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Bevor der 45-Jährige nach Friedberg wechselte, betreute er in leitender Position große Bauprojekte am Frankfurter Flughafen.

Wetterau

Einsatz für den ländlichen Raum

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Matthias Walther (CDU) will sich als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter für den ländlichen Raum einsetzen.

Mehr als 23 Jahre fuhr Matthias Walther jeden Morgen gut 75 Kilometer von Nidda im Wetteraukreis nach Frankfurt und abends dieselbe Strecke zurück. Bereits während des Logistikstudiums in Friedberg begann er für den Flughafenbetreiber Fraport zu arbeiten. In den vergangenen sechs Jahren war Walther kaufmännischer Leiter für große Bauprojekte in den Terminals 1 und 2.

Seit diesem Herbst ist sein Weg zur Arbeit kürzer. Im August wählte ihn der Wetterauer Kreistag zum hauptamtlichen Kreisbeigeordneten. Am 17. September war sein erster Arbeitstag in der Kreisverwaltung am Europaplatz in Friedberg. Aus den 75 Kilometern wurden 25.

Walthers Amt hatte die große Koalition unter heftiger Kritik der Opposition nach der Kommunalwahl 2016 wieder eingeführt. Er übernahm es von Stephanie Becker-Bösch (SPD), die zur Ersten Kreisbeigeordneten aufstieg. Landrat Jan Weckler (CDU) machte den 45-Jährigen zum Kreiskämmerer und gab ihm die Verantwortung für den Fachbereich Regionalentwicklung und Umwelt sowie zwei Eigenbetriebe des Kreises. 200 Mitarbeiter hat sein Dezernat.

Mit seiner Frau und den beiden Kindern wohnt Walther in Geiß-Nidda, einem Stadtteil Niddas mit rund 1000 Einwohnern. Er schätzt das Dorfleben. Ihm gefallen die persönlichen Kontakte, die Vereinsfeste, die Landluft. Im Gesangverein Orpheus Geiß-Nidda singt der 1,98-Meter-Mann, seit er 18 ist. Im Bass ist er eine feste Größe. Seit 2011 ist er stellvertretender Ortsvorsteher.

Abgesehen von einigen mehrwöchigen beruflichen Verpflichtungen im Ausland, zum Beispiel in Riad, wo er den Saudis erklärte, wie sie ihre Gepäckförderanlagen weiterentwickeln können, hat er nie woanders gelebt. „Es käme für uns nie infrage, in eine Stadt zu ziehen“, sagt das CDU-Mitglied.

Um diejenigen, die es sich vorstellen könnten, davon abzuhalten, beabsichtigt Walther ein besonderes Augenmerk auf den ländlicheren Osten des Kreises zu richten, auf Orte wie Geiß-Nidda. Er sei mit den Problemen und Herausforderungen ja vertraut. Walther will dafür sorgen, dass mit Unterstützung des Kreises die letzten „weißen Flecken“ in der Wetterau schnelles Internet bekommen. „Es gibt immer noch Leute, die haben weniger als 30 Mbit“, sagt er. Etwa 1300 Telefonanschlüsse seien betroffen. Zurzeit suche man in einem Markt-erkundungsverfahren Firmen, die bereit wären, diese Aufgabe gemeinsam mit dem Kreis anzugehen. „Wir müssen als öffentliche Hand mit ins Boot.“ Darüber hinaus plant der Kreisbeigeordnete sich für interkommunale Gewerbegebiete einzusetzen. Das sei die Zukunft, biete Chancen für kleinere Kommunen und reduziere den Flächenverbrauch.

Multimodaler Verkehr

Menschen vom Land, die wie er viele Jahre einen langen Weg zur Arbeit hätten, müsse man diesen erleichtern. Multimodaler Verkehr, also die Nutzung mehrerer Transportmittel auf einer Strecke, sei der richtige Weg. „Da kommt der Logistiker durch.“ Walther hat in seinem Berufsleben unzählige Stunden im Stau auf der A5 gestanden. Er ist überzeugt: „Wir müssen vom Individualverkehr ein Stück weit zurück.“ Dafür müsse die Bahn besser werden. Walther erklärt am Beispiel von Nidda, was er meint. Vom Stadtteil Ober-Widdersheim, wo man zunächst in die Horlofftalbahn einsteige, seien es mehr als anderthalb Stunden bis zum Frankfurter Flughafen. Die Bahn halte an jeder Station. „Schneller werden kann sie nur, wenn Halte eliminiert werden“, sagt er. Kompensieren könne man dies nur durch ein „attraktives Begleitangebot“ wie gute Fahrradwege parallel zur Bahnstrecke. Auch Fahrrad-Parkhäuser seien für die Wetterau durchaus geboten.

Viele Wochen im Frühjahr herrschte Rätselraten, wen die CDU für das Amt vorschlagen würde. Walther dürfte niemand im Sinn gehabt haben. „Lucia Puttrich rief mich an und fragte, ob ich mir das vorstellen könne.“ Walther kennt die CDU-Kreisvorsitzende und Ministerin aus der CDU in Nidda. Er entschied sich, dem Flughafen den Rücken zu kehren. „Für mich war schnell klar, dass ich diese Entscheidung treffen muss.“ Näher an der Heimat, näher an der Familie und seiner jüngsten Tochter, die im Februar auf die Welt kam. Diese Veränderungen schätzt Walther sehr. Doch auch für Menschen, die dort nicht verwurzelt seien, biete das Land einige Vorzüge. Einen Kita-Platz bekomme man in Ortenberg oder Nidda einfacher als in Bad Vilbel. Und Bauland gebe es im Ostkreis vielfach noch zu einem Quadratmeterpreis von weniger als 100 Euro.

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