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Der hessische Innenminister Peter Beuth.

Raketensitzung in Taunusstein

Peter Beuth empört mit Büttenrede über Flüchtlinge

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Witze auf Kosten von Migranten: Hessens Innenminister Peter Beuth scherzt in einer Karnevalssitzung in Taunusstein über minderjährige Flüchtlinge.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) ist wegen Äußerungen zu minderjährigen Flüchtlingen in einer Büttenrede in die Kritik geraten. Der begeisterte Karnevalist Beuth hatte am vergangenen Samstag auf der sogenannten Raketensitzung des Karnevalsvereins „Die Gockel“ aus Taunusstein eine launige Rede gehalten und dabei unter anderem einige Verse über Flüchtlinge vorgetragen.

„Vor dem Flüchtlingsverwalter verschleiert mancher gern sein Alter“, reimte der Minister. „Das stellt unseren Staat fast bloß, macht Bürger ganz verständnislos. Manch Flüchtling in ’nem Jugendheim könnt’ fast eher Rentner sein.“ Im Saal hatte Beuth damit Gelächter und Applaus geerntet.

Im sozialen Netzwerk Twitter hagelte es dagegen harsche Kritik, nachdem der Vorsitzende der SPD in Oestrich-Winkel, Carsten Sinß, den entsprechenden Ausschnitt aus Beuths Büttenrede am Sonntag als Video hochgeladen hatte. „Hessens Innenminister Peter Beuth über minderjährige Flüchtlinge“ hatte Sinß dazugeschrieben – und ein sarkastisches „Helau“ hinzugefügt.

Zu seinem Video fanden sich schon nach kurzer Zeit Dutzende empörter Kommentare. „Unterirdisch, Peter Beuth!“, schrieb etwa die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen. „Schlechteste Büttenrede ever“, twitterte Dirk-Oliver Heckmann, Journalist beim Deutschlandfunk. „Gratuliere Deutschland, der Populismus ist allgegenwärtig und schon längst normal“, kommentierte der Nutzer „Phönix Tölle“. Und ein User namens Sven twitterte gleich selbst in Reimen: „Kotzen möchte ich im Strahl, da hab ich leider keine Wahl.“

Einige Nutzer verteidigten Beuth aber auch gegen die geäußerte Kritik. „Ich kann die Empörung nicht nachvollziehen“, meinte etwa ein Nutzer mit dem Aliasnamen „Der Angelo“. „Ich bin eher links und für die Aufnahme von Flüchtlingen. Und doch spricht er wahre Worte, dass einige (und eben nicht alle) unter falschen Angaben das Asylrecht missbrauchen.“

Am Montag meldete sich dann auch die Opposition im Hessischen Landtag zu Beuths Büttenrede zu Wort. Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, nannte die Rede „geschmacklos“ und warf dem Minister „unwürdiges Verhalten“ vor.

Hessens Innenminister Peter #Beuth über minderjährige Flüchtlinge. Helau... pic.twitter.com/9pPTsvoTQ1

— Carsten Sinß (@csinss)

28. Januar 2018

„Satire darf zwar viel, aber bei weitem nicht alles – schon gar nicht, wenn man als Innenminister ein politisch herausgehobenes Amt innehat“, sagte Rudolph. Normalerweise zielten die Witze an Fastnacht auf die Mächtigen, Beuth habe hingegen „die Schwächsten der Gesellschaft“ zum Ziel seines Beitrags gewählt.

Janine Wissler: „AfD-Niveau“

Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im hessischen Landtag, warf Beuth vor, sich auf „AfD-Niveau“ zu begeben und im beginnenden Landtagswahljahr „am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen“. „Karneval bedeutete mal, dass sich das Volk über die Obrigkeit lustig machte, nicht umgekehrt“, sagte Wissler. Beuth hingegen spotte über minderjährige Flüchtlinge, „von denen bekanntermaßen viele schwer traumatisiert und vor Kriegen geflohen sind, Angehörige verloren haben und ihre Familien zurücklassen mussten“.

Aus dem hessischen Innenministerium war zu der ganzen Debatte am Montag nur ein knapper Kommentar zu hören. „Eine Büttenrede ist eine Büttenrede“, sagte Michael Schaich, Beuths Pressesprecher, der Frankfurter Rundschau.

In seiner Karnevalsrede hatte Beuth nicht nur über Flüchtlinge gesprochen, sondern auch den neuen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz aufs Korn genommen. „In Österreich hat sich dagegen Kanzler Kurz durch Wahl ergeben. Dem Babyface will man als Zeichen dagegen eher eine Windel reichen“, hatte der Innenminister gesagt. Der erst 31 Jahre alte Kurz regiert seit Dezember vergangenen Jahres mit einer Koalition aus seiner konservativen ÖVP und der rechtspopulistischen FPÖ.

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