Arbeitskampf in Gießen

Demo für die Drucker

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Eine Kundgebung der Gewerkschaft in Gießen richtet sich gegen 101 Kündigungen, von denen Mitarbeiter der Frankfurter Societäts-Druckerei (FSD) in Mörfelden-Walldorf betroffen sind.

Gegen Entlassungen und Tarifflucht sind am Donnerstag in Gießen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi etwa 300 Teilnehmer eines Aktionstages auf die Straße gegangen. Die Arbeitgeberseite und die Nachrichtenagentur epd sprachen von rund 100 Teilnehmern.

Konkret richtete sich die Demonstration laut Verdi gegen 101 Kündigungen, von denen Mitarbeiter der Frankfurter Societäts-Druckerei (FSD) in Mörfelden-Walldorf betroffen seien; weitere 25 Personen seien bereits entlassen worden. Redner der Gewerkschaft, des Betriebsrats sowie Parteisprecher der Linken und der SPD forderten zudem wirksame gesetzliche Regelungen gegen die Tarifflucht von Arbeitgebern.

Teilnehmer der Aktion stellten die Zahl der Gekündigten durch eine Strichliste auf einem Sarg da. Nach der Kundgebung am Berliner Platz setzte sich die Demonstration in Bewegung zum Verlagshaus der „Gießener Allgemeinen“, dem Stammsitz der Verlegerfamilie Rempel, der auch – gemeinsam mit der Ippen-Gruppe – die FSD gehört.

Außer den Kollegen der Societäts-Druckerei beteiligten sich unter anderen Redakteure der „Frankfurter Neuen Presse“ sowie Mitarbeiter weiterer Betriebe am Solidaritätsstreik für die Drucker. Verdi-Fachsekretär Manfred Moos sagte: „Was zurzeit geschieht, passt in eine lange Reihe der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen. In der Folge rutschen immer mehr Menschen in eine Situation der beruflichen Unsicherheit.“ Ziel sei es, Tarifbeschäftigte durch solche mit Werksverträgen zu ersetzen.

Begründet hatte die Verlegerfamilie Rempel die Entlassungen mit der Kündigung eines großen Druckauftrags durch den Springer-Verlag. Verdi bezweifelt, dass deshalb so viele Kündigungen notwendig sind. Moos betrachtet den Verlust des Auftrags als „willkommenen Vorwand“, abgesicherte Arbeitsverhältnisse zu beenden. Die Drucker sind seit knapp zehn Tagen im Warnstreik.

Die Arbeitgeberseite bekundete in einem Statement: „Wir bedauern den Verlust jedes Arbeitsplatzes. Der Wegfall der Springer-Druckaufträge lässt uns aber keine andere Wahl, da ansonsten die Existenz der Druckerei gefährdet ist.“                

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