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Die Installation von Künstlerin Schüttoff (rechts) widmet sich dem Main und arbeitet mit Spiegelungen.

Hanau

Kleine Künstlerkolonie am Hafen

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Installationen sollen die traditionsreiche Siedlung am Hanauer Hafen schmücken. Die Nachfrage nach den Wohnungen dort ist deutlich gestiegen.

Philip Modest Schambelan hat sich mit Containern und Fässern auseinandergesetzt, diesen am Hafen omnipräsenten ordnenden Elementen. Das Besondere an seinem Werk: Die Ordnung „löst sich im Chaos auf“, sagt er. Die unzähligen Behälter formieren sich zu Städten, in denen man sich verlieren kann.

Constanze Schüttoff widmet sich dem Transportweg Main, der alles beherrscht: Die riesigen Wellen aus pigmentiertem Papier wogen auf mehreren Ebenen. Und die Glasscheibe, die sie umgibt, sorgt für Spiegelungen. Alles „fließt hinein“.

Neben Maurizio Tazzuti sind Schambelan und Schüttoff die Künstler, die mit je zwei Werken die sechs Eingangsportale im Hafencarrée an der Westerburgstraße gestaltet haben. Aus einem Wettbewerb von Baugesellschaft (BGH), Stadt, Sparkasse und IG Hafentor sind sie unter 30 Bewerbern als Sieger hervorgegangen und schufen Objekte, für die je 5500 Euro zur Verfügung standen. Gesucht wurden Entwürfe mit Bezügen zu Hafen, Handel, Technologie. Ein Ziel: Ähnlich wie das Denkmal für den Maler Moritz Daniel Oppenheim am Freiheitsplatz sollen die Installationen, die abends beleuchtet werden, das kulturelle Profil der Stadt schärfen, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Gleichzeitig sollen sie die traditionsreiche, denkmalgeschützte Siedlung am Hafen aufwerten. Der Gebäudekomplex, auf dem zwei Kolossalfiguren aus Beton sitzen, die Handel sowie Arbeit symbolisieren, gehört zu Hanaus Wahrzeichen. Nachdem hier lange kaum saniert worden war, gab es in den vergangenen Jahren Fortschritte: Die BGH investierte circa 1,5 Millionen Euro und erneuerte etwa die Balkone und einen Teil der Fassade; der Rest soll im nächsten Jahr folgen. Ein Teil der Wohnungen wurde zum Selbstausbau angeboten, im Gegenzug können die Mieter dort zumindest mehrere Jahre lang günstiger wohnen, ab 3,50 Euro pro Quadratmeter. Darüber hinaus wurden die Hauseingänge von der stark befahrenen Westerburgstraße – 20 000 Autos kommen hier täglich vorbei – auf die Rückseite des Gebäudes verlegt. Die nicht mehr genutzten Eingänge werden aus Gründen der Denkmalpflege erhalten – und bieten Platz für die Kunstwerke.

In der gesamten Anlage stehen jetzt laut BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald 16 von 159 Wohnungen leer, „die niedrigste Leerstandsquote seit 2003“. Mitunter war ein Drittel der Wohneinheiten, die insgesamt eine Fläche von 9700 Quadratmetern umfassen, nicht besetzt.

Der relativ niedrige Leerstand hat zum einen damit zu tun, dass es auch in Hanau an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Zum anderen ist das Carrée gerade für junge Kreative attraktiver geworden. Mitglieder der Theatergruppe Die Dramateure wohnten zum Beispiel hier und Studenten der Zeichenakademie, schildert Gregor Wilkenloh von der IG Hafentor, die die Entwicklung zum Wohn- und Kulturort vorantreibt. Im mittleren Bereich des Komplexes haben sie die Hafenkneipe aufgebaut. Wilkenloh schätzt an ihr unter anderem, dass sich dort ganz unterschiedliche Leute begegnen: Junge, neu hinzugezogene Künstler und Ur-Hanauer, die seit Jahrzehnten am Hafen leben.

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