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Eine Pflegerin hält die Hand einer älteren Dame.

Main-Kinzig Kreis

Neue Pflegeheime auf dem Land

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Der Main-Kinzig Kreis startet eine Offensive für eine wohnortnahe Versorgung von Pflegebedürftigen. Eine Akademie für Gesundheit und Pflege ist geplant.

Die im Spessart gelegene Gemeinde Jossgrund gehört zu den landschaftlich schönsten im Main-Kinzig-Kreis. Die Herausforderungen des demografischen Wandels sind hier, im östlichen Teil des Kreises, allerdings groß – der 3500-Einwohner-Ort ist geschrumpft, die Bewohner sind älter geworden. Obwohl dank der Bemühungen von Bürgern und Politik ein Aufwärtstrend da ist. Doch in Jossgrund selbst und im benachbarten Flörsbachtal gibt es keine Pflegeplätze, so dass Betroffene umziehen müssen, hinaus aus ihrer gewohnten Umgebung, weg von Angehörigen und Freunden.

Diesem Problem, das auch andere Orte im  Ostkreis betrifft, wirkt der Main-Kinzig-Kreis jetzt mit neuen Projekten entgegen. Am Freitag haben die Kreistagsabgeordneten einstimmig beschlossen, den Aufbau von voll- und teilstationären Angeboten in Jossgrund (im Ortsteil Pfaffenhausen) und Wächtersbach (im Stadtteil Waldensberg) zu unterstützen. Darüber hinaus könnte Flörsbachtal oder eine andere dritte Kommune zum Zuge kommen.

Der Beschluss sieht vor, dass die Alten- und Pflegezentren des Kreises die Konzepte für die Einrichtungen entwickeln, die vollstationäre Pflege selbst anbieten und bei der teilstationären mit anderen Anbietern kooperieren.

Der Main-Kinzig-Kreis fördert die geplanten Projekte zunächst mit jeweils bis zu 1,2 Millionen Euro, wobei er auch auf Unterstützung vom Land hofft.

Neue Arbeitsplätze entstehen

„Sie stimmen auch über die Würde des Alterns ab“, sagte die zuständige Erste Beigeordnete Susanne Simmler (SPD) zu den Abgeordneten im Kreistag. Ziel sei es, älteren Menschen den Wunsch zu erfüllen, in ihrem sozialen Umfeld zu bleiben. Gleichzeitig werde der ländliche Raum gestärkt: Neue Arbeitsplätze würden geschaffen und dadurch vielleicht auch Neubürger gewonnen. So ließe sich das Schrumpfen – mit all seinen Folgen wie etwa dem Kaufkraftverlust – zumindest bremsen. Große Pflegeheime, mit denen sich mehr Geld verdienen ließe, seien nicht geplant. Den kreiseigenen Alten- und Pflegezentren gehe es nicht um Profit, so Simmler. Entstehen sollen kleinere Einrichtungen, nicht mit 100 und mehr Plätzen, sondern eher mit weniger als 50.

Die Plätze werden dringend gebraucht. Wächtersbach, wo 13 000 Menschen leben, hatte zuletzt nur 86 Pflegeplätze, das angrenzende Brachttal keinen einzigen bei 5200 Einwohnern. Relativ gut aufgestellt sind Bad Orb mit 272 Plätzen bei 10 000 Einwohnern und Rodenbach mit 166 Plätzen bei 11 000 Einwohnern.

Dringend gebraucht werden auch Pflegekräfte, nach Angaben von Landrat Thorsten Stolz (SPD) tausend zusätzliche bis 2030. Derzeit arbeiten hier rund 3500 Beschäftigte. Neue will der Kreis auch mit einem moderneren Bildungsangebot anziehen: Die Akademie für Gesundheit der Main-Kinzig-Kliniken und das Aus- und Fortbildungsinstitut der Alten- und Pflegezentren sollen zu einer neuen Akademie für Gesundheit und Pflege verschmelzen. Diesem Plan hat der Kreistag ebenfalls zugestimmt. Hier sollen – wie im Pflegereformgesetz vorgesehen – Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zusammengeführt, aber auch die Ausbildungskapazitäten deutlich erhöht werden. Zudem sollen dort weitere Gesundheitsberufe angeboten werden, etwa Rettungsdienstsanitäter. Wächtersbach scheint als Standort klar favorisiert zu werden.

Auf Kritik daran entgegnete Stolz, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Kommunen können sich bewerben. Zu den Interessenten gehört auch Gelnhausen.

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