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Zu entdecken gab es viel auf der 43. Rodgau Art. Hier "Der Schwarm" von Karl-Heinz Geyer aus Goldbach.

Rodgau

Kunstausstellung Rodgau Art eröffnet

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Kunst, wohin man schaut: Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt in diesem Jahr auf der Fotografie. Fast 1800 Besucher kamen zur Eröffnung.

Malerei, Videoinstallation, Skulpturen oder Fotografie: Bei der 43. Auflage der Kunstausstellung Rodgau Art dürfte so mancher Besucher nicht gewusst haben, wohin zuerst. 76 Künstler haben am Wochenende ihre Werke im Bürgerhaus Nieder-Roden präsentiert – annähernd jeder Quadratmeter wurde zur Ausstellungsfläche erklärt. „Selbst auf den Toiletten haben wir dieses Mal Skulpturen aufgestellt“, sagt Organisatorin Gabriele Ziegler und lacht.

Der ungewöhnliche Ausstellungsort ist eher eine humoristische Zugabe, denn bei der Rodgau Art handelt es sich längst um eine weit über die Grenzen des Kreises anerkannte Kunstausstellung. „Bei einer Ausstellung in Freiburg empfahl mir mein Standnachbar, mich doch mal in Rodgau zu bewerben“, sagt die Vöhringer Künstlerin Magdalena Washington. Ihre Bewerbung überzeugte und so zeigt Washington erstmals ihre Arbeiten in Rodgau.

Auch ungewöhnliche Arbeiten zu sehen

Das Besondere daran: Während andere Künstler oft darauf achten, dass die Besucher ihren Werken nicht zu nahe kommen, ist bei Washingtons Bildern Anfassen erlaubt. „Ich arbeite gern mit ungewöhnlichen Materialien, um eine besondere haptische Wirkung zu erzielen“, sagt sie. In die Farbe für ihre Bilder mischt sie Kaffeesatz, Rost, Grünspan oder Goldpigmente. „Ich experimentiere eben gern“, sagt Washington.

Ihr gegenüber im kleinen Saal hängen die Bilder von Irene Narciso. Drei Helfer waren nötig, um ihr großformatiges Gemälde „Feeling good“ aufzuhängen, stolze fünf Meter ist das Bild lang. „Ich sehe meine Bilder selbst erst in Gänze in der Ausstellung“, sagt die Dreieicher Künstlerin, „in meinem Atelier habe ich nicht den Platz, sie wirken zu lassen.“ Seit 2001 ist sie künstlerisch tätig, auch sie ist erstmals bei der Rodgau Art vertreten. Wie Washington wurde auch ihr die Teilnahme empfohlen.

„2011 haben wir das Konzept der Ausstellung umgestellt, seitdem können wir uns vor Bewerbungen kaum noch retten“, sagt Gabriele Ziegler. Aus der Ausstellung mit städtischen Künstlern wurde eine regionübergreifende Kunstschau. „Und das Konzept bewährt sich“, sagt sie. Rund 600 Besucher kamen allein zur Eröffnung am Freitag, fast 1800 Besucher fanden am Wochenende den Weg ins Bürgerhaus.

„Das platzt fast aus allen Nähten“, räumt Ziegler ein. Die Fotografen, die den diesjährigen Schwerpunkt bilden, stellen etwa in der Sporthalle aus. Die Motive aber lassen den ungewöhnlichen Ort vergessen, etwa die an Dalí-Bilder erinnernden Composing-Fotos des Mühlheimer Fotografen Harry Bünger.

„Bürger verlangen nach Kunst“

Von der Problematik des Ortes weiß Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD): „Wir stoßen hier im Bürgerhaus natürlich an unsere Grenzen – aber, was mich freut: die Bürger verlangen nach Kunst.“ Eine zukünftige Aufgabe für die Stadt werde es sein, einen dauerhaften Platz für Kunst und Kultur zu finden.

Denn Rodgau wächst, in absehbarer Zeit wird die Stadt über 50 000 Einwohner zählen. Zu der dazu notwendigen Infrastruktur wie Wohnraum, Verkehr oder Schulen gehört auch ein ansprechendes Kulturangebot. „Momentan sind wir dabei, im Rektor-Geißler-Haus in Dudenhofen einen dauerhaften Platz für Kunst einzurichten“, sagt Hoffmann. Allerdings sei auch im Rektor-Geißler-Haus der Raum für Ausstellungen begrenzt. „Unsere Infrastruktur wird folglich mitwachsen müssen: Die Verwaltung trägt schon die notwendigen Fakten zusammen und dann werden wir auch die Bürger beteiligen“, sagt Hoffmann.

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