Publikum bezweifelt, dass ein Nachtflugverbot kommt

Lebhafte Diskussion mit den vier Direktkandidaten in Neu-Isenburg: Jansen, Marx und Taeger kontra Hermanns

Von Martin Feldmann

NEU-ISENBURG. Ein Raunen geht durch den Saal. Buhrufe folgen. "Wo wohnt der?", gellt es von hinten. Jemand meint: "Im schönen Eltville." Gelächter am Dienstagabend in der Hugenottenhalle (Huha). Es geht um Ernst Müller, der im Publikum zum Mikrofon gegriffen hat und sich als Vertreter der Initiative Pro Flughafen vorgestellt hat. Der Lärm, so seine Meinung, sei nur eine Komponente des Rhein-Main-Flughafens. Denn der trage auch zum Wohlstand bei. Noch vor einigen Jahren habe Isenburg mit Airportnähe für sich geworben. "Aufhören, aufhören...!", schallt es ihm entgegen. Die Ausbaubefürworter sind hier in der Minderheit. Fast 500 Frauen und Männer sind der Einladung der Bürgerinitiativen aus dem Westkreis Offenbach gefolgt, um in der Huha eine lebhafte Podiumsdiskussion mit den vier Direktkandidaten im Landtagswahlkreis 44 zu verfolgen und sich selbst einzuschalten. Die Fronten sind klar. Christdemokrat Rüdiger Hermanns aus Dreieich, seit 1988 direkt gewählter Landtagsabgeordneter und seit drei Jahren Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, hält den geplanten Flughafenausbau nach den Maßgaben des Mediationsergebnisses für ein Muss zum Wohle der Region. Für ihn ist das die Nordwestbahn auf der anderen Airportseite und ein Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Lediglich bei einer Südbahn-Variante vor den Toren Neu-Isenburgs und Dreieichs will er nicht mitspielen.

Anders die übrigen drei Kandidaten: Die Langener SPD-Frontfrau Margrit Jansen, die Neu-Isenburgerin Grünen-Fraktionschefin Maria Marx sowie der örtliche FDP-Fraktionschef Alexis Taeger. Sie erinnern daran, dass schon jetzt das Flughafenumland über Gebühr strapaziert werde und eine vierte Piste - wo auch immer - verhindert werden müsse. Alternativen müssten her. Rhein-Main und Hahn könnten etwa mit einer Transrapid-Strecke verbunden werden. Außerdem müssten Rhein-Main und andere Flughäfen vernetzt werden. Marx fordert ein Verkehrskonzept für die ganze Republik und darüber hinaus. Während sie darauf hinweist, dass die Grünen die einzige Landtagsfraktion gegen den Airportausbau bildeten, bemerkt Jansen, dass auch in der SPD der Widerstand wachse. Fünf Landtagabgeordnete hätten sich schon zusammengeschlossen. Lediglich mit Rot-Grün, so sieht es auch Marx, könne der weitere Flughafenausbau politisch verhindert werden. Auch Taeger lehnt jede weitere Erweiterung ab - auch wenn er mit dieser Auffassung in der Landespartei keinen leichten Stand habe.

Im Hintergrund prangt auf einer riesigen Leinwand eine Grafik des Airports mit der Nordwestbahn bei Kelsterbach: Grau dominiert, was Beton und Asphalt sein sollen. Es ist der Buchschlager Friedrich Thießen, Professor für Finanzökonomie an der Uni Chemnitz, der schon zu Beginn des Abends in einen Referat erklärt hat, dass für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region auch weiche Standortfaktoren von enormer Bedeutung seien. Mit Blick auf den Flughafen könne davon keine Rede sein. Im Vergleich zu München schneide Frankfurt schlecht ab.

Hermanns Herausforderer/innen sowie Besucherinnen und Besucher bezweifeln, dass mit einem Ausbau auch das versprochene Nachtflugverbot kommen wird. Der Dreieicher entgegnet: "Dazu stehe ich persönlich." Ein Zuhörer hakt ein: "Ich kenne alle großen Flughäfen der Welt. Nirgendswo gibt's ein Nachtflugverbot." Ihm komme es so vor, als ob Hermanns im Landtag "als Hinterbänkler durchgeschlafen hat". Hermanns berichtigt, er sitze in der dritten Reihe und führe immerhin den Vorsitz im Fachausschuss.

Schließlich meldet sich auch noch der Zeppelinheimer Herbert Becker, Beauftragter für externe Kontakte des Flughafenbetreibers Fraport, zu Wort. Becker, in den 70er Jahren SPD-Bürgermeister in Zeppelinheim und danach Erster Stadtrat in Neu-Isenburg, bricht eine Lanze für den Airport und nennt es unredlich, wie mit der Empfehlung der drei Mediatoren (Ausbau mit Nachtflugverbot) umgegangen werde. Quer durch den Saal ruft Marx dem Ex-Polit-Kämpen Becker zu: "Herbie, es gab doch nie eine Abstimmung." Sie stellt die Seriosität dieser Empfehlung in Frage.

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