+
Gut gebrüllt, Pitt.

Gut gebrüllt

Märchenhaft

  • schließen

Romantik mitten im Wahlkampf. Hessen zeigt, wie das geht. Die Kolumne der Frankfurter Rundschau aus dem hessischen Landtag.

Thorsten Schäfer-Gümbel und die Märchenhochzeit auf Schloss Windsor – tolle Geschichten, sage ich Ihnen. Und das so kurz vor der hessischen Landtagswahl, bei der Schäfer-Gümbel als SPD-Spitzenkandidat    antritt.

Wobei die Hochzeit des Herrn Schäfer mit der Frau Gümbel schon ein paar Jahre zurückliegt. Jetzt erfahren wir alles über dieses Paar („Annette ist das Beste, was mir je passiert ist“) aus dem Fachmagazin für Liebe, die „Bunte“. Allerdings erst auf Seite 128.

Vorne werden volle sieben Seiten lang Bilder von der „Märchenhochzeit“ der Queen-Enkelin Eugenie gezeigt. Das ist ein bisschen gemein. Selbst ein Sozialdemokrat wie Rudolf Scharping hat von der „Bunten“ immerhin eine Titelseite bekommen, beim Plantschen im Pool mit seiner damals zukünftigen Frau Kristina von Pilati 2001. Unvergessen, denn ein paar Monate später wurde Scharping auch wegen dieser Fotos als Verteidigungsminister entlassen.

Schäfer-Gümbel weiß natürlich, dass schon mancher Sozialdemokrat sich durch eine Veröffentlichung in der „Bunten“ unglücklich gemacht hat. Kurz vor der Wahl in Schleswig-Holstein im vorigen Jahr erzählte der damalige Ministerpräsident Torsten Albig dem Blatt davon, wie er sich mit seiner Ex-Frau auseinandergelebt habe, weil man sich nur noch in wenigen Momenten „auf Augenhöhe ausgetauscht“ habe. Das fanden viele nicht gut, und Albig wurde abgewählt.

Heiratsantrag kam zu schnell

Im „Bunte“-Interview mit Schäfer-Gümbel und seiner Frau steht nichts Gemeines dieser Art, und sie plantschen auch nicht im Pool, sondern kuscheln sich in ordentlichem Anzug und adrettem Kleid aneinander. Man erfährt, dass Thorsten in den Augen von Annette „ein großer Romantiker“ ist, dass sein erster Heiratsantrag für sie viel zu schnell kam und sie zwei Jahre später den Thorsten am Gardasee fragte, ob er sie heiraten wolle. Er sagte ja.

Annette Gümbel hat sich die letzten zwei Wahlkampf-Wochen freigenommen, um ihrem Mann zur Seite zu stehen. Von der CDU ist man das nicht anders gewohnt. In den Wochen vor der Wahl weicht Ursula Bouffier ihrem Mann, dem Ministerpräsidenten, kaum von der Seite. Einmal kam Ursula ihrem Volker allerdings viel zu nahe. Beim CDU-Parteitag in Wiesbaden rammte Volker seiner Ursula auf der Bühne dynamisch den Ellenbogen ins Gesicht, als er zum Jubeln ausholte. Das war natürlich unabsichtlich, wäre aber beim Fußball trotzdem glatt Rot gewesen. Die „Bunte“ berichtete darüber nicht.

Die Illustrierte wehrt sich übrigens gegen den Eindruck, die Sache müsse immer so ausgehen wie bei Scharping und Albig. „Porträts von Politikern in ‚Bunte‘ können auch Wahlen gewinnen“, schrieb die Redaktion, als die SPD Albigs Niederlage auf das Interview schob, und nannte Beispiele dafür. Jetzt wird sich zeigen, ob das auch für Hessen stimmt.

Pitt von Bebenburg berichtet von Politik und Tratsch aus dem Landtag. Twitter: @PvBebenburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare