Dort, wo Kanäle und Leitungen verlegt werden, wurden nördlich der S-Bahn-Trasse schon erste Schneisen ins Grün geschlagen. Foto: Renate Hoyer
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Dort, wo Kanäle und Leitungen verlegt werden, wurden nördlich der S-Bahn-Trasse schon erste Schneisen ins Grün geschlagen. Foto: Renate Hoyer

Wohnen in Offenbach

Erste Arbeiten für neues Quartier in Offenbach

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Erschließungsarbeiten für Offenbachs auf absehbare Zeit größtes Baugebiet im Grünen beginnen. 2100 Menschen sollen einmal in Bieber-Nord wohnen.

„Lärmumtost“ ist ein sehr passendes Adjektiv, wenn man die Lage des Neubaugebiets Bieber-Nord in Offenbach beschreiben möchte: Nördlich und nordwestlich des Areals verläuft die B448 und ihr Abzweig zum Bieberer Berg, südwestlich die S-Bahn-Trasse – und in der Luft überqueren Flugzeuge das mehr als 12 Hektar Bauland umfassende Areal.

Krach gab es rund um das Baugebiet in den letzten dreißig Jahren auch im politischen Sinne. Seit den Achtzigern ist das Quartier in Planung – Diskussionen gab es unter anderem über die Finanzierung der Erschließungskosten und darüber, ob man den künftigen Bewohnern vorschreiben will, Gründächer anlegen zu müssen. Nun sind alle Streitpunkte geklärt und es rollen schon erste Bagger – gerade noch rechtzeitig, bevor wegen der Einflugschneise auf dem Areal die Siedlungsbeschränkung greift. Am Freitag, 20. Oktober,  ist offizieller Spatenstich. Gründächer können übrigens angelegt werden – müssen aber nicht.

In Bieber-Nord entsteht Wohnraum für rund 2100 Menschen in 920 Wohneinheiten, es ist somit auf absehbare Zeit Offenbachs größtes Neubaugebiet im Grünen. Geplant sind rund 230 Reihenhäuser und Doppelhaushälften sowie rund 30 drei- und vierstöckige Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschossen – etwa entlang der Bahnstrecke. Es entstehen außerdem eine Schule und eine Kita an der Dietesheimer Straße im Osten des Baugebiets und ein Grünstreifen in der Mitte zwischen dem ersten Bauabschnitt im Süden und dem zweiten im Norden. Um den Lärm von der Straße abzuschirmen, sind entlang der Schnellstraße sechs Meter hohe begrünte Lärmschutzwände vorgesehen – und in einem Teilbereich auch eine Lärmschutzwand entlang der Bahntrasse.

Zum Größenvergleich: Im Quartier „An den Eichen“ im Osten der Stadt werden nach Abschluss der Bauarbeiten etwa 900 Menschen leben, in Bürgel-Ost 1000.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) bezeichnete das Neubaugebiet bei der Vorstellung der finalen Pläne neulich als „wunderbare Arrondierung“ des 15 731 Einwohner zählenden Stadtteils Bieber – er verwies aber auch darauf, dass die Menschen dort schon „längst“ wohnen könnten, wenn man sich eher geeinigt hätte. Dann wäre es vielleicht auch nicht so teuer geworden – denn „preisgünstig“ ist ein Adjektiv, dass eher nicht zum neuen Baugebiet passt: Ab 500 Euro pro Quadratmeter sind laut Stadt wohl für Grundstücke auf dem Areal zu berappen. „Da stockt einem schon der Atem“, sagte OB Schneider. Hinzu kommen bis zu 130 Euro Erschließungskosten pro Quadratmeter für Straße und Kanal. Der städtische Anteil an der Erschließung beträgt inklusive der Planungskosten 12,3 Millionen Euro.

Begehrt sind die Grundstücke, auf denen ab Ende 2018 die ersten Häuser emporwachsen dürften, aber sicherlich schon wegen der guten Anbindung. So gelangt man mit dem Auto direkt auf die B448 und die S-Bahn-Station Bieber liegt in Laufnähe am südöstlichen Ende des Baugebiets. Dort ist auch ein kleiner Platz mit Einzelhandel vorgesehen. Zum Offenbacher Marktplatz dauert es mit der S-Bahn von hier aus nur fünf Minuten, und selbst zur Frankfurter Hauptwache ist man in gerade einmal 17 Minuten gefahren.

Mit dem Spatenstich beginnen diese Woche zunächst die Arbeiten an dem gut drei Kilometer langen Kanalnetz, es folgen die Straßen und die LED-Beleuchtung. Der städtische Energeversorger EVO baut zudem ein Nahwärmenetz. Die dafür notwendige Wärme wird in einem neuen Erdgas-Blockheizkraftwerk auf einem städtischen Grundstück an der Dietesheimer Straße erzeugt, wo auch eine öffentliche E-Ladesäule stehen wird. Ein 24- Stunden-Notdienst der EVO soll für Versorgungssicherheit sorgen.

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