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Thorsten Schäfer-Gümbel hat den Zeitpunkt seines Rückzugs wohl durchdacht.

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Hessen-SPD sucht Nachfolger für Thorsten Schäfer-Gümbel 

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In der hessischen SPD wünschen sich manche eine „komplette Neuaufstellung“ – auch auf den Vizeposten.

Gut gelaunt isst Thorsten Schäfer-Gümbel am Mittwoch mit Parteifreunden im Restaurant des Landtags zu Mittag. Einen Tag nach seiner Entscheidung, im Laufe dieses Jahres alle politischen Ämter aufzugeben, wirkt der Partei- und Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD gelöst und mit sich im Reinen.

Doch nicht alle sind gelassen. Die Sozialdemokraten müssen nun Nachfolger für die Spitzenposten finden. Vieles spricht dafür, dass Nancy Faeser zur neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt wird, wenn Schäfer-Gümbel Anfang Oktober aus dem Landtag ausscheidet. Die Innenpolitikerin und SPD-Generalsekretärin gilt in Wiesbaden schon lange als Nummer zwei der SPD.

Ungewiss ist hingegen, ob Faeser auch die einzige Kandidatin für den Parteivorsitz sein wird, wenn ein Landesparteitag am 2. November darüber abstimmt. Der scheidende Parteivorsitzende Schäfer-Gümbel hat schon einen deutlichen Wink gegeben, dass er sich Faeser auch an dieser Stelle wünscht. Er vertrete die „Auffassung, dass Fraktions- und Landesvorsitz in einer Hand sein sollten“, sagte der SPD-Chef bei der Pressekonferenz zu seinem Rückzug.

SPD in Hessen: Landesvorstand berät in kommender Woche

Aus Nordhessen wird aber auch der Name von Michael Roth als Kandidat genannt. Er war Faesers Vorgänger als SPD-Generalsekretär und vertritt die hessische Sozialdemokratie als Staatsminister in der Bundesregierung.

Der designierte nordhessische Bezirksvorsitzende Timon Gremmels hatte Roths Namen am Wochenende in einem Interview ins Spiel gebracht. Gremmels sagte der FR am Mittwoch, er sehe in Nancy Faeser eine „super“ Kandidatin. Er habe aber darauf hinweisen wollen, dass die hessische SPD noch „breiter aufgestellt“ sei. Das taten auch die Frankfurter Jusos mit ihrer Aussage, dass SPD-Oberbürgermeister wie Peter Feldmann (Frankfurt), Felix Schwenke (Offenbach) oder Thomas Spies (Marburg) für den Posten an der Parteispitze infrage kommen könnten. Bisher gibt es aber keinerlei Anzeichen dafür, dass Faeser Konkurrenz aus deren Reihen bekommt.

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In der kommenden Woche will die SPD in einer außerordentlichen Sitzung des Landesvorstands erstmals über das weitere Vorgehen beraten. Ein Thema dürfte sein, wie die Partei verfahren will, falls es mehrere Kandidaten gibt. Diskutiert wird in der SPD über Vorstellungsrunden in den Unterbezirken, Regionalkonferenzen und ein Mitgliedervotum.

Was das Personal betrifft, dürfte es nicht nur um den Parteivorsitz gehen, sondern auch um die stellvertretenden Parteichefs. „Ich kann mir vorstellen, dass es eine komplette Neuaufstellung gibt“, sagt die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang, die bisher einen der Vizeposten innehat.

Insgesamt gibt es drei solcher Posten. Einer davon ist verwaist, seit der nordhessische SPD-Bezirksvorsitzende Manfred Schaub im vergangenen Mai völlig überraschend starb. Die anderen beiden Plätze werden von der Kommunalpolitikerin Stang und vom südhessischen SPD-Bezirksvorsitzenden Gernot Grumbach eingenommen.

Schäfer-Gümbel hatte erst vor kurzem in der FR seine Partei ermahnt, sie müsse „alte Zöpfe abschneiden“. Dazu könnte auch die Tradition zählen, dass die Vorsitzenden der beiden hessischen SPD-Bezirke zugleich stellvertretende Landesvorsitzende sind.

Der FR-Kommentar: Es war Zeit für einen Wechsel

Timon Gremmels will im Mai die Nachfolge von Manfred Schaub in Nordhessen antreten. Der 43-jährige Bundestagsabgeordnete, der auf Energiepolitik spezialisiert ist, wurde vom Bezirksvorstand einstimmig als Bezirkschef nominiert. Gremmels lässt erkennen, dass er sich auch um einen Vizeposten auf Landesebene bewerben könnte. „Es ist durchaus sinnvoll, dass die Bezirksvorsitzenden eng eingebunden sind“, formulierte er.

Gernot Grumbach strebt weitere Amtszeit an

In Südhessen strebt der 66-jährige Frankfurter Gernot Grumbach eine weitere Amtszeit an. Dort wählt ein Bezirksparteitag im Juni den Vorstand. Auch an einer erneuten Kandidatur für den stellvertretenden Landesvorsitz zeigt der Landtagsabgeordnete Grumbach Interesse, der sich in der neuen Wahlperiode auf Umweltpolitik spezialisiert hat.

Schäfer-Gümbel hatte die Auffassung vertreten, „eine gute Mischung aus Erfahrung und Erneuerung“ sei in der künftigen Parteiführung nötig. „Es könnte sein, dass mir die Rolle der Erfahrung und Kontinuität zufällt“, sagte Grumbach der FR.

Der Frankfurter Grumbach ist bereits seit 2001 Bezirkschef und Landesvize. Er fährt traditionell besonders schwache Ergebnisse bei Parteitagen ein. Vor zwei Jahren waren es knapp 72 Prozent.

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