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Bis zur Schmerzgrenze seziert der Satiriker Max Uthoff die gesellschaftlichen Missstände und fürchtet weder Tod, Teufel noch die AfD. Demnächst ist Uthoff in Mainz zu erleben.

Max Uthoff in Mainz

Einer der wütend macht

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Bis zur Schmerzgrenze seziert der Satiriker Max Uthoff die gesellschaftlichen Missstände und fürchtet weder Tod, Teufel noch die AfD. Demnächst ist Uthoff in Mainz zu erleben.

Wütend sei sie, sagt die Besucherin am Ende auf die Frage, ob ihr der Abend im Aschaffenburger Hofgarten gefallen habe. Wütend darüber, wie mit geflüchteten und heimatvertriebenen Menschen umgegangen wird. Und wütend darüber, dass die ökonomisch Schwächsten der Gesellschaft gegeneinander ausgespielt werden, damit die Überpriviligierten weiter unangetastet bleiben.

Hervorgerufen hat diese Wut Max Uthoff, einer der erfolgreichsten deutschen Kabarettisten, der zusammen mit Claus Wagner allmonatlich in der ZDF-Anstalt die Hintergründe politischen und wirtschaftlichen Fehlverhaltens im wahrsten Sinn des Wortes ins Scheinwerferlicht rückt. Mit ihren genau recherchierten Themenabenden zu Hartz IV, dem Klimawandel oder dem Waffenhandel dürften sich die beiden schon viele Feinde gemacht haben.

Uthoff führt ein scharfes Schwert. Auch gegen die Grünen, die vor Jahren noch als Hätschelkind des deutschen Kabaretts galten. Sie hätten sich jedoch ihrer Klientel – jünger als der Durchschnitt, aber dabei überproportional vermögend – immer mehr angepasst. Viele von ihnen werfen inzwischen auch im „Kohlenkeller noch Schatten“, konstatiert der 50-Jährige. Das hat man früher den echten „Schwarzen“ von CDU/CSU nachgesagt.

Keine Hätschelkinder mehr

Zum Beweis seiner These führt er etwa die Aussage von der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göhring-Eckardt ins Feld, wonach die „Tafeln“, an denen allwöchentlich Tausende um Essen betteln müssen, ein Glück seien. Uthoff sieht darin jedoch eine Schande für ein so reiches Land.

Wie er auch am gesunden Menschenverstand des „Grünen“ Baden-Württembergischen Landesvaters Winfried Kretschmann zweifelt, der Adelsfamilien aufs Schloss einlud, um ihnen für den Erhalt von Kulturdenkmälern zu danken. Jenen also, die erst dadurch, dass sie die Bevölkerung beraubten, zu ihrem jetzigen Vermögen kamen, von dem sie nun ein winziges Scherflein abgeben.

Der SPD wiederum wirft der Münchener vor, ihre sozialen Ideale spätestens mit Kanzler Gerhard Schröder über Bord geworfen zu haben. Schröder sei nach Ronald Reagan und Maggie Thatcher der dritte bedeutende Politiker gewesen, der die Schranken für einen hemmungslosen Kapitalismus eingerissen habe.

Und wenn jetzt die Medien davon sprächen, der jüngste Koalitionsvertrag trage eine sozialdemokratische Handschrift, dann fragt sich Uthoff, an welcher Stelle denn. Wird etwa wieder eine Vermögenssteuer eingeführt? Werden Unternehmenserben zukünftig angemessen für die Erfüllung der staatlichen Aufgaben herangezogen? Werde Hartz IV auf das notwendige Niveau erhöht? Uthoff sieht nichts davon bei der Genossenschaft, was er auf das flapsige Fazit reduziert: „Was Streusalz für den Pulverschnee, ist Nahles für die SPD.“

Die Kritik am ehemals eher linken Spektrum soll natürlich nicht verhehlen, dass Max Uthoff für CDU, CSU und AfD noch wesentlich weniger Sympathien aufbringt. Wobei Kanzlerin Angela Merkel noch vergleichsweise milde wegkommt. Bei ihr sagten sich die Wähler immer: „Die ist wie ich. Die hat auch keinen Plan. Die wähl‘ ich.“

Keine Milde für Hetzer

Keine Milde findet er allerdings für die Hetzer gegen Geflüchtete, von AfD, Union oder einem Teil der Medien wie der Bild-Zeitung („Die gibt es seit über 60 Jahren und erst jetzt führen wir eine Diskussion über Fake News.“) Es sei ekelhaft, wie es den Rechten und Rassisten gelungen sei, fast alle Parteien bei diesem Thema vor sich herzutreiben, als gäbe es keine schwerwiegenden Probleme in Deutschland.

Für Uthoff ist es „an Zynismus nicht zu toppen“, dass die CSU mit ihrer Asylsuchende-raus-Politik das mögliche Leben oder Sterben der Geflüchteten dafür instrumentalisieren wolle, die nächste Landtagswahl in Bayern zu gewinnen. Sein spezieller „Freund“ ist dabei der neue Ministerpräsident Markus Söder, den er schon einmal persönlich kennenlernte, als der in einem Lokal gastierte, in dem Uthoff kellnerte. Dem sei – „wenn die Kamera aus ist“ – in seiner Herablassung gegenüber dem Personal „die Niedertracht aus jeder Pore getropft“.

Solchen Leuten kommt man inhaltlich nicht bei, klagt Uthoff. „Die haben keine Werte, keine Ziele, außer der Macht.“ So stelle sich Söder hin und rühme die soziale Kompetenz seiner Regierung, während er als Finanzminister nicht die geringsten Skrupel gehabt habe 33000 Sozialwohnungen an Finanzheuschrecken zu verkaufen. An sozialer Gerechtigkeit sei er wie seine Gesinnungsgenossen nicht im geringsten interessiert.

Ein Abend zum wütend werden also. Ja auch. Aber Max Uthoff wäre kein brillanter Kabarettist, wenn er sein Publikum nicht auch immer wieder durch Wortwitz und Humor aufrichtete. Der bricht selbst bei der Zugabe durch, als es ums Sterben und die Bestattung geht. Da lässt er sich so einiges einfallen, was auf seinem oder dem Grabstein anderer stehen könnte. Beim Microsoft-Gründer Bill Gates könnte demnach stehen: „Sie haben sich erfolgreich abgemeldet.“

Weitere Infos unter www.maxuthoff.de. Die nächste Anstalt-Sendung gibt es am 25. September um 22.15 Uhr im ZDF. Live gastiert er am 11. Oktober im Mainzer Unterhaus.

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