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Alexander Hetjes ist seit 2015 Oberbürgermeister von Bad Homburg.

Alexander Hetjes in Bad Homburg

Noch reichlich Baustellen

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Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) ist seit drei Jahren in Bad Homburg im Amt. Die FR zieht eine Halbzeitbilanz.

Es war ein klares Votum: Mit 70,3 Prozent haben die Bad Homburger jüngst per Bürgerentscheid dem Ausbau der U-Bahn-Linie 2 zugestimmt. Was Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) auch als persönlichen Erfolg verbuchen kann. Denn er hatte selbst angeregt, die Bürger zu befragen – und damit gleichzeitig potenzielle Kritiker in der eigenen Partei elegant ausgebremst.

Ohnehin ist von den einst legendären Grabenkämpfen in der Bad Homburger CDU nichts mehr zu spüren, da Hetjes nun die Hälfte seiner ersten Amtsperiode absolviert hat. Die Zusammenarbeit funktioniere reibungslos, auch in der Koalition mit der SPD, bilanziert Hetjes selbst. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Jürgen Stamm, revanchiert sich: Das Klima sei vertrauensvoll, dazu trage Hetjes mit seiner kooperativen und offenen Art wesentlich bei. Das gelte auch für den Umgang mit den Bürgern. Wobei der neue OB dabei für manch unkonventionellen Auftritt gut ist: So konnte man ihn schon im Strampelanzug in der Fastnachtsbütt erleben oder aktuell in einem Stück der Volksbühne – er spielt eine Leiche.

Dass Hetjes’ eigene Partei voll des Lobes ist, versteht sich von selbst. Hetjes habe „viel angepackt und bewirkt“, schreibt die CDU-Fraktion. Doch sogar aus der Opposition gibt es positive Worte. Hetjes habe sich „erstaunlich schnell in den harten Job hineingefunden“, findet FDP-Fraktionschef Wolfgang Hof.

Ganz anders die Einschätzung der Bürgerliste Bad Homburg (BLB). Seit Alexander Hetjes im Amt sei, herrsche im Rathaus „Klüngel und Mittelmaß“. Wichtige Projekte kämen nicht voran, moniert BLB-Fraktionschef Armin Johnert, dafür gebärde sich Hetjes inzwischen „wie ein Sonnenkönig“. Als Beispiel führt Johnert das Stadtentwicklungskonzept Bad Homburg 2030 an. Während sich die Stadt solch einen „aufgeblasenen Popanz“ leiste, gebe es bei dem dringend nötigen bezahlbaren Wohnraum Stillstand.

„Herzensthema“ Stadtentwicklungskonzept

Tatsächlich rollen weder auf dem Vickers-Gelände noch auf dem ehemaligen Klinikareal bislang die Bagger – beides Flächen, auf denen geförderte Wohnungen vorgesehen sind. Am Hühnerstein haben nach langer Wartezeit immerhin die Erschließungsarbeiten begonnen. Dort sollen junge Familien vergünstigte Grundstücke erhalten.

Hetjes hingegen sieht die genannten Projekte auf einem guten Weg. Am Hühnerstein könne es mit dem Bau der Häuser im kommenden Jahr losgehen und auch auf dem Vickers-Gelände rechnet er mit einem Baubeginn im Sommer 2019. Beim alten Klinikgelände laufe das Bebauungsplanverfahren. Es gehe also voran, betont der Oberbürgermeister; den Stillstand habe es vor seinem Amtsantritt gegeben.

Auch die Kritik an seinem „Herzensthema“, dem Stadtentwicklungskonzept, will Hetjes nicht gelten lassen. Zum einen habe er durch die umfangreiche Bürgerbeteiligung „einen neuen Stil“ etabliert, zum anderen sei damit ein Regiebuch für die Politik der kommenden Jahre entstanden. Das müsse aber auch mit Leben erfüllt werden, mahnt SPD-Fraktionschef Stamm den Koalitionspartner – etwa wenn es um den Ausbau des Radverkehrs und verdichtetes Bauen gehe.

Das heikelste Thema in der ersten Hälfte von Alexander Hetjes’ Amtszeit hat jedoch nichts mit Rädern und Baustellen zu tun, sondern mit einer Personalie. Die überraschende Entlassung von Kurdirektor Ralf Wolter durch den Verwaltungsrat der städtischen Kur-Gesellschaft, dessen Vorsitzender der Oberbürgermeister ist, hat reichlich Staub in Bad Homburgs Champagnerluft aufgewirbelt. Zumal Wolter nach der ordentlichen Kündigung seines auslaufenden Vertrags auch noch fristlos gefeuert wurde.

Aus Sicht von BLB-Fraktionschef Johnert der bisherige „Generalfehler“ des neuen Rathauschefs - „nicht nur menschlich, sondern auch unternehmerisch“. So seien wichtige Projekte wie der Kinokomplex am Bahnhof und der Umbau des Kurhauses gebremst worden. Stimmt nicht, entgegnet Hetjes. Die Kurhausstudie habe Wolter selbst verzögert und in Sachen Kino sei man in abschließenden Verhandlungen mit den Bietern.

Vor dem Landgericht Frankfurt hat Ralf Wolter sich derweil erfolgreich gegen seine Kündigung zur Wehr gesetzt. Sein Vertrag als Geschäftsführer der Kur-Gesellschaft läuft demnach noch bis Ende 2019. Hinzu kam die peinliche Panne, dass Kur-Gesellschaft und Stadt bei der Verhandlung nicht vertreten waren.

„Das hätte man besser machen können“, räumt Hetjes ein. Allerdings hat die Kur-Gesellschaft inzwischen Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Am 23. November wird erneut verhandelt. Man darf gespannt sein, ob es dabei zu einer Wende kommt – zuständig ist dieselbe Richterin, die bereits das erste Urteil gesprochen hat.

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