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Neue Parteibücher der SPD: Die Sozialdemokraten verzeichnen derzeit einen starken Mitgliederzuwachs.

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SPD in Hessen: mehr als 2000 neue Mitglieder

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Um über die Große Koalition mitentscheiden zu können, sind viele Hessen in die SPD eingetreten. Was sagt der Bezirksvorsitzende zu dem ungewöhnlichen Andrang?

Die Sozialdemokraten in Hessen und Frankfurt freuen sich über einen ungewöhnlichen Zulauf an neuen Mitgliedern. Seit dem Bundesparteitag am 21. Januar in Bonn, der sich knapp für Verhandlungen über eine Große Koalition ausgesprochen hatte, sind etwa 2100 Menschen in die Partei eingetreten. Allein der Bezirk Hessen-Süd verzeichnete 1700 Eintritte, in Nordhessen traten etwa 400 Menschen ein.

Diese Zahlen nannte der südhessische Bezirksvorsitzende Gernot Grumbach am Dienstagf im Gespräch mit der FR. Am Dienstag um 18 Uhr lief die parteiinterne Frist ab, die die SPD sich selbst gesetzt hatte: Bis zu diesem Zeitpunkt musste man in die Partei eintreten, um über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU abstimmen zu können.

Grumbach zeigte sich hochzufrieden mit der Entwicklung. „Es haben doch viele Leute gemerkt, dass es nicht ausreicht, auf dem Sofa zu sitzen, wenn man etwas verändern will – man muss mitmachen.“

Der Bezirksvorsitzende hatte beim Bundesparteitag gegen Koalitionsgespräche mit der Union gestimmt: Seine Sorge war, dass eine große Koalition auf Bundesebene den rechten Rand des politischen Spektrums, also die AfD, stärkt.

Grumbach sagte der FR, nach seinen Erkenntnissen seien aber keineswegs nur Personen in die Partei eingetreten, die eine große Koalition bei der Abstimmung verhindern wollten. Er habe vielmehr den Eindruck dass diejenigen, die jetzt in die SPD kommen, auch bleiben wollten: „Das geht weit über eine mögliche Aktion der Jusos hinaus.“

Die neuen Mitglieder seien vom Alter und von der Herkunft her „breit gestreut“. Viele, die einmal aus der SPD ausgetreten waren, kehrten nun zurück.

In Frankfurt, der größten hessischen Stadt, verzeichneten die Sozialdemokraten rund 300 Parteieintritte seit dem 21. Januar. SPD-Unterbezirksgeschäftsführer Sebastian Maier sagte der FR, ein Drittel der neuen Mitglieder sei unter 35 Jahre alt. Der Rest der neu Eingetretenen stamme aus der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen. Die Mitgliederzahl in Frankfurt am Main ist damit auf 4200 gestiegen.

Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel gehörte gestern noch zur Delegation, die in Berlin über eine große Koalition verhandelte. Die Parteiführung in Hessen stellt sich auf eine heftige Auseinandersetzung in der Partei über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen ein. Deshalb werden drei parteiöffentliche Regionalkonferenzen organisiert, bei denen Schäfer-Gümbel und andere prominente Parteimitglieder für das Resultat der Koalitionsgespräche werben wollen. Auftakt ist am 19. Februar in Aßlar im Lahn-Dill-Kreis. Die zweite Regionalkonferenz plant die Partei am 21. Februar im nordhessischen Baunatal, die dritte ist für den 22. Februar im Bürgerhaus Griesheim in Frankfurt vorgesehen.

Bei diesen Veranstaltungen sollen jeweils auch die neuen Mitglieder begrüßt werden. Nach den Regionalkonferenzen steht dann die bundesweite Abstimmung innerhalb der SPD über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen an.

Dieses Verfahren ist auch eine logistische Herausforderung für die Parteizentrale in Berlin. Vom Willy-Brandt-Haus aus werden 440 000 Mitglieder angeschrieben und mit Wahlunterlagen ausgestattet.

Die ausgefüllten Wahlbriefe müssen sämtlich wieder ans Willy-Brandt-Haus zurückgesandt werden. Die Auszählung der Stimmen soll dann innerhalb eines Tages organisiert werden.

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