Künftig lässt auch die Stadt den Fluglärm messen

Oberbürgermeister Gerhard Grandke: Daten sollen gerichtsverwertbar sein / Bisher misst nur die Fraport

Von Helga Franke

OFFENBACH. Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) machte gestern bei der Vorstellung der Messstellen keinen Hehl aus seiner Überzeugung: "Wir wollen und müssen diesen Ausbau verhindern." Die Klage gegen den Landesentwicklungsplan hatte Offenbach im August gewonnen, gegen ein abweichendes Urteil in Sachen Regionalplan hat die Stadt Rechtsmittel eingelegt. Im Hauptprozess in puncto Nachtflugverbot, in dem alle städtischen Verfahren zusammengefasst werden, gibt es am 26. März eine Verhandlung vorm Verwaltungsgerichtshof Kassel.

Für spätere Prozesse möchte sich die Stadt gut rüsten. "Gerichtsverwertbar" sollen die Beweise für die schon jetzt messbare Lärmbelastung sein, sagt Grandke. Bisher wird der Fluglärm über Offenbach nämlich lediglich von der Fraport gemessen: auf der Rosenhöhe und am Bieberer Aussichtsturm. Das soll jetzt anders werden. Deshalb hat der Offenbacher Magistrat das international tätige Beratungsbüro Müller-BBM damit beauftragt, ein Jahr lang Beweise für die Fluglärmbelastung zu sammeln. Die Kosten für den Auftrag: zwischen 30- und 40 000 Euro.

Thomas Beckenbauer vom Beratungsbüro, das sich unter anderem auf Schalltechnik spezialisiert hat, erläuterte das Neue an den Messwerten, wie sie erstmals in Offenbach ermittelt werden sollen. Bislang werden so genannte äquivalente Dauerschallpegel - das sind Mittelwerte des Fluglärms zwischen 6 und 22 Uhr sowie 22 bis 6 Uhr - ermittelt. Außerdem werden Maximalpegel als Höchstwerte beim Vorbeiflug einzelner Maschinen erfasst. Zudem ermittelt man die mittlere Häufigkeit, mit der bestimmte Maximalpegel pro Tag und Nacht auftreten.

In Offenbach sollen nun weitere Werte berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich um die Dauer der Fluggeräusche, den Pegel von Hintergrundgeräuschen, die Häufigkeit von Maximalpegeln und die Tageszeit der einzelnen Ereignisse. Die Kombination einer stationären Dauermessstelle mit der mobilen Station erlaubt zudem Aussagen über die Flächendeckung der Geräusche in Abhängigkeit von den Flugbewegungen. Gemessen wird unter anderem im Nordend, in Bürgel, Biebernsee, Lauterborn, Tempelsee. Die Messstellen sind mit Mikro, einer Uhr und einer Wetterstation ausgestattet, zeichnen kontinuierlich den Schall auf - die Daten können per Telefon abgerufen werden. Was dort festgestellt wird, können die Offenbacher künftig beispielsweise mit den Daten der beiden Fraport-Messstellen vergleichen.

Größtes Problem der Installierung: die Standorte der Lärmmesser. Der Probebetrieb auf dem Dach des Leibnizgymnasiums an der Brandsbornstraße musste gestern nach zwei Monaten abgebrochen werden: Bei Ostwetterlage übertönte in 18 Meter Höhe der Autobahn-Lärm die Flugzeuggeräusche. Da die Stadt vor allem die Auswirkungen von Fluglärm auf öffentliche Gebäude dokumentieren will, fiel die Wahl gestern auf die Beethovenschule. Die Städtischen Kliniken waren als Standort verworfen worden, weil die Klimatechnik auf dem Dach zu sehr lärmte.

Die neuen Daten werden es erlauben, so OB Grandke, von der aktuellen Belastung der Flugschneisen Rückschlüsse auf die geplanten Trassen zu ziehen. Deshalb wird das Material ins Planfeststellungsverfahren einbezogen. Grandke kündigte zudem an, die Messergebnisse auch Bürgern zur Verfügung stellen zu wollen, wenn sie gegen den Ausbau klagen.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare