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Blick auf den Kreisel, der einer Kreuzung Platz machen soll.

Kaiserlei Offenbach/Frankfurt

Ein Bonbon für Frankfurt

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Die geplante neue Frankfurter Multifunktionsarena auf Offenbacher Gemarkung ist untrennbar mit dem Kreiselumbau und dem Gewerbegebiet Kaiserlei verbunden. Sie sei ein Bonbon für Frankfurt.

Für den Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) ist der Bau der Multifunktionsarena am Kaiserlei nur eines in einer Reihe von mehreren Projekten, die nun Schritt für Schritt umgesetzt werden. Denn der Hallenbau ist mit dem Umbau des Kaiserleikreisels und der Entwicklung des Gewerbegebiets Kaiserlei eng verwoben. Es handele sich um eine „Win-Win-Situation für die gesamte Metropolregion“ und „ein vernünftiges nachbarschaftliches Arrangement“, sagt der Oberbürgermeister. Die Region bekomme einen Verkehrsknotenpunkt, Offenbach die Gewerbefläche und Frankfurt die Halle. Damit sagt er auch, dass die Halle für Offenbach eigentlich entbehrlich ist. Wäre die Stadt nicht so grandios überschuldet, würde es vielleicht gar keine geben.

Im Gegenteil, Immobilien und Grundstücke am Kaiserlei gehen gerade weg wie warme Semmeln. In der Nachbarschaft von Hyundai Europe und der neuen Mercedes-Benz-Niederlassung wurden kürzlich das frühere Honeywellgebäude und der frühere Sitz des Deutschen Wetterdienstes verkauft. Aus den leer stehenden KWU-Türmen möchte der Projektentwickler CG-Immobilien mit gut 300 Millionen Euro Investitionen demnächst ein neues Quartier entstehen lassen. Ein großes chinesisches Hotel hat eröffnet. Da ließe sich das Grundstück für die Multifunktionsarena wohl viel gewinnbringender anderweitig vermarkten. Denn es geht um viel mehr als nur um eine Sport- und Veranstaltungsarena.

Offenbach steht gerade an einem Wendepunkt: Investoren interessieren sich plötzlich für die Stadt. Der Plan, den Kaiserlei als hochwertiges Gewerbegebiet an den Markt zu bringen, scheint aufzugehen. Endlich dürfen die Verantwortlichen im Rathaus hoffen, dass in einigen Jahren die Gewerbesteuereinnahmen sprudeln, es mehr Arbeitsplätze geben wird, und die Stadt ohne neue Schulden auskommt.

Voraussetzung für diese Entwicklung ist jedoch der Umbau des Kaiserleikreisels in ein Zwei-Kreuzungssystem, der im Februar starten und 2019 enden soll. Denn der Umbau sorgt nicht nur dafür, dass 20 Prozent mehr Autos hoffentlich staufrei den Knotenpunkt passieren. Er macht auch 1,8 Hektar Fläche frei, die wiederum als Filetstücke für Gewerbeansiedlungen verkauft werden können. So rentiert sich die Halle indirekt eben doch.

Aber noch ist die Stadt arm. Alleine könnte sie den Kreiselumbau finanziell nicht stemmen. Deshalb musste OB Schneider Frankfurt und die Region mit ins Boot holen. Das Versprechen im Letter of Intent 2012, dass Frankfurt eventuell auf Offenbacher Gemarkung eine Multifunktionsarena bauen darf, war so etwas wie ein Gutsel, damit sich Frankfurt finanziell am bevorstehenden Umbau beteiligt. Wohlgemerkt nur ein Gutsel. Wichtiger war der Verzicht Offenbachs auf eine Klage gegen den damals bevorstehenden Bau der Osthafenbrücke, die Offenbach wegen des zusätzlichen Verkehrs am Kaiserleikreisel angedroht hatte. Die Klage hätte möglicherweise den Brückenbau verzögert.

Aber aus der Not wurde Freundschaft. Schneider berichtet, dass er mit dem damaligen Frankfurter Stadtrat Stefan Majer mehrmals in Berlin war, um den Bund von der Bedeutung des Verkehrsprojekts und einer finanziellen Beteiligung zu überzeugen. Mit Erfolg. Nach und nach wurden informell Details geklärt: Dass man sich gegenseitig helfen wolle und eventuelle Gewerbesteuereinnahmen aus der Multifunktionsarena brüderlich teilen möge, wurde 2014 vereinbart.

Denn obwohl Frankfurt sich Fläche für den Bau auf Offenbacher Gemarkung reservierte, steht nicht fest, ob die Arena dort wirklich hinkommt. Das letzte Wort über den genauen Standort hat der Investor.

Genaugenommen haben die Städte schon 1999 mit dem Vertrag zur Entwicklung des Stadtteils Kaiserlei angebandelt. In der Folge erstellten sie 2013 gemeinsam den Rahmenplan für das mehr als 40 Hektar große Gelände auf beiden Seiten der dort im zig-zag-verlaufenden Stadtgrenze. Heute ist dort Feld und wächst Gestrüpp. Dorthin möchten die Städte einen gemeinsamen Gewerbestandort bauen. Es geht um das Areal zwischen der Strahlenberger und der Berliner Straße bis zur Bahnlinie auf beiden Seiten der Autobahn A 661.

Ohne diese Gemeinschaftsarbeit wäre ein weiteres stadtübergreifendes Projekt nicht möglich: Laut OB Schneider gibt es Pläne, die Europäische Schule aus dem Frankfurter Nordwesten an Frankfurts südöstlichen Zipfel unmittelbar an die Grenze zu Offenbach umziehen zu lassen. Zu erschließen wäre die mit Bundesgeld finanzierte Schule nur von Offenbach aus. Schneider sieht die Schule als Standortvorteil für seine Stadt. Denn sie soll auch von Offenbacher Kindern besucht werden können.

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