Sie wurden gefragt und haben geantwortet: Axel Raab, Deutsche Flugsicherung; Thomas Jühe, Vorsitzender der Fluglärmkommission und Raunheimer Bürgermeister; Frank Tekkilic, FR-Redakteur; Gerhard Grandke, Oberbürgermeister Offenbach; Michael Grabenstroer, FR-Redakteur; Hartmut Wagner, BI Luftverkehr Offenbach; Horst Amann, Fraport und Neu Isenburgs Bürgermeister Oliver Quiling (v.l.).
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Sie wurden gefragt und haben geantwortet: Axel Raab, Deutsche Flugsicherung; Thomas Jühe, Vorsitzender der Fluglärmkommission und Raunheimer Bürgermeister; Frank Tekkilic, FR-Redakteur; Gerhard Grandke, Oberbürgermeister Offenbach; Michael Grabenstroer, FR-Redakteur; Hartmut Wagner, BI Luftverkehr Offenbach; Horst Amann, Fraport und Neu Isenburgs Bürgermeister Oliver Quiling (v.l.).

"Da gibt's kein Casa nova, das ist Cosa nostra"

Rhein-Main-Dialog der Frankfurter Rundschau / Die Positionen der Fraport werden vom Publikum in weiten Teilen als unwahr angezweifelt

Von FRANK W. METHLOW

Offenbach · 19. November · "Das ist alles ziemlich unerträglich", tönt es aus der Zuhörerschaft vor dem kleinen Podest in der Offenbacher Innenstadt. Zwischen den Buden des halb aufgebauten Weihnachtsmarktes am Brunnen vor dem Offenbacher Rathaus werden am Mittwoch heiße Diskussionen um den Fluglärm in der Stadt geführt. Die Frankfurter Rundschau hatte dort ihr Podium für den in diesem Jahr letzten Rhein-Main-Dialog aufgebaut.

Vor der kühlen Witterung, dem pfeifenden Wind lassen sich weder die rund 60 Bürger vor und schon gar nicht die Diskutanten auf dem Podium schrecken. Im Gegenteil und vielleicht zum Ausgleich - allesamt gehen hart zur Sache, und auch aus der Zuhörerschaft heraus wird diskutiert und scharf gefragt.

Für Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) ist die Ausgangslage klar. Mit den bereits zwei Flugschneisen über Offenbach gehe die Bündelung des Luftverkehrs zu Lasten seiner Stadt. Bei 60 bis 80 Prozent Westwind im Jahr würden die Flugzeuge überwiegend über Offenbach niedergehen. Eine dritte Bahn schaffe einen geschlossenen Lärmteppich über der Stadt. Grandke: "Der Flughafen muss sich zwar entwickeln können, aber nicht wie beim Auto durch Bündelung des Verkehrs." Der Fluglärm müsse gerecht verteilt werden, dazu bedürfe es Lärmkonten in der Region. Die aber könnten nur geführt werden, wenn auch tatsächlich Handlungsalternativen vorhanden seien.

Kollege Oliver Quilling (CDU) sieht sich da in einer Schicksalsgemeinschaft mit Grandke. Der Neu-Isenburger Bürgermeister kennzeichnet die Situation seiner Stadt aber als "deutlich dramatischer" weil sie bereits mit einem Dauerlärmpegel von 62 Dezibel am Alarmwert liege. Auch Neu-Isenburg profitiere von der Wirtschaftskraft des Flughafens. "Ich bin aber kein Geschäftsführer eines Gewerbeparks", wettert Quilling und als Bürgermeister müsse er konsequent die Interessen seiner Bürger vertreten.

Arbeitsplatzargument

Trotzdem führt Horst Amann von der Fraport gerade die Arbeitsplätze als Argument für die Erweiterung ins Feld. Mit direkt und indirekt 100 000 neuen Arbeitsplätzen rechne die Fraport erklärt er. Und prompt tönt es aus dem Publikum: "Die Rechnung ist absolut unseriös". Das "Herumreiten auf dem Arbeitsplatzargument" weckt bei Hartmut Wagner von der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL) den Verdacht, "dass der Fraport die inhaltlichen Argumente ausgegangen sind". Im übrigen habe man noch keinerlei Gelegenheit gehabt, in das neue Fraport-Gutachten Einblick zu nehmen, in dem diese Prognosen angeblich aufgestellt wurden.

Viele Publikumsfragen drehen sich um das Mehr an zu erwartender Belastung und in diesem Zusammenhang um das Mehr an zu erwartenden Flugbewegungen. 660 000 pro Jahr habe man im Planfeststellungsbescheid beantragt, erklärt Amann und so viel würden es auch werden. Wagners Konter lässt er unbeantwortet: Eine Erhöhung auf 800 000 sei der Fraport ohne neue Genehmigung möglich.

Das löst Unmut aus, wie auch Amanns klare Feststellung, dass es ein Nachtflugverbot nur mit dem Ausbau gebe. Unter Hinweis auf zahlreiche Umweltschutzinitiativen, die ausgewiesenen Lärmschutzzonen und das Flugverbot zwischen 23 und 5 Uhr begründet Amann seine Feststellung: "Die Fraport ist lärmsensibel".

Nachdem das Gelächter verhallt ist, geisselt Wagner dieses so genannte Nachtflugverbot als "Mininacht der Mediation", die zudem durch festgelegte Ausnahmetatbestände weiter verkürzt werden könne. Und der sonst stets gut gelaunte Grandke gerät in Rage: "Nichts haben die bei Fraport freiwillig gemacht, das musste denen alles abgerungen werden". Bei den Lärmschutzzonen seien die nur Umkleidekabinen des Sportplatzes auf der Rosenhöhe berücksichtigt worden.

Und noch mehr erregt sich Gerhard Grandke, als das noch weitgehend unbekannte Programm Casa der Fraport zur Sprache kommt, mit dem die Fraport plant bis hin zu Grundstückskäufen Anlieger in den belasteten Flugschneisen zu entschädigen. Damit wolle man die Betroffenen mundtot machen, damit sie nicht klagen. "Das ist heimtückisch, das ist Käfighaltung", wettert der Oberbürgermeister: "Da gibt's kein Casa nova - das ist schlicht Cosa nostra."

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