FR-Anfrage, in der Siedlung in der Nähe des Hafens jemals Arbeiter aus dem Lehrhöfer Park "beherbergt" zu haben.

Risse in den Wänden, kaputte Scheiben und Türen, Wildwuchs – seit zehn Jahren verfällt die Siedlung am Kinzigheimer Weg, die zum Spekulationsobjekt geworden ist. Sie wird noch bewohnt: von etwa zehn langjährigen Mietern, die ihre vier Wände in einem guten Zustand halten. Von Obdachlosen, die in leeren Gebäuden Zuflucht suchen. Und zumindest bis vor kurzem auch von Arbeitern, die bei einem Projekt des Unternehmens Dolphin Trust und dessen Firmen im Einsatz sind oder waren.

So wie Stanislav K. aus Bulgarien, der hier kostenfrei lebte. Sein Vermieter: die Dolphin Capital 214. Projekt GmbH & Co. KG. Wie er erzählt, wohnten in den Häusern schon 2016 ausländische Arbeiter, die im Lehrhöfer Park in Hanau-Wolfgang tätig waren, auch seine eigenen Mitarbeiter. In den vergangenen Monaten konnte man am Kinzigheimer Weg immer wieder Bulgarisch sprechende Männer antreffen. Die in den 1930er Jahren erbaute Siedlung diente als vorübergehendes Zuhause für Handwerker, die zum Teil nicht bezahlt wurden. In bulgarischen Jobportalen umwarb die für Dolphin tätige Firma Bebas Arbeiter damit, dass die Unterkunft vom Arbeitgeber übernommen werde.

Dolphin Trust bestreitet auf FR-Anfrage, in der Siedlung in der Nähe des Hafens jemals Arbeiter aus dem Lehrhöfer Park „beherbergt“ zu haben.

Die 13 Häuser am Kinzigheimer Weg mit insgesamt 170 Wohnungen gehörten bis 2009 der städtischen Baugesellschaft Hanau, die sie für etwa 2,4 Millionen Euro verkaufte. Danach wurden die Immobilien mehrmals weiterverkauft, ohne dass wirklich saniert wurde. Dolphin, seit 2014 Eigentümerin, weist den Vorwurf der Spekulation zurück, die Sanierung habe sich nur verzögert.

Rückkauf geplant

Das städtische Bauprojekt Hanau GmbH will die Anlage über ein Vorkaufsrecht zum Verkehrswert zurückkaufen, weil die Häuser verfallen und Dolphin seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe. Dolphin hält den Rückkauf für rechtswidrig und klagt. Sie beruft sich etwa darauf, dass die Sanierungssatzung von 2014 eine Frist von zehn Jahren einräume, um zu erneuern. Das zuständige Landgericht Darmstadt ermittelt derzeit den Wert der Siedlung, zuletzt fand ein Ortstermin statt.

Das stimmt Martin Bieberle, Geschäftsführer der Bauprojekt GmbH, zuversichtlich, dass das Gericht das Vorkaufsrecht grundsätzlich akzeptieren könnte. Bieberle stellt klar, dass Dolphin nach wie vor Eigentümerin ist. Das Unternehmen wollte die Anlage nämlich weiterverkaufen, was Hanau mit seinem Vorstoß jedoch stoppte. Dennoch erhielten die Bewohner Schreiben, in denen sie aufgefordert werden, die Miete nicht mehr an Dolphin, sondern an die Vordere Hanau I GmbH & Co KG – eine Firma, die nur eine Adresse in Frankfurt hat, keinen richtigen Sitz – zu überweisen. In dem Brief heißt es, die Vordere dürfe als künftige Eigentümerin kassieren, es fehle nur noch ein Grundbucheintrag.

Die Stadt Hanau und OB Claus Kaminsky (SPD) werten dies als weiteren unanständigen Versuch, Mieter zu verunsichern.

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