+
Es gibt auch jüngere Veteranen – sie unterhalten sich mit den älteren über die typischen Themen: das Militär, die Auslandseinsätze, Kriege.

US-Veteranen

Forever in Hanau

Heimatlos waren sie, seit die US-Armee im September 2008 aus der Stadt abzog und alle Einrichtungen räumte. Doch jetzt haben die US-Veteranen wieder einen Treffpunkt: Im Lamboy eröffnet Hanau als erste Stadt in Europa das „American Veterans Center“.

Von Ute Vetter

Joyce Schloesser ist eine toughe Vorzeige-Amerikanerin. Sie trägt Ohrringe in den US-Nationalfarben, ist eloquent, lacht viel und herzlich – und eröffnete am Donnerstag im Hanauer Stadtteil Lamboy mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) den US-Veteranen-Treff. Nach Angaben des Veteranenzentrums der US-Armee in Heidelberg ist Hanau die erste Stadt in Europa, die dieser Klientel einen eigenen Treffpunkt für regelmäßige soziale Kontakte zur Verfügung stellt.

Alles stillgelegt

Hintergrund: Seit September 2008 sind alle Hanauer US-Einrichtungen wie Housings, Kasernen, Schulen, Einkaufscenter, Sporthallen, Clubs, Kantinen, Bowlingbahnen und dergleichen mehr geräumt. „Mothballed“ (eingemottet, stillgelegt) ist seither ein viel gelesenes englisches Wort in Hanau. Alles gehört dem Bund, der in Zusammenarbeit mit Hanau (die Stadt hat Planungshoheit) die insgesamt 340 Hektar Konversionsfläche verkauft, umnutzt oder dank Investoren neu bebaut. Joyce Schloesser blickt zurück: „Etliche Veteranen fragten mich, wo sie sich künftig treffen sollen.“ Ihr Mann Robert war der letzte Kommandeur der US-Garnison Hanau, der die Übergabe abwickelte.

Es gab für die Ex-Soldaten und zivilen Armee-Mitarbeiter, ihre Ehepartner und Witwen keinen festen Anlaufpunkt mehr, so Joyce Schloesser. Die Leute verlören den Kontakt zueinander, manche vereinsamten regelrecht oder zögen sich zurück, sagt sie. Dabei sei die Kontaktpflege, das „Socialising“, doch gerade im Alter sehr wichtig. Viele Veteranen lebten hier, wollten nicht in die USA zurück, hätten deutsche Frauen, Kinder und Enkel. „Außerdem ist das Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns sehr groß – wir sind wie eine Familie.“

Das mit original Militärschildern dekorierte „American Veterans Center“ im „Club 905“ am Ulanenplatz 2 ist von nun an jeden Donnerstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. „Besucher sollten zwar eine Military-Identification-Card (ID) haben“, sagt Joyce, „aber natürlich sind uns unsere deutschen Freunde immer willkommen.“ Doch ist die Location nur eine Zwischenlösung: Wenn die neue Feuerwache in der schräg gegenüberliegenden ehemaligen Kaserne Hutier fertig ist, werden die Veteranen dort in einem alten Gebäude dauerhaft einen Raum erhalten.

Joyce Schloesser lobt die Stadt für die Unterstützung, sie zahle auch den monatlichen Obolus an die Terramag GmbH. Dieser gehört das Gebäude, sie vermietet den „Club 905“ mit Bar und Küche seit 2009 an Firmen und Privatleute. Passenderweise war dieses denkmalgeschützte Backstein-Gebäude einst die Francois-Kaserne, die schon vor der Landesgartenschau 2002 von den Amis geräumt wurde. Und Thomas Müller, Terramag-Geschäftsführer, ist ein externer Berater der Stadt bei der aktuellen Konversion der US-Kasernen in Hanau.

„In der Geschichte dieser Stadt spielen die Amerikaner seit 65 Jahren eine wichtige Rolle“, sagt OB Kaminsky. „Sie haben uns Freiheit und Demokratie gebracht und beim Wiederaufbau unterstützt. Mit den Jahren sind sie zu Freunden und Verbündeten geworden.“

Er schenkt den Veteranen die Reproduktion eines Plakates aus den 60er Jahren: Werbung für das deutsch-amerikanische Freundschaftsfest. Joyce Schloesser revanchiert sich mit einer US-Spezialität: Toastbrot, Erdnussbutter und Marmelade. Das habe Kaminsky doch immer so gerne bei seinen Besuchen gegessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare