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Gute Verständigung: Bürgermeister Andrej Ivanovic Usikov (links) und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Offenbach

Friedensgrüße aus Offenbach

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Die Stadt intensiviert die Beziehungen zur russischen Partnerstadt Orjol. Zustimmung kommt vom Bundeskanzleramt.

Im Juni ist Mitgliedern des Städtepartnerschaft-Klubs Offenbach – Orjol der Kragen geplatzt. In einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel drückten sie ihre Sorge über die sich verschlechternden Beziehungen zu Russland aus. Der Nato-Beschluss, an der Grenze des EU-Landes Rumänien zu Russland Raketen aufzustellen, den Merkel mitgetragen hatte, sei ein Schlag ins Gesicht aller, die sich für Frieden und Völkerverständigung einsetzten, schrieben die Vorstandsvorsitzenden Werner Frei und Vladena Zeller. Was sollten sie ihren russischen Freunden dazu sagen?

Für die Offenbacher Orjol-Freunde sind die Konflikte Ansporn, die Beziehungen der beiden Städte auf neue Füße zu stellen und somit Friedensarbeit zu leisten. „Trotz der politischen Entscheidungen können wir auf der menschlichen Ebene sehr gut miteinander“, sagt Vladena Zeller, die aus Orjol stammt und seit langem in Offenbach lebt. Bislang gab es gegenseitige Besuche von Künstlergruppen und Deutschstudenten, zudem sammeln die Offenbacher seit vielen Jahren Spenden für ein Orjoler Waisenhaus.

Künftig sollen die Beziehungen auch auf offizieller Ebene geführt werden. Im August reiste eine Delegation aus Offenbach, der auch Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) angehörte, auf Einladung des dortigen Bürgermeisters Andrej Ivanovic Usikov nach Orjol, um Kontakte zu Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu knüpfen. Die Idee ist, dass Unternehmen beider Städte Verbindungen aufbauen und etwa Studenten aus der jeweils anderen Stadt ein Praktikum gewähren und die beiden Hochschulen – Orjol hat eine Exzellenz-Universität und Offenbach die Hochschule für Gestaltung – ebenfalls beispielsweise beim Thema Design kooperieren.

Erste Einladungen verschickt

Laut OB Horst Schneider unterstützen die Industrie- und Handelskammer Offenbach und die Hochschule für Gestaltung das Vorhaben. Die ersten Einladungen für einen Besuch im Frühjahr wurden verschickt. Auch in Orjol stößt die Initiative auf Zustimmung. „Die jungen Leute sind sehr am Westen und Deutschland interessiert und orientieren sich an der westlichen Kultur, Design und Produkten“, sagt Zeller. Sie wüssten, dass sich die Deutschen von Russland bedroht fühlten, könnten dies aber nicht nachvollziehen. Das Lagerdenken abzubauen, sei auch den Menschen in Orjol ein Anliegen.

Die 300 000 Einwohner zählende Stadt liegt 380 Kilometer südwestlich von Moskau. Die Partnerschaft mit Offenbach begann bereits 1988, kurz vor dem Ende des Eisernen Vorhangs.

Das Bundeskanzleramt antwortete den Vorsitzenden des Orjol-Vereins, dass die Stationierung des Raketenabwehrsystems eine „rein defensive Maßnahme“ sei, und begrüßte ihren Einsatz für die Städtepartnerschaft sehr. Der intensive zivilgesellschaftliche Austausch, so die Hoffnung, könne die Menschen in Deutschland und Russland wieder näher zusammenbringen.

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