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Der Veteran Peter Feldmann hat Ehrgeiz.

Frankfurter SPD

Direkt ehrgeizig

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Peter Manuel Feldmann will die Frankfurter SPD und sich selbst nach vorne bringen. Erstmal stellt er aber viele Fragen. Von Claus-Jürgen Göpfert

Nein, er nimmt die Worte "SPD-Vorsitz" nicht in den Mund. Und er spricht noch weniger von der OB-Kandidatur 2013. Peter Manuel Feldmann lehnt sich lächelnd auf dem Caféhaus-Stuhl zurück: "Wir stellen eher Fragen."

Und tatsächlich: Das Positionspapier einer "Autorengruppe um Feldmann" mit dem umständlichen Titel "Perspektiven für eine gemeinsame Schwerpunktsetzung zur Bundestags- und Kommunalwahl" enthält viele Fragezeichen. Es versucht, zu ergründen, wie die Frankfurter SPD aus ihrem historischen Nachkriegs-Tief von 19,8 Prozent bei der Landtagswahl herauskommen könnte.

Es ist auch das kurzgefasste Programm eines ehrgeizigen Mannes. Damit will der 50jährige Vize-Fraktionschef der SPD im Römer jetzt bis zum Jahresparteitag am 13. und 14. März durch die 46 Frankfurter Ortsvereine touren. Wie das wohl dem Frankfurter SPD-Chef und Vorsitzenden der südhessischen Partei, Gernot Grumbach, gefällt? Da lächelt Feldmann wieder: "Er ist ein kluger Kopf - wir werden sehr gut zusammenarbeiten." Offenbar ist Feldmann entschlossen, ein Risiko einzugehen - ohne zu wissen, wie viele Genossen ihm dabei folgen werden.

Feldmann hat sich Freunde wie Feinde gemacht

Seit zwei Jahrzehnten ist er SPD-Stadtverordneter, lange sozialpolitischer Sprecher de Fraktion, Exponent des linken Flügels. Wie Grumbach auch. Feldmann kennt die Frankfurter SPD - und sie kennt ihn. Er hat sich nicht nur Freunde, sondern auch Gegner gemacht. Auch sie sprechen von seinem Ehrgeiz. Sie meinen es aber nicht positiv.

Feldmann stammt aus einer jüdischen Familie - und einer sozialdemokratischen Familie der ersten Stunde. "Mein Urgroßvater war Uhrmacher in Breslau - und Mitbegründer der SPD." Der junge Peter Manuel saß im Rat der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt: "Zusammen mit Michel Friedman, Ignatz Bubis und Salomon Korn - wir haben auf der gleichen, sehr aufgeklärten Liste kandidiert". Heute besucht der Leiter eines großen Altenzentrums in Darmstadt die Synagoge nur noch "selten" - die Politik steht im Vordergrund.

Schon mit 17 war er Sprecher des Stadtschülerrats, ein Jahr später führte er den Landesschülerrat. 1980 ging er für ein Jahr nach Israel, ließ sich im Kibbuz als Gärtner ausbilden, schwärmt noch heute mit leuchtenden Augen: "Wie grün die Wüste sein kann."

Die "direkte Demokratie", die er im Kibbuz erlebte, scheint jetzt in seinen Thesen wieder durch. "Bürgerhaushalt" ist da ein Stichwort: Mitentscheidung der Menschen über die Verwendung von Mitteln aus dem städtischen Etat.

"Die SPD", das ist der Grundtenor der Thesen, "muss sich neu erfinden, um soziale Gerechtigkeit auf allen Ebenen durchzusetzen - vom Investmentbänker bis zum kleinen Angestellten." Vehement widerspricht der Politologe der These, die SPD habe ihre Rolle in der Stadtgesellschaft ausgespielt: "Die Partei wird gebraucht - sie hat Glaubwürdigkeit." Welche Rolle Feldmann selbst in der Frankfurter Partei spielen kann, werden die nächsten Wochen zeigen.

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