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Neue Perspektive: Roland Koch (CDU) als Verlierer.

Nach der Wahl

Was macht eigentlich Koch ?

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Roland Koch hat keine Mehrheit im neuen hessischen Landtag. Laut einer Forsa-Umfrage wollen 60 Prozent der Hessen, dass er sein Amt als Ministerpräsident abgibt. Was wird nun aus ihm?

Wiesbaden. Roland Koch hat keine Mehrheit im neuen hessischen Landtag. Laut einer Forsa-Umfrage wollen 60 Prozent der Hessen, dass er sein Amt als Ministerpräsident abgibt. Was wird nun aus ihm? Zunächst regiert er noch bis zum Ende der Legislaturperiode am 5. April. Und dann?

Koch führte am Dienstag ein erstes Gespräch mit FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn. Er versucht, eine Jamaika-Koalition (CDU/FDP/Grüne) auszuhandeln - oder eine große Koalition unter Führung der CDU. Koch weiß aber, dass er weder im einen noch im anderen Fall an der Spitze stehen könnte, weil das für SPD und Grüne nicht in Frage käme.

Geschäftsführender Ministerpräsident: Trotzdem könnte Koch über das Ende seiner Amtszeit hinaus das Land regieren. Wenn bei der konstituierenden Sitzung des Landtags keine Ministerpräsidentin und kein Ministerpräsident gewählt werden, bleibt Koch geschäftsführend im Amt, so lange, bis ein Misstrauensvotum eine Mehrheit findet.

CDU-Landesvorsitzender: Die hessische CDU steht trotz des Wahldebakels zu ihrem Vorsitzenden Roland Koch. Er sei "der Beste", heißt es schlicht. Wenn aber ein anderer Christdemokrat ihn an der Spitze der Regierung ablöst, könnte auch Kochs Parteivorsitz zur Disposition stehen. Ob er ihn abgeben will, entscheidet er allein.

Stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender: Seine Rolle in der Bundespartei dürfte Koch kaum behalten, wenn er sich aus der Regierung zurückziehen muss. Es sei denn, es wären andere politische Gestaltungsaufgaben in Sicht.

Bundesminister: Koch geht nicht als Minister nach Berlin. Zwei Tage vor der Hessen-Wahl hat er das erst wieder bekräftigt - und am Mittwoch auch die Kanzlerin. Wenn der Hesse gewollt hätte, wäre er schon 2005 in Angela Merkels Kabinett gewechselt. Spekuliert wird nun, Verteidigungsminister Franz Josef Jung könne Regierungschef in Hessen werden und einen Platz im Bundeskabinett für Koch frei machen. Doch weder wird sich Koch mit einem mäßig einflussreichen Ressort abspeisen lassen - noch dürften SPD oder Grüne sich auf eine Koalition mit Koch-Kumpel Jung einlassen.

EU-Kommissar: Eine andere Spekulation lautet, dass Koch den deutschen EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) ablösen könnte. Thematisch würde das passen. Doch Verheugens Posten wird erst in zwei Jahren frei. Soll Koch so lange Übergangs-Ministerpräsident bleiben?

Manager: Wahrscheinlicher ist ein Ausstieg aus der Politik. Koch redet glaubwürdiger als andere davon, dass er nicht auf die politische Karriere angewiesen ist. Er ist von Haus aus Wirtschaftsanwalt und hat reichlich Erfahrung in Aufsichtsräten großer Unternehmen gesammelt. In der Wirtschaft könnte er deutlich mehr Geld verdienen als jetzt. Die Entscheidung seines Wissenschaftsministers Udo Corts (CDU), in die Wirtschaft zu wechseln, hat Koch mit Sympathie begleitet - und sich größere Durchlässigkeit zwischen den Bereichen gewünscht.

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