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Ein Bus in Wiesbaden.

E-Busse in Wiesbaden

Bund zahlt Millionen für E-Busse

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Wiesbaden ersetzt die Dieselflotte im Nahverkehr. Die ersten 56 E-Busse sollen im kommenden Jahr rollen - ein Schritt gegen Fahrverbote in der Stadt.

Vom „Meilenstein“ war die Rede, von bevorstehender „epochaler Veränderung in der Mobilität“, von „Visionen, die Realität werden“, von „bedeutenden Schritten“ für die Wiesbadener. Gespart wurde im Fokus von Fernsehkameras und Radio-Mikrofonen nicht mit Superlativen und Lob für alle Beteiligten, die angetreten sind, die Landeshauptstadt komplett auf emissionsfreien ÖPNV umzustellen. Der erste wichtigste Meilenstein? Ein Förderbescheid des Bundesumweltministeriums, das Projekt kompletter Austausch der Dieselbus-Flotte von ESWE Verkehr wird zunächst mit 14,5 Millionen Euro gefördert.

Ziel sei es, schon im kommenden Jahr 56 Elektrobusse auf die Wiesbadener Straßen zu bringen, so ESWE-Geschäftsführer Frank Gäfgen gestern bei einem Pressegespräch mit großem Medienaufgebot angesichts der Größe und des Anspruchs des „deutschlandweit einmaligen Ausschreibungsverfahrens“. Es sieht einen Generalunternehmer für die Lieferung der Fahrzeuge, Einrichtung der hochkomplexen Ladeinfrastruktur und für das neue Betriebshof-Managementsystem vor. Ein Gesamtsystem, in dem „alle Systemkomponenten digital miteinander kommunizieren müssen“, so Gäfgen. Insgesamt wird die Umstellung die Stadt und ihre Gesellschaften mindestens 200 Millionen Euro kosten.

Der Optimismus in den Chefetagen der ESWE und des Rathauses mit Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) an der Spitze ist groß. Noch müssen die letzten Bietergespräche geführt werden, der Auftrag an den Generalunternehmer soll im ersten Quartal 2019 vergeben werden. Ein paar Monate später sollen schon die ersten E-Busse auf den 39 besonders hoch belasteten Straßen fahren, damit im Jahr darauf die geforderten Grenzwerte bei der Schadstoffbelastung eingehalten werden können. Wenn das Ziel, 120 Solo- und 20 Gelenkbusse auf E-Basis, bis dahin erreicht werde, könne Wiesbaden vom drohenden Dieselfahrverbot verschont bleiben, heißt es aus dem Verkehrsdezernat. Kowol: „Wir schauen uns jede Straße einzeln an und greifen mit dem Skalpell minutiös ein.“

Mit den 14,5 Millionen Euro aus Berlin werden 80 Prozent der zusätzlichen Kosten für Elektrobusse gefördert. Gegenüber den üblichen Diesel-Fahrzeugen sind diese etwa doppelt so teuer, ein Solo-Bus wird mit 500 000 Euro veranschlagt. Unabhängig von Temperatur und Topografie sollen die Busse eine Reichweite von rund 200 Kilometern haben. Auch dafür muss der gesamte Betriebsablauf umgestellt werden, ohne Nachladen kommt der E-Bus nicht durch den Tag. Dafür wird die ESWE auch ein eigenes Umspannwerk errichten, das bis 2021 fertig sein soll.

Kommen die ersten E-Busse, werden die ältesten Dieselbusse ausgemustert, kündigt Kowol an. Schon mit der ersten Charge von 56 E-Bussen würde bereits knapp ein Viertel des Bestandes ersetzt, was eine hohe Stickoxidminderung bedeute. Allein beim CO2 seien dies rund 3,8 Millionen Kilogramm. Die Lärmminderung liege nach dem gesamten Austausch der Busse bei etwa 65 Prozent. „Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Sven Gerich.

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