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Während manche Kommunen - wie Maintal - einen Pauschalpreis für die Entsorgung erheben, berechnen andere Gebühren für Hausmüll, Elektroschrott und Sperrmüll separat.

Wetterau, Main-Kinzig-Kreis

In Maintal ist Müllentsorgung am billigsten

Städte und Gemeinden berechnen Gebühren unterschiedlich / Sperrmüll und Elektrogeräte nicht immer inklusiveFamilie Mustermann gibt sich umweltbewusst und trennt deshalb fleißig den Abfall. Unter einer 80-Liter-Tonne beim Restmüll geht es dennoch nicht. Auch Sperrmüll und ein Elektrogroßgerät fällt zur Abholung an. In Maintal lässt es sich am billigsten entsorgen.

Von DETFLEF SUNDERMANN

Main-Kinzig-Kreis / Wetterau · 21. Juli · Einfach den Müll auf einen Bollerwagen an den Ortsrand lenken und den Inhalt der Ladefläche in die dortige Deponie zu kippen - von einer solchen Art der Abfallentsorgung können heute nur noch Oma oder Opa Mustermann ihren Enkeln Jan und Paula berichten. In den vergangenen Jahrzehnten sind die kommunalen Hausmülldeponien wegen der erheblichen Umwelt- und Landschaftsbelastung geschlossen geworden. Seit einigen Wochen sind nun auch die Großhalden dicht.

Im Main-Kinzig-Kreis wird der Restmüll auch nicht mehr deponiert, sondern per Lastwagen in die Verbrennung nach Offenbach verfrachtet. Das stellte sich als preisgünstigste Lösung heraus. Dabei pochten die Kreisumweltdezernenten und Landräte mehr als ein Jahrzehnt lang auf eine autonome Entsorgung, um den Bürgern günstige Gebühren zu ermöglichen. Zuletzt wollte der heutige Landrat Erich Pipa (SPD) unbedingt und gegen ein Bürgervotum im Hanauer Hafengebiet einen Müllofen installieren und betreiben lassen. Doch die vermeintliche Hightech-Konstruktion erreichte an anderen Standorten nie die Betriebsvorgaben. Zuvor hatte es den Plan gegeben, in einem der schönsten Landstriche im Kreis, dem Ausläufer des Ronneburger Hügellandes, eine Großdeponie zu bauen.

Dennoch sind wegen dieser politischen Müll-Kapriolen die Entsorgungsgebühren im Kreis relativ niedrig. Eine Familie in der Größe der Mustermanns muss in Gelnhausen oder Maintal weniger als 200 Euro im Jahr einrechnen. Allerdings findet die FR-Familie in den beiden Kommunen unterschiedliche Kalkulationsgrundlagen vor.

Während Maintal bei der Entsorgung ein "all inclusive"-Paket hat, werden in der Kreisstadt die graue 80-Liter-Tonne, das Elektrogroßgerät und der Sperrmüll separat berechnet. Bei dem Sperrmüll wird pro Kilogramm kassiert. Liefern die Mustermanns den Sperrmüll auf den städtischen Bauhof selbst an, lassen sich - mit 28 statt 33 Cent - fünf Cent pro Kilogramm sparen. Der ausgediente Küchenherd wird bei eigener Anlieferung sogar unentgeltlich angenommen.

In Bad Vilbel ist in Sachen Sperrmüll Tempo gefragt. Hier zahlt der Kunde pro Minute Ladezeit. Beim Grundpreis von 12,80 Euro sind allerdings neben der Anfahrt zwei Lademinuten enthalten. In der Regel reichen die bei einer normalen Menge aus, war von der Abfallentsorgung der Stadt zu hören.

Der Vilbeler Restabfall landet seit jüngster Zeit im Frankfurter Müllofen. In den anderen Kommunen des Wetteraukreises kümmert sich der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises um die Entsorgung. Der Inhalt der grauen Tonnen geht in den Echzeller Ortsteil Grund-Schwalheim, wo die Restabfallbehandlungsanlage steht. Hier wird der Restmüll in verschiedene Gruppen getrennt. Metalle gelangen in die Wiederverwertung, andere Stoffe in die Kompostierung. Seit 1998 betreibt das kreiseigene Unternehmen, die Wetterauer Anlagengesellschaft, das Entsorgungszentrum.

Dennoch, Friedberg und Karben haben nicht den gleichen Gebührensatz. In der Kreisstadt müssten die Mustermanns 297,30 Euro bezahlen, bei einem 120 Liter Restmüllbehältnis und Sperrmüllpreis nach Gewicht. In Karben sind es 186,60 Euro bei einer 80-Liter-Tonne und gleichem Abrechnungsmodus. Der Restmüll wird ebenfalls gewogen. Daher gilt das Gebührenbeispiel bei einem durchschnittlichen Restmüllaufkommen von zwölf Kilo á zwei Wochen.

Aus Umweltgesichtspunkten ist die Maintaler Kalkulation die beste Lösung. Sperrmüll und Elektrogeräte wie die defekte Waschmaschine sind im Komplettpreis enthalten. Das entlastet Wälder und Wiesen von der Vermüllung. Nicht zuletzt sind die Mustermanns wegen der intakteren Natur auf das Land gezogen.

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