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Fumihiko Maki möchte einen Ort schaffen, an dem sich die Menschen wohlfühlen.

Stadtentwicklung in Wiesbaden

Bauen wie in Toronto und Tokio

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Der weltberühmte Architekt Fumihiko Maki stellt erste Entwürfe für das Reinhard Ernst-Museum in Wiesbaden vor. Geplant ist ein dreigliedriger Kubus mit Innenhof.

Einen Innenhof wird das künftige Reinhard-Ernst-Museum in der Wilhelmstraße 1 gewiss haben, denn Innenhöfe sind so etwas wie ein Markenzeichen des weltberühmten Architekten Fumihiko Maki. In Toronto hat der Japaner das Aga-Khan-Museum gebaut, in Indien das Bihar-Museum, und in Tokio ist das Schwert-Museum in Planung, und alle haben einen Innenhof. „Sie sind wichtig, sie können frei gestaltet und von der Öffentlichkeit genutzt werden“, erläuterte Maki gestern im Gestaltungsbeirat der Landeshauptstadt die ersten Entwürfe.

Dass der weltberühmte Architekt Maki an Wiesbadens Prachtboulevard neben dem hessischen Landesmuseum ein weiteres Museum errichten soll, ist dem Unternehmer Reinhard Ernst zu verdanken. Der Wiesbadener schenkt der Stadt quasi den Neubau, denn er möchte seine auf 50 bis 70 Millionen Euro geschätzte Sammlung abstrakter Kunst in seiner Heimatstadt ausstellen und benötigt dafür geeignete Ausstellungsflächen. Ernst spendete die Kunstwerke der von ihm gegründeten Reinhard-und-Sonja-Ernst-Stiftung. Diese zahlt auch den Museumsneubau für 40 bis 50 Millionen Euro und soll das Museum betreiben, was auf 1,5 bis zwei Millionen Euro im Jahr geschätzt wird. Die Stadt hat außer Kosten für die Rechtsberatung, die Erschließung und andere Kleinigkeiten nichts zu zahlen. Das städtische Grundstück möchte sie in Erbpacht für 99 Jahre zur Verfügung stellen.

Er kenne Ernst seit den 1960er Jahren, und sie seien Freunde geworden, erzählte der 89-jährige Maki, wieso er jetzt in Wiesbaden ein Museum plane. Nach dem Tsunami 2011 in Japan habe Ernst ihn gefragt, wie er helfen könne. Mit der finanziellen Unterstützung der Reinhard- Ernst-Stiftung hätten sie in der zerstörten Stadt Natori ein Kultur- und ein Gemeindezentrum gebaut. Wiesbaden sei daher in Japan bekannt.

Nach seinen Entwürfen soll das Museum einem dreigliedrigen Kubus gleichen, der das Grundstück vollständig einnimmt. Außer dem Innenhof unterbrechen einige Aussparungen den Gebäudekörper, etwa die Oberlichter und der Haupteingang an der Wilhelmstraße. In seinen Proportionen orientiert sich das Gebäude an den Häusern in der Nachbarschaft. Das Erdgeschoss wird durch hohe Fenster mit Licht durchflutet, es soll eine Atmosphäre zum Wohlfühlen entstehen. Die Fassade des mittleren Gebäudeteils soll mit Holz oder Metall verkleidet werden, das mit einem warmen Farbton zu den weißen Granitfassaden der linken und rechten Teile kontrastiert.

Für das Innere sieht Maki im Erdgeschoss ein Auditorium, Shops und einen Bereich für Kunstpädagogik für Kinder vor. Reinhard Ernst rechnet mit 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Einige seiner 500 Kunstschätze, zu denen auch Werke von K. O. Götz und Hubert Berke gehören, sollen im ersten und zweiten Stock auf der Seite zur Wilhemstraße ausgestellt werden. Für den östlichen Bereich sind kleinere Galerien geplant.

OB Gerich ist für das Projekt

„Das Ziel ist, dass das Museum nicht nur von den Menschen, die dort arbeiten, sondern von Besuchern. Kindern, Passanten gemocht wird“, erklärte Maki. Er wolle erreichen, dass es für alle offen sei. Möglich sei, dass die Pläne sich in Details änderten. Die Farbe könne wechseln, aber nicht die geschlossene Fassade. Maki schlägt auch vor, den Straßenraum vor dem Museum ähnlich der Flächen vor dem Rhein- Main-Congress-Center und dem Landesmuseum zu gestalten.

Hundertprozentig sicher ist die Umsetzung noch nicht. Denn der Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung wird erst für Dezember erwartet. Mehrere für diesen Bauplatz vorgesehene Projekte waren in der Vergangenheit gescheitert. Aber für das Reinhard-Ernst-Museum stehen die Zeichen gut. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) steht voll hinter dem Vorhaben. Auch der Gestaltungsbeirat, dem alle für das Stadtbild relevanten Bauprojekte vorgelegt werden müssen, hat nichts auszusetzen. „Wenn wir in Wiesbaden nur zehn Prozent der Qualität von Toronto bekommen, sind wir glücklich“, sagte das Beiratsmitglied Gesine Weinmiller, Architektin aus Berlin, begeistert.

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