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Als Wortführerin der ?Abtrünnigen? muss Natascha Bingenheimer viel Kritik von ihrer Ex-Partei einstecken.

Dreieich

Linke rechnen mit Abtrünnigen ab

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Nach dem Austritt von drei linken Parteimitgliedern setzt es harsche Worte von der Parteispitze. Vor allem Natascha Bingenheimer steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Bei den Linken im Kreis Offenbach kochen die Emotionen hoch. Der Austritt von Natascha Bingenheimer, Tino Schumann und Henry Schmidt wurmt die Parteispitze gewaltig. Die Dreieicher hatten an Ostern die parteipolitischen Segel gestrichen (wir berichteten). Nun setzt es vor allem gegenüber Bingenheimer harsche Kritik. Die Wortführerin des abtrünnigen Trios stand der Kreistagsfraktion und der Fraktion im Dreieicher Stadtparlament vor.

Die Kreistagsfraktion rechnet jetzt mit Bingenheimer ab. Man begrüße ihren Austritt, heißt es in einer Presseerklärung. Sie habe „mit einem autoritären Führungsstil die Mehrheit der Fraktion gegen sich aufgebracht“, sagt die parlamentarische Geschäftsführerin Jeanette Hallmann. Außerdem sei sie mit politischen Inhalten aufgetreten, die man „getrost als parteischädigend für die Linke bezeichnen kann“.

Am 7. April musste Bingenheimer den Vorsitz der Kreistagsfraktion bei der jährlichen Wahl an den 24-jährigen Dietzenbacher Jona Löbcke abgeben. Dazu sagt Hallmann: „Als ein demokratischer Wechsel des Vorsitzes entschieden wurde, konnte Bingenheimer mit dieser Entscheidung nicht umgehen.“

Ins gleiche Horn bläst der Kreisvorstand der Linken. Der Entschluss, die Partei zu verlassen, sei bei Bingenheimer offensichtlich erst gereift, nachdem sie „in einer demokratischen Wahl sowohl aus menschlichen als auch politischen Gründen nicht erneut zur Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gewählt wurde“, schreibt die Kreisvorsitzende Renate Wissler. Bingenheimer sagt dazu im Gespräch mit der FR, diese Wahl sei für sie nur noch der berühmte Punkt auf dem i gewesen.

Bingenheimers politische Arbeit habe oft nicht linken Inhalten entsprochen, wirft ihr der Kreisvorstand vor. Man müsse sich nicht jeder politischen Kraft anbiedern, wie Bingenheimer und Schumann das getan hätten. Politik sei kein Feld für Beliebigkeiten. Die Gescholtene sieht das anders: Eine kleine Partei müsse kompromissfähig sein, weil sie alleine nichts erreichen könne. „CDU und SPD geben die Großrichtung vor.“ Noch nie seien so viele substanzielle Anträge von den Linken gekommen wie in ihrer Zeit als Fraktionsvorsitzende. Außerdem gehöre der Dreieicher Ortsverband zu den aktivsten im Kreis Offenbach. „Diese Ehre schneidet mir keiner ab.“

Den Vorwurf eines autoritären Führungsstils lässt Bingenheimer nicht gelten. „Die Führungsstruktur der Linken in Hessen ist autoritär und infiltriert von Marx-21-Leuten“, sagt sie. Der Verfassungsschutz stuft Marx21 als linksextreme Vereinigung ein. Wer sich nicht „sanft und geschmeidig“ in diese Strömung einfüge, habe ein Problem in Hessen, moniert Bingenheimer.

Vor zehn Jahren sei sie im Saarland aus Überzeugung in die Partei eingetreten, weil „die dort dem Bürger aufs Maul schauen, wo es klemmt.“ Sie habe versucht, das Schiff in Dreieich und im Kreis Offenbach in diese Richtung zu lenken, sei aber von ihrer Partei „mit Argwohn und zum Teil sogar mit Neid“ betrachtet worden. Statt zukunftsweisende Themen auf Stadt- und Kreisparlamente herunterzubrechen, hielten die Linken an Pauschalaussagen fest, die der Landesverband vorgebe. Die Ortsverbände stünden in völliger Abhängigkeit von den übergeordneten Strukturen und hätten weder eigenes Geld noch eigene Entscheidungen zu treffen. Das sei nicht basisdemokratisch.

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