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Muss in Frankfurt erneut gezählt werden?

Landtagswahl

Neue Auszählung möglich

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In vier Frankfurter Wahllokalen gibt es auffällige Ergebnisse. Eine Neuauszählung der Stimmzettel würde Sinn ergeben. Die Grünen könnten ihren Vorsprung auf die SPD eventuell einbüßen.

Bastian Bergerhoff ist Kreisvorsitzender der Grünen und hat in den vergangenen Monaten intensiv Wahlkampf betrieben. Wie wohl alle Grünen in Hessen feierte er am Sonntag vor einer Woche das starke Ergebnis seiner Partei. Besonders freute viele Grüne, dass ihre Partei vor der SPD gelandet war. Doch Bergerhoff gehört auch dem Kreiswahlausschuss in Frankfurt an, hat die Berichte über Auffälligkeiten in einzelnen Wahlbezirken in den vergangenen Tagen intensiv verfolgt und sagt der FR: „Es macht Sinn, in diesen Bezirken noch einmal nachzuzählen.“ Diese Auszählung könnte für seine Grünen aber unschöne Folgen haben. Denn der Vorsprung vor der SPD beträgt hessenweit nur 94 Stimmen. Ob das nach einer Neuauszählung in Frankfurt noch so ist, erscheint fraglich.

Es sind vier Frankfurter Wahlbezirke, deren Ergebnisse zumindest stutzig machen. So stimmten in einem Wahlbezirk in der Gruneliusschule in Oberrad angeblich nur 145 Menschen ab – von 1033 Wahlberechtigten. Dies entspräche einer Wahlbeteiligung von lediglich 14 Prozent. In ganz Frankfurt lag die Quote bei knapp 65 Prozent. Irritierend ist auch das schlechte Abschneiden der CDU in dem Wahlbezirk (6,9 Prozent). Auch das schwache Ergebnis der CDU in der Kasinoschule in Höchst (4,4 Prozent) und die 0,3 Prozent, die die AfD in einem Wahlbezirk rund um die Freiherr-vom-Stein-Schule geholt haben soll, werfen Fragen auf.

CDU wirklich nur 6,2 Prozent?  

Entscheidend aber könnte der Wahlbezirk 32401 werden, dessen Wahllokal sich ebenfalls in der Freiherr-vom-Stein-Schule in Sachsenhausen befand. Auch dort holte die CDU laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis nur 6,2 Prozent – sehr viel weniger als im übrigen Sachsenhausen. Vor allem aber landeten die Grünen der ersten Auszählung zufolge bei 52,1 Prozent. Ein derart starkes Ergebnis bekam die Partei nirgendwo sonst. Ihr zweitbestes Resultat fuhren die Grünen in der Klingerschule im Nordend ein, ihrer eigentlichen Hochburg. Dort holten sie 41,6 Prozent – zehneinhalb Punkte weniger als in besagtem Bezirk in Sachsenhausen.

Zwar war auch bei vergangenen Wahlen schon auffällig, dass die Klientel der Grünen verstärkt rund um den Südbahnhof zu finden ist. Und in den drei übrigen Wahlbezirken, die in der Freiherr-vom-Stein-Schule ihr Wahllokal hatten, kam die Partei auf starke Werte von 24 bis 35 Prozent. Doch 52,1 Prozent?

328 Menschen stimmten in besagtem Wahlbezirk für die Grünen – nur 39 für die CDU. Sollte sich bei einer Neuauszählung der Stimmen, die der Wahlausschuss in seiner Sitzung am Mittwochmorgen beschließen müsste, Verschiebungen ergeben, könnte der 94-Stimmen-Vorsprung auf die SPD schmilzen. Bastian Bergerhoff weiß das. Absoluten Vorrang müsse aber haben, dass die Ergebnisse stimmen. „Wenn ich beim Fußball nach zwei Minuten 1:0 führe, kann ich doch auch nicht sagen, jetzt muss abgepfiffen werden“, sagt er.

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