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Tatort Klassenraum: Ein Schulleiter ist den Vorwürfen von Diskriminierung und Sexismus nachgegangen - und wurde deshalb vom Land Hessen von seinem Posten abberufen.

Sexismus an Schule

Land schließt Vergleich mit Schulleiter

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Ein Pädagoge geht Vorwürfen von Sexismus an seiner Schule nach - und wird prompt vom Land Hessen abberufen. Es folgt eine langjährige Auseinandersetzung.

Ein langer Streit zwischen dem Land Hessen und einem seiner Lehrer ist außergerichtlich beigelegt worden. Das haben das Kultusministerium und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Frankfurter Rundschau bestätigt. Bereits seit Beginn dieses Schuljahres leitet der 59-jährige Ulrich Vormwald die Adolf-Reichwein-Schule in Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis), eine Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe und Vorklasse.

Damit ist eine langjährige Auseinandersetzung zu einem guten Ende gekommen. Vormwald war als kommissarischer Leiter der Kreisrealschule Bad Orb in den Jahren von 2000 bis 2002 Vorwürfen nachgegangen, dass Lehrer ihre Schüler gedemütigt und mit sexualisierten Begriffen beleidigt hätten. Außerdem hatte er Vorgänge aus den 1980er und 90er Jahren entdeckt, in denen ein Lehrer Schulmädchen belästigt haben soll. Im Jahr 2002 wurde Vormwald in Bad Orb abberufen.

Die GEW sah im Verhalten des Landes ein Alarmzeichen. Lehrer müssten unterstützt werden, wenn sie Vorwürfen von Sexismus und Übergriffen nachgingen. Das Ministerium betonte, dem Schulleiter sei kein „dienstliches Fehlverhalten“ vorgeworfen worden. Die Abberufung sei aber „zur Sicherung des Schulfriedens“ erforderlich gewesen.

Schulleiter wollte „sexistischen Fehlleistungen “ entgegentreten 

Vormwald wehrte sich vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt. Es stellte fest, dass es zur „korrekten Aufgabenerfüllung“ eines Beamten gehöre, „sexistischen Fehlleistungen aller Art zur Wahrung der Menschenwürde der Verletzten mit allen Mitteln entgegenzutreten“.

Fortan versah Vormwald unterschiedliche Aufgaben. Die GEW vertrat die Auffassung, er werde in der Schulbürokratie herumgeschoben und schikaniert. Die Frankfurter Rundschau berichtete 2017 ausführlich über den Fall.

Mit Hilfe der Gewerkschaft klagte der Betroffene auf Rehabilitierung. Die ist nach vielen Monaten gelungen, ohne dass ein Gerichtsurteil nötig wurde. Im August 2018 machten Vormwald und seine Stellvertreterin Zdena Steffen ihren Antrittsbesuch beim Rodenbacher Bürgermeister Klaus Schejna (SPD). Der zeigte sich, „überzeugt, dass Rodenbach mit Herrn Vormwald einen engagierten neuen Schulleiter bekommen hat“.

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