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Ein typischer Blick.

Nachruf Jürgen Engel

Jürgen Engel ist tot

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Jürgen Engel, Frankfurter aus der Gründungs-Generation der Grünen, stirbt mit 70 Jahren.

Für die Frankfurter Grünen, aber auch für die Partei bundesweit ist das ein schmerzlicher Verlust. Ein wichtiger Mann ihrer Gründungsgeneration ist tot. Jürgen Engel, in den 80er Jahren Geschäftsführer und Abgeordneter der ersten Grünen-Landtagsfraktion in Hessen, erlag nur wenige Tage vor seinem 71. Geburtstag einer schweren Krankheit.

Am Dienstagabend sorgte diese Nachricht über Frankfurt hinaus für Bestürzung und Trauer. Engel war ein Mann von verschmitztem Humor, kein auftrumpfender Machtmensch, sondern einer, der ruhig, aber sehr beharrlich seinen Weg verfolgte. Mit hoher Sachkunde, vor allem aber einem sozialen Gewissen ausgezeichnet.

Sein politischer Weg begann in Frankfurt lange vor den Grünen. Es ist schwer, einen Anfang zu definieren. Vielleicht lässt sich im Jahre 1973 beginnen. Der junge Industriekaufmann von der Hoechst AG gehört zu den Demonstranten, die aus Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen des Frankfurter Verkehrsverbundes (FVV) die Straßenbahn-Gleise auf der Frankfurter Zeil blockieren.

Die Protestierenden richten ihre Botschaft an den damaligen SPD-Oberbürgermeister: „Rudi Arndt, wir haben Dich gewarnt!“ Engel ist in den 70er Jahren bei vielen Demonstrationen gegen Atomkraft bundesweit dabei. Gewalttätigkeit schreckt ihn ab: „Wir haben Farbe in Plastikbeutel gefüllt und Wasserwerfer bunt angemalt.“

Festival „Rock gegen Rechts“ mitorganisiert

1978 gehört er zu den Aktivisten, die in der Frankfurter Bierkneipe „Schmendrick“ im Bornwiesenweg intensiv über die Gründung einer Umweltpartei nachdenken. Mit dabei: Milan Horacek, zehn Jahre zuvor aus der Tschechoslowakei nach Frankfurt geflohen, Manfred Zieran vom Sozialistischen Büro, seine Lebensgefährtin Jutta Ditfurth. Bei der Landtagswahl 1978 tritt Jürgen Engel für die Grüne Liste Hessen (GLH) im Frankfurter Nordend an. Die GLH erringt landesweit 1,1 Prozent, Engel im Nordend aber das Spitzenergebnis: Fünf Prozent.

1979 organisiert Engel mit anderen in Frankfurt das Festival „Rock gegen Rechts“ mit Zehntausenden von Teilnehmern. Am 12. und 13. Januar 1980 ist er beim Gründungsparteitag der Grünen in Karlsruhe dabei. Seinen alten Mitgliedsausweis, ausgestellt in diesen Tagen, zeigte er immer stolz. Als die Grünen 1982 erstmals in den Hessischen Landtag einziehen, bestimmt ihn die Fraktion zu ihrem parlamentarischen Geschäftsführer. Er knüpft die ersten Kontakte zur SPD und trinkt mit deren Geschäftsführer Paul Leo Giani in der Landtags-Kantine ein Bier. Große Aufregung auf beiden Seiten.

Engel ist einer der Baumeister der ersten rot-grünen Landesregierung in Hessen, die am 12. Dezember 1985 ihre Arbeit aufnimmt und bis zum 9. Februar 1987 hält. So hat er tatsächlich politische Geschichte geschrieben, unaufgeregt, nicht ideologisch, mit einem Hang zur (Selbst-)Ironie. Er wird schmerzlich fehlen.

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