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Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck soll mit der Leuschner-Medaille geehrt werden.

Würdigung

Gauck soll Leuschner-Medaille erhalten

Die höchste hessische Auszeichnung soll an den ehemaligen Bundespräsidenten gehen. Joachim Gauck wäre das erste Staatsoberhaupt unter den Preisträgern.

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck erhält in diesem Jahr die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. Dies meldete der Hessische Rundfunk unter Berufung auf Regierungskreise. Auf Anfrage war dazu am Wochenende zunächst keine Bestätigung zu erhalten. Die Meldung wurde aber auch nicht dementiert.

Über den Preisträger entscheidet der hessische Ministerpräsident. Vergeben wird die Wilhelm-Leuschner-Medaille jedes Jahr am Verfassungstag 1. Dezember in der Landeshauptstadt Wiesbaden. Sie wurde 1964 vom damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (SPD) begründet. Die Medaille erinnert an den ehemaligen hessischen Innenminister, Gewerkschafter und Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner, der als einer der Männer des 20. Juli 1944 von den Nazis in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Sie wird vergeben für hervorragende Verdienste um die demokratische Gesellschaft und ihre Einrichtungen sowie in Würdigung des Einsatzes für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.

Bürgerrechtler, Stasi-Beauftragter, Bundespräsident 

Joachim Gauck wäre das erste Staatsoberhaupt unter den Preisträgern. Der heute 78-Jährige war von 2012 bis 2017 Bundespräsident. Der in Rostock geborene evangelische Theologe gehörte zu DDR-Zeiten als Pfarrer zu den wichtigsten Bürgerrechtlern. Als Mitglied des Neuen Forums war Gauck an der friedlichen Revolution vor der Wiedervereinigung beteiligt und gehörte auch der ersten frei gewählten Volkskammer an. Im vereinigten Deutschland wurde er zum ersten Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen berufen, die nach ihm „Gauck-Behörde“ benannt wurde. Am 18. März 2012 wurde er zum elften deutschen Bundespräsidenten gewählt und behielt dieses Amt bis zum Ablauf seiner Amtszeit am 18. März 2017.

Im vergangenen Jahr hatte die Vergabe der Medaille an den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) zu Protesten geführt. Mit ihm waren die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und der Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, geehrt worden. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der langjährige Kirchenpräsident Martin Niemöller, der Philosoph Jürgen Habermas, Kardinal Karl Lehmann und der Präsident des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis. (epd)

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