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Will in die Politik: Ex-Schauspieler Charles M. Huber.

"Der Alte"

Ex-Krimi-Star tritt für die CDU an

Vom Fernseh-Kommissar zum CDU-Bundestagskandidaten: Als Quereinsteiger will Charles M. Huber, der in der TV-Serie "Der Alte" bekannt wurde, der SPD den zuletzt knappsten Wahlkreis Deutschlands abjagen.

Von Joachim Baier

Sein bayerischer Dialekt verrät, dass er nicht aus Darmstadt kommt, sondern aus München. Aber so wild empfindet das der Darmstädter CDU-Bundestagskandidat Charles M. Huber nicht. "Ich bin ja nicht nach Süditalien gegangen, sondern in ein angrenzendes Bundesland", sagt der 56-Jährige lächelnd. Huber weiß aber, wo er als Bewerber gelandet ist - und das auch noch als Quereinsteiger in diesem politischen Geschäft: Der Wahlkreis 186 Darmstadt war 2009 der knappste in Deutschland. "Ich mache das nicht aus Gaudi", beteuert er. "Ich will gewinnen."

Der als Kommissar Henry Johnson aus der ZDF-Krimiserie "Der Alte" bekannt gewordene Huber tritt gegen Brigitte Zypries (59) an, die vor vier Jahren noch Bundesjustizministerin war und sich als Siegerin mit nur 45 Stimmen Vorsprung gegen Andreas Storm (CDU) durchsetzte. Storm ist heute Sozialminister im Saarland, Zypries im Kompetenzteam vonSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Jugend, Integration und Mobilität

Eigentlich hatte Huber vor, in München für die CSU ins Rennen zu gehen. Dort sei es aber "hin- und hergegangen", erzählt er, schließlich habe sich Darmstadt angeboten. "Ich habe mich dann selbst entschieden, nach Darmstadt zu gehen."

Huber ist seit Oktober CDU-Bundestagskandidat, war einziger Bewerber, erhielt bei seiner Aufstellung in Darmstadt über 90 Prozent der Stimmen. Nun tourt er durch den Wahlkreis, um Stimmen für sein Ziel Berlin zu bekommen. "Ich habe manchmal drei Veranstaltungen am Tag." Jugend und Integration, Familie und Wohnen, Wirtschaft sowie Mobilität und Infrastruktur, bezeichnet er als "meine Themen".

So besucht er auch die Freiwillige Feuerwehr, "das Ehrenamt schlechthin", den "Kindeswohllauf" der Jugendfeuerwehr in Griesheim bei Darmstadt. Jüngeren, die noch gar nicht zur Bundestagswahl gehen, fällt Huber nicht auf.

Die Älteren, die Wähler und Organisatoren des Laufs, kennen ihn noch vom Bildschirm her. Griesheims Stadtbrandinspektor Bert Hentzler (47): "'Der Alte' war ein Klassiker. Dass es Huber als Ur-Bayer ins Hessische verschlagen hat, hat mich überrascht."

"Manche haben den Wechsel von München nach Darmstadt für einen PR-Gag gehalten", sagt Darmstadts CDU-Chef Ctirad Kotoucek. "Das war es aber ganz und gar nicht." Huber sei wie gerufen gekommen. Denn andere CDU-Mitglieder, die infrage hätten kommen können, seien schon auf wichtigen Posten gewesen. Der politische Gegner hält sich über den Neuling bedeckt.

Huber könne nicht vom TV profitieren

Huber hat schon in den 90er Jahren mit dem "Alten" aufgehört, sich für Afrika engagiert und die Werbetrommel für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gerührt. Aber als Assistent des "Alten" werde er noch immer erkannt, sagt er. "Beim Einkaufen werde ich oft angesprochen."

Die beiden Kandidaten Huber und Zypries treffen in diesem Kopf-an-Kopf-Wahlkreis eher selten direkt aufeinander. Am Ende des Wohltätigkeitslaufs in Griesheim aber schon. Sie stehen auf der Bühne, mit Feuerwehr-Leuten und Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD). Zypries meint, Huber könne nicht so stark wie vielleicht erwartet noch von seinen Fernseh-Auftritten profitieren. "Er muss sich als Politiker beweisen, nicht als Schauspieler." (dpa)

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