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Eine Spezialanfertigung für Frankfurt: die Vortriebsmaschine "S1127".

Verkehr

Mit schwerem Gerät für die U5 ins Europaviertel

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Die 80 Meter lange Tunnelbohrmaschine gräbt sich ab Herbst für die U-Bahn-Linie U5 bis zum Europaviertel.

Die mächtige Bohrmaschine, die den Tunnel für die U5 ins Europaviertel graben wird, hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) nun beim Besuch des Herstellers vorgestellt. Ab Herbst 2018 wird sich der rund 80 Meter lange Apparat durch den Frankfurter Ton arbeiten, von der Europaallee zum Platz der Republik, zweimal insgesamt, einmal pro Röhre.

Vereinfacht gesagt, funktioniert der Bohrer so: Vorne dreht sich das Schneidrad mit sieben Metern Durchmesser und dringt mit 1300 PS ins Erdreich vor. Falls nötig, wird Wasser, Bentonit oder Schaum in den Boden gespritzt, um ihn zu stabilisieren. Erde und Steine werden ins Innere der Maschine abtransportiert, dann weiter über ein Förderband bis zum Startschacht in der Europaallee, Ecke Stockholmer Straße. Die Maschine arbeitet sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag.

Im Schutz des Bohrers werden die einzelnen Bauteile aus Stahlbeton, Tübbinge genannt, zu einem Ring zusammengesetzt, die vereint die Hülle des Tunnels bilden. Die tiefste Stelle liegt 22 Meter unter der Oberfläche.

Der Bohrer ist 580 Tonnen schwer

Erfahrungen im Tunnelbau hat das Unternehmen Herrenknecht aus dem baden-württembergischen Schwanau, Weltmarktführer für sogenannte Vortriebsmaschinen, etwa in Schanghai, München und Barcelona gesammelt. Unter historischen Gebäuden und Straßen hindurch wurde in Barcelona der Tunnel für die Linie 9 verlängert. Wie in Frankfurt musste dort verhindert werden, dass sich der Boden hebt oder die Straßen und Gebäude durch Erschütterungen Schaden nehmen.

In Frankfurt kontrollieren die Mitarbeiter einer Arbeitsgemeinschaft (Arge), bestehend aus dem Bauunternehmen Porr Deutschland und Stump Spezialtiefbau, das Geschehen im Inneren des 580 Tonnen schweren Bohrers, der so groß ist, das sie darin bequem laufen können. Die Stadtbahn-Europaviertel Projektbaugesellschaft, eine Tochter der VGF, koordiniert das Projekt.

An der Stockholmer Straße werden derzeit Baugrubenwände für die 18 Meter tiefe Startbaugrube errichtet. Bis Herbst 2019 soll der Tunnel gebohrt sein. Ab 2020 sollen die Bauarbeiten für die oberirdische Strecke beginnen. Dann werden Gleise und Leitungen im Tunnel verlegt.

Ab Frühjahr 2023 schließlich soll die U5 laut Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vom Hauptbahnhof über den Platz der Republik ins Europaviertel fahren. Vier neue Stationen werden gebaut: Güterplatz (unterirdisch), Emser Brücke, Europagarten, Wohnpark (oberirdisch). Die neue Strecke ist 2,7 Kilometer lang, die Hälfte davon verläuft im Tunnel. Die Kosten liegen bei 281 Millionen Euro. Das Land Hessen und der Bund geben 157 Millionen Euro dazu. Die Aufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, hat die Bohrmaschine am Donnerstag für tauglich befunden.

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