Maintal

Der Mann für die Baulücken

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Kevin Borsdorf kümmert sich als Bauflächenmanager um die Nachverdichtung mit Wohnungen. Der 25-Jährige ist seit Juli bei der Stadt angestellt.

Lücken in der Stadt zu finden, das wird in den nächsten zwei Jahren zu einer der Hauptaufgaben von Kevin Borsdorf. Der 25-Jährige ist seit Juli bei der Stadt als Bauflächenmanager angestellt. Er soll Grundstücke für den Wohnungsbau in der Ortslage der vier Stadtteile aufspüren. Mit der Nachverdichtung werden nicht zuletzt Außenflächen wie Äcker und Wiesen geschont. Laut Borsdorf liegen nach einer ersten Schätzung mehr als 500 potenzielle Bauflächen brach.

Die Stelle des Bauflächenmanagers ist ein Ergebnis des Stadtleitbildes, das von 2009 an unter Bürgerbeteiligung entstand, und dem daraus resultierenden Stadtentwicklungskonzept. Borsdorf bringt trotz seiner jungen Jahre für die zunächst auf zwei Jahre befristete Stelle das nötige Rüstzeug mit. An der Universität Tübingen studierte er Geografie mit Bachelor-Abschluss, in Stuttgart machte er seinen Master im Fach Stadtplanung. Nebenbei war er dort noch drei Jahre in einem Büro für Stadtentwicklung tätig, vornehmlich in der Sparte Städtebauförderung. Dabei hat er viel mit Bürgern zu tun gehabt, die in die Prozesse einbezogen waren. Der gute Kontakt zur Bevölkerung wird auch den Erfolg seiner Arbeit in Maintal ausmachen.

Der Ulmer wird nicht nur ein „Baupotenzialkataster“ erstellen, sondern will mit den Grundeignern ins Gespräch kommen, inwieweit bald etwa in einer Baulücke oder in einem weitläufigen Garten ein Haus stehen kann. Auch großzügige Grünanlagen in Quartieren, die in den 1950er und 1960er Jahren entstanden, sollen einbezogen werden. Ein Auftrag, der Überzeugungsarbeit erfordere, sagt Borsdorf. „Natürlich freue ich mich über jede Eigeninitiative von Grundbesitzern.“ Borsdorf sieht sich als Impulsgeber für neuen Wohnraum und Berater für Bauherren. Zu seinem Job wird es jedoch auch gehören, sich mit den betroffenen Nachbarn auseinanderzusetzen. Eine Nachverdichtung sollte so gestaltet werden, dass sich die Situation möglichst für alle Beteiligten verbessere, erläutert er das Ziel.

Soziale Durchmischung sichern

Die Stadt habe bislang weitgehend vermieden, Außengelände zu bebauen, sagt Erster Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos). Maintal befindet sich in der komfortablen Situation, über die Jahre zum Teil große zivile Konversionsflächen für den Wohnungsbau ausweisen zu können – beginnend vor knapp 20 Jahren in Hochstadt mit der Klingsee-Siedlung, wo bis 1995 aus Baumstämmen Furniere geschnitten wurden.

Laut Sachtleber werden bei einer Nachverdichtung auch die Mieter mit geringen und mittleren Einkommen nicht vergessen, schon, weil immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Die Stadt verpflichtet deshalb Bauherren von Geschosswohnungsbau, dass mindestens 30 Prozent der Wohneinheiten, zu einem „bezahlbaren“ Mietzins auf dem Markt kommen. Im Prinzip sichere dies eine soziale Durchmischung, sagt Sachtleber. In einem aktuellen Projekt entstünden so neben Wohnungen zum Marktniveau auch 19 günstigere Wohneinheiten. Förderung von Stadt und Land sowie eine Querfinanzierung bei der Vermietung rückten die Quote in den Bereich des Machbaren.

Ein stadtinterner Mitspieler in Sachen Wohnungsbau für Gering- und Normalverdiener wird auch die Maintal-Immobiliengesellschaft (MIG) werden, die neu gegründet wurde und Anfang Oktober die Geschäfte aufnahm. Kevin Borsdorf wird mit der städtischen Gesellschaft kooperieren.

Bezahlbarer Wohnraum soll vor allem Maintalern zukommen, die einen Wohnberechtigungsschein besitzen und auf der Warteliste der Stadt stehen - laut Sachtleber sind es seit Jahren 200 bis 250 Antragsteller. Die Stadt Frankfurt werde keine Belegrechte mehr kaufen. Hierüber habe es ein Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geben. Die beiden Kommunen hätten sich darauf geeinigt, „für den gesamten Wohnungsmarkt zu bauen“.

In Maintal wird der Wohnungsbestand aber auch hinsichtlich freier Kapazitäten unter die Lupe genommen. Borsdorf wird versuchen, zweckentfremdete Wohnungen, wie sie im Herbergs-portal Airbnb als Ferienwohnung angeboten oder als sogenannte Monteursunterkunft vermietet werden, wieder dem regulären Wohnungsmarkt zuzuführen. Dabei soll ihn schon bald eine Ferienwohnungsatzung nach dem Vorbild von Frankfurt unterstützen.

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