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Die erste Projektstudie für den unterirdischen Hauptbahnhof vom Büro Gerkan/Marg 1996.

Milliardenprojekt

Wie "Frankfurt 21" scheiterte

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Das Milliardenprojekt "Frankfurt 21" sollte die Verkehrsprobleme der Mainmetropole endgültig lösen. Das Projekt und sein Scheitern.

Vor 20 Jahren war das Projekt Frankfurt 21 „unterschriftsreif“, erinnert sich Martin Wentz. Der damalige, der SPD angehörende Frankfurter Planungsdezernent hatte fünf Jahre lang mit den Fachleuten der Bahn und den Politikern der Bundesregierung das Milliarden-Vorhaben ausgehandelt. 

In drei Tunnelröhren über eine Länge von sechs Kilometern sollte der Bahn-Verkehr im Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs in die Tiefe geleitet werden. Nahe des Kaiserleis wollte man die Züge an die Erdoberfläche zurückkehren lassen. Die neuen Tunnel hätten dem Main unterquert und ebenso die Röhren der U-Bahn. 

Anstelle des Gleisvorfeldes sollte eine Bebauung mit Büro- und Wohnhäusern treten, dabei waren auch Bürotürme geplant. Die Projektkosten wurden auf rund drei Milliarden Mark beziffert. 

Am 17. Juni 1996 stellte der damalige Bahn-Chef Heinz Dürr gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Hans Eichel, Frankfurts OB Petra Roth und Planungsdezernent Wentz das Milliarden-Vorhaben vor. Das Land wollte sich mit 740 Millionen Mark beteiligen, die Stadt mit 120 Millionen Mark. 

Doch dann rückte die Bundestagswahl 1998 näher. „Der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) wollte vor der Wahl den Vertrag nicht mehr unterzeichnen“, erinnert sich Wentz. 

Doch die CDU verlor die Wahl, SPD und Grüne bildeten vor 20 Jahren eine neue Bundesregierung. Und der neue Bundesverkehrsminister Franz Müntefering (SPD) gab dem Frankfurter Bahntunnel keine Dringlichkeit mehr. In der Folge ging auch die neue CDU-Landesregierung in Hessen auf Distanz. 

Am 20. September 2001 erklärten der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der neue Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und OB Petra Roth bei einer Pressekonferenz, der Tunnel sei nicht finanzierbar. Der langjährige Planungsdezernent Wentz war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Amt, er hatte seine Position an den neuen Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) verloren. 

Wentz glaubt heute noch: „Ein Fernbahntunnel ist die beste Lösung für die Frankfurter Verkehrsprobleme.“ Man müsse die Pläne von damals nur „abspecken“. 

Tatsächlich ist der größte Unterschied: 1998 sollte der gesamte Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden. Heute wäre es nur der Fernverkehr, der damit ungehindert und reibungsloser fließen soll. 

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