+
Wer den Blick nicht vom Smartphone nimmt, lebt gefährlich.

Verkehr in Frankfurt

Augen auf, Opfer!

  • schließen

"Wie nennt man jemanden, der am U-Bahngleis nur Augen für sein Handy hat? Opfer!": Mit einer drastischen Kampagne machen VGF und die Stadt Frankfurt auf Gefahren im Verkehr aufmerksam.

Gefährliche Situationen hat Michael Rüffer schon erlebt. Der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) steuert von Zeit zu Zeit selbst eine Straßenbahn. Bei einer dieser Fahrten sah er eine Frau mit dem Rücken zur Bahn am Übergang der Station Messe stehen. Rüffer fuhr langsamer, war bremsbereit. Die Frau machte einen Schritt, auf den Übergang, und stand im Gleis. „Ich habe die Gefahrenbremse eingeleitet, gestoppt und die Frau gefragt, was losgewesen sei“, erzählt er. Die habe sich entschuldigt, sie habe gar nichts bemerkt.

Nicht immer gehen Situationen im Verkehr so glimpflich aus. Im vergangenen Jahr starben in Frankfurt laut Polizeistatistik zwei Fußgänger, die bei Rot über die Gleise liefen. Insgesamt wurden 3800 Menschen bei Unfällen im Stadtgebiet und auf den Straßen und Gleisen verletzt; 17 Menschen kamen ums Leben.

Mit einer drastischen Kampagne wollen VGF und Straßenverkehrsamt nun auf die Gefahren im Verkehr aufmerksam machen. Auf schwarzen Plakaten mit Blutfleck ist zu lesen: „Solange du mit Kopfhörern durch meine Welt rennst, werde ich dich bluten lassen“ und „Schnell mit dem Handy gechattet und dabei die Bahn übersehen“ und „Bist du in Hektik oder Eile? Dann liegst du bei mir richtig. Und das meistens für immer!“. Unterschrieben hat: „Dein Großstadtverkehr“.

Von kommender Woche an hängen die Botschaften in Stationen, Straßenbahnen und U-Bahnen aus. In Diskotheken und Bars liegen gleichlautende Postkarten bereit. Promoter werden mit entsprechenden Kapuzenpullis in die Züge steigen und Fahrgäste ansprechen.

Die „Schockwirkung“ erzeuge Aufmerksamkeit, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Gert Stahnke, der Leiter des Straßenverkehrsamts, ruft dazu auf, im Verkehr achtsam zu sein und mit der Unachtsamkeit der anderen zu rechnen. Auch wenn die Plakate „nicht schön“ seien, gehe es darum, Unfälle zu vermeiden und Leben zu schützen, sagt VGF-Geschäftsführer Rüffer und erzählt eine weitere Episode aus dem Beruf: An einer Station stürzte ein Junge von der Bahnsteigkante aufs Gleis.

Der Fahrer, der sich mit seiner U-Bahn näherte, hörte nur noch ein „hop-hop“. Sofort stoppte er die Bahn und suchte den Jungen – der kauerte in der Aushöhlung zwischen Gleis und Bahnsteig, verletzt war er nicht. Das „hop-hop“ war das Geräusch, als die Bahn über seinen Rucksack fuhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare