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Der U-Boot-Krieg nimmt in der Schau breiten Raum ein, genauso wie hochrangige Militärs.

Hanau

Kontroversen um Weltkrieg-Ausstellung

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Kritiker sehen die Revolution von 1918 diskreditiert und die Regierungstruppen überhöht. Ihnen fehlt außerdem die kritische Distanz zum Militär. Der Kurator widerspricht.

Da werden „erste spektakuläre Erfolge“ von U-Booten erwähnt, „wie etwa die Versenkung von drei britischen Panzerkreuzern“, sowie das „Potential der neuen Waffe“. Über den in Hanau geborenen Kapitänleutnant Kurt Hartwig heißt es anerkennend: „Seine Karriere als U-Boot-Kommandant steht weit über den Lebensläufen anderer Seeoffiziere.“

Die Revolution hingegen kommt alles andere als gut weg, in diesem Zusammenhang ist von Hanauer „Unruhestiftern“, gewaltbereiten Randalierern, Plünderern und einem Mob die Rede.

Diese Begleittexte, die auf Tafeln in der Ausstellung „Hanau in feldgrauer Zeit - Zusammenbruch und Revolution 1918“ im Historischen Museum zu lesen sind, sorgen derzeit für Diskussionen. Die Schau ist der Abschluss einer dreiteiligen Reihe, die sich vor allem mit der Zeit von 1914 bis 1918 befasst, mit Ursachen und Folgen des Ersten Weltkriegs. Jetzt geht es um das Geschehen im Jahr 1918, um den U-Boot-Krieg sowie den Umbruch und die Besetzung in Hanau. Unter anderem sind Fotos, Uniformen, Waffen zu sehen, werden Lebensläufe von Militärs nachgezeichnet.

Die Ausstellung wird gelobt, auch wegen der vielen Details und der Vorstellung von Protagonisten. OB Claus Kaminsky (SPD) zeichnete den Kurator, den auf Militärgeschichte spezialisierten Lokalhistoriker Jens Arndt, bei der Eröffnung mit der Bürgerplakette aus, als „hoch geschätzten und hoch engagierten Experten für die Geschichte Hanaus“.

Es gibt aber auch deutliche Kritik an der Schau, allem voran von der Autorin und früheren FR-Redakteurin Ilse Werder, die zahlreiche historische Bücher verfasst hat. Werder kritisiert die Darstellung der Revolution. Sie betont, dass Bürger, Arbeiter und Sozialdemokraten auch in Hanau „unter Lebensgefahr für einen demokratischen Staat, gegen autoritäre feudale Strukturen kämpften“. Sie forderten früh ein Ende des Gemetzels im Ersten Weltkrieg und Frieden mit den Nachbarn. „Die Kunde vom Hanauer Aufruhr drang schnell nach Berlin. Der Ausnahmezustand wurde verhängt, die Hauptakteure verhaftet“, so Werder, die von einer brutalen Niederschlagung spricht. „Und was erfahren wir darüber in der Ausstellung?“, fragt sie rhetorisch. Der Besucher erfahre nur, dass im Revolutionsjahr ein unpolitischer „Mob“ auf der Straße gewütet habe, die gelobten Regierungstruppen die Stadt angeblich in 30 Minuten eingenommen hätten und kein Schuss gefallen sei.

Andere, wie Grünen-Fraktionschef Stefan Weiß, monierten einige Formulierungen im U-Boot-Abschnitt und plädierten für mehr kritische Distanz gegenüber dem Militär. Der vormilitärische Jungdeutschland-Bund etwa wird auf einer Tafel mit einer „straff organisierten Pfadfindergruppierung“ verglichen.

Kurator Arndt weist die Vorwürfe zurück. Weil der Platz begrenzt sei, habe er die Revolution „nicht in Gänze aufarbeiten können“. Den thematisierten Abschnitt habe er jedoch korrekt dargestellt: In dieser Phase hätten nun einmal unpolitische Randalierer dominiert. Bei der Besetzung Hanaus sei tatsächlich nicht geschossen worden. Andere Aspekte der Revolution, etwa die Forderung nach Bürgerrechten, behandele er bei Führungen und Vorträgen im Rahmen der Schau.

Arndt sagt, einige Begleittexte seien gekürzt worden und könnten daher zu Missverständnissen führen. Er verharmlose den Krieg aber keinesfalls, davon zeuge etwa der Raum, in dem viele Gefallene abgebildet sind. Er finde es gut, dass nun eine Debatte stattfinde. Genau das sollten Ausstellungen erreichen, so Arndt.

Ilse Werder bleibt bei Ihrer Kritik. Die Art, wie die Revolution dargestellt werde, sei alles andere als korrekt. Sie fordert einen anderen Umgang mit Hanauer Widerstandsbewegungen, auch im Hinblick auf das in Hanau-Wolfgang geplante Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte.

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