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Die AfD stößt auf den Wahlausgang in Hessen an.

Hessen-Wahl

Zum Dank das Deutschlandlied

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Bei der AfD gibt es nach der Landtagswahl in Hessen feuchte Augen und ein wenig Enttäuschung.

Die Szene hat was von Silvesterparty. Die Leute sind schick gekleidet, aufgekratzt. Auf einem Rollwagen sind jede Menge Gläser angerichtet. „Bewaffnen Sie sich mit einem Sekt“, fordert AfD-Sprecher Klaus Hermann die Parteifreunde auf. Es ist 17.52 Uhr. Noch acht Minuten bis zur ersten Hochrechnung. 

Die Alternative für Deutschland (AfD) feiert im Bürgersaal in Wiesbaden-Biebrich. Rund ein Dutzend Mannschaftsbusse der Polizei steht vor dem Eingang, damit der Landesverband mit Bundessprecher Jörg Meuthen bei seiner Feier nicht gestört wird. Spitzenkandidat Rainer Rahn und Sprecher Robert Lambrou verbringen als Einzige den Wahlabend im Landtag. Die AfD hat dort keine Räume. Das wird sich nun ändern. 

Die erste Prognose um 18 Uhr sieht die AfD bei zwölf Prozent. Jubel, Sektgläserklingen, Schulterklopfen. Vor fünf Jahren waren es noch 4,1 Prozent. „Ein Meilenstein“ sei geschafft, sagt Meuthen in seiner kurzen Ansprache. Jetzt sei die AfD in allen wichtigen Parlamenten der Republik vielköpfig vertreten, vom nächsten Jahr an auch in Europa. „Wir werden in diesem Land Politik gestalten“, ruft er den Parteifreunden zu. Die Volksparteien seien „im freien Niedergang“. Die Freude daran ist den Gästen anzusehen. Hämische Kommentare zu den Ergebnissen von CDU und SPD.

Mit feuchten Augen dankt Hermann den Wählern, „dass sie den Mut hatten, AfD zu wählen“. Als „Dank an das Land“ stimmt der Saal um 18.12 Uhr die deutsche Nationalhymne an. Jemand schwenkt die schwarz-rot-goldene Fahne. 

Die „Altparteien“, sagt Hermann später im Interview, seien noch mit einem blauen Auge davongekommen. „Sie hätten noch ein schlechteres Ergebnis verdient.“ Ohne die „Diffamierungskampagne“ der CDU hätte sein Landesverband noch wesentlich besser abgeschnitten. 15 plus x hatte Co-Sprecher Lambrou immer als Ziel ausgegeben. In der Opposition werde die AfD „immer fair und konstruktiv mitarbeiten“, versichert Hermann. Ziel sei Regierungsverantwortung zu übernehmen. „Das ist jetzt der erste Schritt.“ 

Die nächste Prognose sieht die AfD bei 12,8 Prozent. „Noch immer zu wenig für mich“, vermutet Rolf Kahnt, 73, der so gerne als Alterspräsident die erste Sitzung des Landtags eröffnen würde. Mit seinem Listenplatz 15 könnte es knapp werden, sagt Kahnt, der sich ein besseres Ergebnis erhofft hatte. Zu viele Menschen würden die AfD allein auf das Thema Flüchtlinge reduzieren, vermutet er. „Die wenigsten Wähler haben unser Programm vertieft angeschaut.“ Bildung, Wohnen, Infrastruktur – „da haben wir gute Lösungen“.

Auf alle Fälle im Landtag drin ist Andreas Lichert, der Mann aus der Wetterau mit Kontakten zu der „Identitären Bewegung“. Als Landtagsabgeordneter werde er „den Bürger in den Mittelpunkt stellen, nicht die Ideologie“. Lichert deutet auf den Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der gerade auf der Leinwand zu sehen ist. „Kulturmarxismus“ sei das, was die Union betreibe. Die Mietpreisbremse sei keine Antwort auf fehlenden Wohnraum. Für den Rechtspopulisten ist nicht das Wahlergebnis entscheidend, sondern auch die Stimmung, die die AfD ins Land gebracht hat.

Der Diskurs hat sich deutlich verändert“, meint er. „Unsere Positionen sind schon Mainstream, die Partei ist es noch nicht.“ Wer die Fraktion anführe, werde demokratisch entschieden. Rainer Rahn könnte es werden, müsse es aber nicht. „Es kann immer zu Überraschungen kommen.“

Inzwischen hat sich eine lange Schlange vor dem Buffet gebildet. Es gibt Gulasch, Kartoffelsalat, eine große Platte Hausmacherwurst; Grüne Soße und Handkäs gibt es auch. Eine Frau in der Schlange beschwert sich darüber, dass sich das Ergebnis gegenüber der Bundestagswahl nur marginal verbessert hat: „Wir haben so viel Zeit investiert.“ 

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