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Kita-Kinder (Symbolfoto).

Kinderbetreuung in Offenbach

Kitas locken Quereinsteiger

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Elf Kitas müssen in den nächsten fünf Jahren in Offenbach eröffnet werden. Um genügend Personal zu bekommen, wirbt die Stadt mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen um Arbeitskräfte.

Etwa elf zusätzliche Kitas müssen Schätzungen zufolge in den nächsten fünf Jahren in Offenbach gebaut werden, um den Betreuungsbedarf in der wachsenden Stadt zu decken. In diesem Zeitraum sind in den neuen Einrichtungen rund 165 Stellen zu besetzen. Und das, obwohl in der Stadt schon jetzt zehn Stellen in Kitas vakant sind, weil nicht genügend Personal gefunden werden kann. „Wir haben im Moment in jeder Einrichtung ein Leck“, sagt Claudia Kaufmann-Reis, die Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO).

Dieses Beispiel veranschaulicht die Dimension des Fachkräftemangels, der auch vor den Kommunen und ihren Eigenbetrieben nicht Halt macht. In Offenbach geht bis 2025 zudem ein Viertel der in der Verwaltung Beschäftigten in den Ruhestand. Die Kommune versucht deshalb verstärkt – wie manche Unternehmen auch –, sich einen Namen als attraktiver Arbeitgeber zu machen, um gut ausgebildete Arbeitskräfte an sich zu binden.

Ein Fokus der städtischen Bemühungen um Fachkräfte liegt dabei auf Verbesserungen in puncto Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass es dort noch Verbesserungsbedarf gibt, machten aber die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten bei der Vorstellung von Personalgewinnungsstrategien der Stadt am Dienstag klar. So gebe es in der Offenbacher Stadtverwaltung zwar die Möglichkeit, die Arbeitszeit aufgrund von Familienaufgaben befristet zu reduzieren, sowie ein Rückkehrrecht auf Vollzeit – in neun von zehn Fällen seien es aber immer noch Frauen, die von der Arbeitszeitverkürzung Gebrauch machten.

Zudem liege die Teilzeitquote in städtischen Führungspositionen nur bei zwölf Prozent. „Teilzeitarbeit auch in Führungpositionen zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für die Zukunft“, mahnte die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Kernverwaltung, Martina Jöst, angesichts dieser geringen Quote. Immerhin: Der Frauenanteil in kommunalen Führungspositionen liegt in Offenbach Jöst zufolge bei rund 53 Prozent – auch wenn Frauen im höheren Dienst generell weiterhin „unterrepräsentiert“ seien.

Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in Führungspositionen an Bedeutung gewinnt, hat auch Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) erkannt – so arbeite in der ersten von ihm besetzten Führungsposition eine Person mit 25 Stunden Wochenarbeitszeit. Schwenke wirbt offensiv für den Arbeitgeber Offenbach: So gebe es dort etwa die Möglichkeit zur Heimarbeit und flexible Arbeitszeiten zwischen 6 Uhr und 20 Uhr.

Um mehr qualifizierte Arbeitskräfte für Kitas zu gewinnen, hat die Stadt nun in Zusammenarbeit mit der Käthe-Kollwitz-Schule ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Quereinstieg“ gestartet: Kita-Angestellte aus anderen Berufssparten sollen in einer dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung – bei Weiterbezug des Gehalts – zu Erzieherinnen und Erziehern ausgebildet werden. Zwölf Bewerbungen gibt es für das in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit aufgelegte Programm schon, eine Eignungsprüfung an der Käthe-Kollwitz-Schule steht noch an. Voraussetzung sind unter anderem gute Deutschkenntnisse.

Der Kita-Eigenbetrieb EKO musste zuletzt auch auf Beschäftigte „ohne die übliche pädagogische Fachausbildung zurückgreifen“, erklärt EKO-Leiterin Kaufmann-Reis. Viele dieser Personen verfügen über im Ausland erworbene Berufserfahrungen, die hier nicht oder nur teilweise anerkannt werden. Mit dem Ausbildungsprojekt könne nun auch ihre berufliche Perspektive verbessert werden, sagt die EKO-Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Ina Sittmann, die das Projekt initiiert hat.

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