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Will Kontakt zur Basis bewahren: Janine Wissler.

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Janine Wissler zieht für die Linke in den Landtag

Sie geht gern ins Kino, freut sich über gute deutsche Filme - "Du bist nicht allein" mit Axel Prahl oder "Vier Minuten", das Drama um eine junge Strafgefangene. "Zum Glück gibt es Spätvorstellungen", sagt Janine Wissler lachend. Tagsüber blieb der 26-jährigen Studentin in den letzten Monaten wenig Zeit. Nach langem Wahlkampf ist die Frankfurterin jetzt für die Linke in den Hessischen Landtag eingezogen - als jüngste Abgeordnete.

Nun sitzt sie erschöpft, aber glücklich, in einem kleinen Café in der Nähe des Gewerkschaftshauses und versucht, sich ihr künftiges Leben vorzustellen. "Ich hab für mich selbst das alles noch nicht realisiert." Klar, es war "eine Lebensentscheidung", als sie sich vor Monaten entschloss, auf der Landesliste der Linken weit vorne zu kandidieren.

Einiges hat sich die gebürtige Dreieicherin fest vorgenommen. "Ich will nicht von der Partei als Berufspolitikerin abhängig werden." Sie hat sich schon ihr "Studium durch Arbeit im Baumarkt finanziert". Ihr Vater führt als Bezirksleiter gleich mehrere solcher Märkte. Ihre Erfahrungen in einer Männerwelt: "Die männlichen Kunden haben zuerst oft nach einer männlichen Bedienung gefragt - viele Frauen aber auch". Da muss sie grinsen.

Attac keine Alternative für SPD

Janine Wissler hat sich durchgeboxt. Schon für die Schülerin, deren Mutter erst der DKP angehörte, dann mit den Grünen sympathisierte, hat "Politik eine Rolle gespielt". Mit 14 ging sie zur ersten Demo, "im Rodgau gegen französische Atomtests". Sie schloss sich den Globalisierungsgegnern von Attac an, gründete deren erste Hochschulgruppe, war beim Protest gegen den G8-Gipfel von Genua im Juli 2001 dabei, als ein Demonstrant starb. "Das war heftig".

Aber Attac genügte ihr bald nicht mehr. "Das ist politisch keine Alternative zur SPD - ich wollte weiterkommen." 2005 war sie Mitbegründerin der Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG), heute gehört sie dem Bundesvorstand der Linkspartei an. Sie lacht über die Vorstellung, dass alte Kommunistenkader in ihrer Partei den Ton angeben.

Auch die beiden Vorzeige-Figuren Gregor Gysi und Oskar Lafontaine seien zwar wichtig, "aber die Musik spielt vor Ort, und wir wollen kein Männerverein sein". Damit sie unabhängig bleibt, will sie 2008 ihre Diplomarbeit als Politologin abschließen - über die Rolle der Europäischen Union in der Weltpolitik. Für ihre Arbeit im Landtag hofft sie, dass sie "nicht den Kollegen von der Müllabfuhr" aus den Augen verliert.

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