Etwa 700 Liter fasst der weltgrößte Bembel. Der Riesenkrug wird im Museum des Vereins ACH und Keltermeister Stier stehen.
+
Etwa 700 Liter fasst der weltgrößte Bembel. Der Riesenkrug wird im Museum des Vereins ACH und Keltermeister Stier stehen.

Verein Apfelwein-Centrum Hessen

Geschichten vom Stöffche

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
    schließen

Der Verein Apfelwein-Centrum Hessen baut im kommenden Jahr ein Museum auf.

Nebenbei wollen Keltermeister Jörg Stier und seine Mitstreiter ein paar Irrtümer beseitigen: Etwa, dass Apfelwein Not-Alkohol gewesen sei, nur deshalb hergestellt, weil Rebläuse die Weinstöcke zerstört hätten. „Die Gebrüder Freyeisen haben 1817 die erste Frankfurter Apfelweinkelterei eröffnet – viele Jahre, bevor eine Reblaus gesichtet wurde“, sagt Stier.

Vor allem aber sollen Emotionen das Apfelweinmuseum prägen, das der Verein ACH (Apfelwein-Centrum Hessen – Verein zur Förderung regionaler Apfelweinkultur) 2018 am Hanauer Heumarkt eröffnen will. Ziel sei, die Gefühle, die man mit dem Stöffche verbinde, gut rüberzubringen, so Stier, egal ob mit Bildern, Geschichten, Kostproben oder Exponaten. Die Geselligkeit zum Beispiel, für die auch der Bembel stehe. Deswegen darf der größte Bembel der Welt in dem Museum natürlich nicht fehlen.

Im April hatte der Verein seine ersten Pläne vorgestellt, die jetzt konkretisiert worden sind: Das Museum – nach Angaben von ACH das Erste seiner Art in Hessen – wird an Stiers „Main Genuss Laden“ angeschlossen und kann während der Öffnungszeiten des Geschäfts besichtigt werden. Vermieter Wolfgang Knopf, dem das benachbarte Hotel Zum Riesen gehört, stellt zusätzliche Fläche zur Verfügung und wird in der Anfangszeit keine Miete dafür verlangen. ACH wird das Museum ehrenamtlich führen.

Klein, aber fein soll es werden, etwa 40 Quadratmeter groß. Sechs „Ebenen“ des Apfelweins wolle sich der Verein widmen, etwa der Ökologie, Ökonomie und der internationalen Dimension des Apfelweins. Letztere könnten Werke aus dem sogenannten Bembel-Experiment symbolisieren. Für das Projekt hatte das Keramikmuseum Westerwald 40 internationale Künstler aufgefordert, Apfelweinkrüge zu kreieren.

Wechselnde Ausstellungsstücke

Der Rekord-Bembel wird übrigens dreh- und kippbar sein und wohl ein beliebtes Objekt für Selfies werden, sagt der Maintaler Stier, der Vorsitzender des Vereins ACH ist. Stier will kein statisches, sondern ein abwechslungsreiches, lebendiges Museum. Die Ausstellungsstücke sollen wechseln, Lesungen und Seminare sind geplant. Er möchte „die enorme Vielfalt“ des Apfelweins zum Ausdruck bringen, sie pflegen – und dazu beitragen, die Streuobstwiesen, auf denen die Äpfel wachsen, zu erhalten. Sie seien, genauso wie der Wein, „ein Stück unserer Identität“.

Ganz ähnlich äußern sich Landrat Thorsten Stolz und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (beide SPD). Sie sehen das Museum in ihrer Gegend gut aufgehoben – etwa wegen der Maintaler Streuobstwiesen oder des „Bundesäppelwoifestes“, das in Hanau-Steinheim stattfindet. Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt das Museum mit 45 000 Euro, die Stadt Hanau mit 15 000 Euro, einer Bürgschaft in derselben Höhe und Ausstellungsstücken aus dem Fundus ihrer Museen. Damit sind die Kosten für den Umbau der Räume am Heumarkt sowie die Einrichtung, die Stier auf 90 000 Euro schätzt, zu einem großen Teil bereits gedeckt. Anfang 2018 will der Verein zusammen mit Museumsplanern am Konzept feilen.

Als Konkurrenz für die vom Förderverein Deutsches Apfelweinmuseum in Frankfurt geplante Einrichtung sieht sich das Hanauer Haus nicht. Frankfurt brauche unbedingt ein großes Museum dieser Art, er unterstütze die Pläne, sagt Stier. Jedes Museum könne seine eigenen Akzente setzen, der Apfelwein habe unendlich viele Facetten.

Mehr zum Thema

Kommentare