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Auch schon geehrt: Angela Merkel.

Medaille

Im Geiste des Widerständigen

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Die Wilhelm-Leuschner-Medaille ist die höchste Auszeichnung Hessens. Streit über die Preisträger gab es schon früher, beispielsweise als Kanzlerin Angela Merkel die Medaille erhielt.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Streit über die Vergabe der Wilhelm-Leuschner-Medaille gibt. Vor drei Jahren erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die höchste Auszeichnung des Landes Hessen von ihrem Parteifreund Volker Bouffier zugesprochen.

Die SPD sprach von einer „parteipolitischen Instrumentalisierung“ der Verleihung. Sie hatte Persönlichkeiten vorgeschlagen, die die Erinnerung an das Vernichtungslager Auschwitz mit Bildungsarbeit und persönlichem Engagement wach halten. Diese waren nicht berücksichtigt worden.

Die Wilhelm-Leuschner-Medaille gilt als wichtigste Auszeichnung des Landes Hessen. Gestiftet wurde sie 1964 vom damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (SPD) – zum 20. Todestag von Wilhelm Leuschner am 29. September. Die Medaille ist „für Personen bestimmt, die sich aus dem Geist Leuschners hervorragende Verdienste um die Gesellschaft und ihre Einrichtungen erworben haben“, wie es in Zinns Erlass hieß.

Der Sozialdemokrat und Gewerkschafter Leuschner hatte von 1928 bis 1933 als hessischer Innenminister amtiert. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er aus dem Amt gedrängt, in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert. Nach seiner Entlassung organisierte er den Widerstand gegen das Hitler-Regime an führender Stelle. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler wurde Leuschner 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Die nach Leuschner benannte Medaille wird in der Regel am hessischen Verfassungstag, dem 1. Dezember, verliehen. Der jeweilige Ministerpräsident kann alleine darüber entscheiden, wer die Auszeichnung erhält. Mehr als 220 Menschen wurden bis heute damit geehrt. Dazu zählen zahlreiche Politiker, darunter fast sämtliche ehemaligen Ministerpräsidenten. Ohne Leuschner-Medaille sind nur Roland Koch (CDU), der sie nun erhalten soll, und Hans Eichel (SPD), der dem Vernehmen nach keine Auszeichnungen durch den Staat annehmen will.

Daneben haben aber auch Wissenschaftler, Künstler und andere Persönlichkeiten die Leuschner-Medaille erhalten. Zu ihnen zählen der Philosoph Jürgen Habermas, der Theologe Oswald von Nell-Breuning, die Psyschoanalytiker Alexander und Margarete Mitscherlich, Pro-Asyl-Mitgründer Herbert Leuninger, die Auschwitz-Überlebende Trude Simonsohn, der frühere FR-Herausgeber Karl Gerold sowie der ehemalige FR-Redakteur und zeitweilige FDP-Generalsekretär Karl-Hermann Flach.

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