Nachruf

Ein Jurist, der sich einmischte

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Christoph Kulenkampff ist gestorben. Einst war er Hessens jüngster Generalstaatsanwalt.

Wer Christoph Kulenkampff begegnete, der traf einen stets elegant gekleideten Herrn, der sich einmischte, der mit klaren Worten seine Meinung vertrat, der sich keiner Mode beugte, auch nicht politisch. Der ehemalige hessische Generalstaatsanwalt und frühere Innen-Staatssekretär, der seinerzeit das SPD-Parteibuch besaß, das er später verärgert abgab, ist während der Weihnachtstage gestorben.

Das bestätigten die hessische Landesregierung und die Schader-Stiftung der FR, nachdem die „FAZ“ zuerst den Tod vermeldet hatte. Kulenkampff wurde 71 Jahre alt.

Der Frankfurter Kulenkampff engagierte sich vielfältig. Er förderte etwa das Jüdische Museum in Frankfurt und unterstützte das Fritz-Bauer-Bildungswerk, das sich um Berufsbildung von Strafgefangenen kümmert. Jahrelang war Kulenkampff nicht aus der Integrationsdenkwerkstatt in Frankfurt wegzudenken, die der ehemalige Integrationsdezernent Jean-Claude Diallo (Grüne) einberufen hatte, um verschiedene Perspektiven aufzunehmen. Für solche kontroversen Debatten war Kulenkampff die Idealbesetzung. „Wir setzen uns dafür ein, mehrfache Staatsangehörigkeiten zu ermöglichen, um die komplexen Identitäten und Zugehörigkeiten der eingewanderten Frankfurterinnen und Frankfurter anzuerkennen“, hieß es in einem Manifest der Denkwerkstatt aus dem Jahr 2010.

Schon seit Jahrzehnten hatte Kulenkampff den eigentlich für ihn vorgezeichneten Weg in Justiz und Politik verlassen – nicht eben freiwillig. 1986 war der Jurist zum jüngsten Generalstaatsanwalt ernannt worden, den Hessen je hatte. Fünf Jahre später holte ihn Innenminister Herbert Günther (SPD) als Staatssekretär nach Wiesbaden. Doch schon 1993 ging Kulenkampffs politische Karriere jäh zu Ende. Als Nazis in Fulda zu Hunderten aufmarschierten, war die Polizei nicht dafür gewappnet. Minister Günther weilte in Urlaub. Kulenkampff trug die Verantwortung und musste gehen.

Der in den Ruhestand versetzte Beamte übernahm neue berufliche Aufgaben. So leitete er sieben Jahre lang die Geschäfte des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft und amtierte danach für weitere sieben Jahre als geschäftsführender Vorstand der Schader-Stiftung in Darmstadt.

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