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Demonstration gegen Abschiebungen in Kassel.

Abschiebung

Hoffnungsschimmer für Alek

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Seine Großmutter will den psychisch kranken 13-Jährigen nach seiner Abschiebung nach Mazedonien zurück nach Deutschland holen.

Ein Jahr nach seiner Abschiebung nach Mazedonien gibt es eine leise Hoffnung auf Rückkehr für einen psychisch kranken Jungen. Die mazedonischen Behörden haben der Großmutter des 13-jährigen Alek im Dezember das Sorgerecht übertragen. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegen. 

Die Großmutter, die ursprünglich mit Alek abgeschoben werden sollte, ist seit dem vorigen Jahr mit einem Deutschen verheiratet und besitzt Aufenthaltsrecht in Deutschland. Sie hofft nun nach Angaben von Unterstützern, Alek zurück nach Deutschland holen zu können. 

Als Problem erweist sich aber nach Angaben des Hessischen Flüchtlingsrats, dass gegen Alek wegen seiner Abschiebung eine „automatische Einreisesperre“ bis ins Jahr 2020 verhängt worden sei. Diese müsse von den Behörden verkürzt werden, um seine Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen, sagte der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, Timmo Scherenberg, der Frankfurter Rundschau.

Alek musste zurück zum gewalttätigen Vater

Aleks Abschiebung hatte im Februar vorigen Jahres für Aufsehen gesorgt und auch den Hessischen Landtag beschäftigt. Dort forderte Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, der Schutz von Kinderrechten dürfe kein reines Lippenbekenntnis sein. Das Kindeswohl müsse absoluten Vorrang haben. Auch die Grünen und die SPD sahen Aufklärungsbedarf. 

Die hessischen Behörden hatten das Vorgehen für rechtmäßig erklärt. Das mazedonische Innenministerium habe zugesagt, dass die erforderliche Betreuung des Jungen durch das Jugendamt sachkundig sichergestellt sei, berichtete damals das Regierungspräsidium Gießen. 

Der Junge hatte seit 2016 mit anderen Pflegekindern in einer Familie im thüringischen Mülverstedt gelebt. Im Januar 2018 wurde er von dort in eine Jugendeinrichtung ins hessische Alsfeld gebracht, wo ihn nur wenige Tage später die Polizei abholte und alleine nach Mazedonien abschob. Dort wurde er von seinem drogenabhängigen und gewalttätigen Vater abgeholt, vor dem Alek nach Angaben seiner Betreuer große Angst hat. 

Großmutter erstritt Sorgerecht

Tatsächlich wurde der kranke Junge von dem Mann erneut misshandelt, wie seine frühere Pflegemutter aus Mülverstedt berichtet, die nach wie vor Kontakt mit Alek hat. Aleks ebenfalls drogensüchtige Mutter starb, als der Junge vier Jahre alt war. Deren Mutter, Aleks Großmutter, hat nun vor den mazedonischen Behörden das Sorgerecht für den Jungen erstritten. Es handele sich um ein „minderjähriges Kind ohne Elternsorge“, heißt es in der Vormundschaftsurkunde der Sozialbehörde in der mazedonischen Stadt Kumanovo, die der FR vorliegt. Sie wurde ausgestellt, nachdem es im Dezember einen weiteren gewalttätigen Übergriff des Vaters gegen den Jungen gegeben hatte. 

Alek und seine Oma leben nach Angaben ihrer Unterstützer mittellos in Kumanovo und seien nicht krankenversichert. Alek benötige aber dringend Medikamente, um seine psychische Erkrankung zu behandeln. Der Hessische Flüchtlingsrat dringt daher darauf, die Einreisesperre für den Jungen mit sofortiger Wirkung zu beenden, damit er Junge in Deutschland seine Behandlung fortsetzen kann. 

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