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Ein Bus der Linie 30 hält an der Station Friedberger Warte, wo die Straßenbahnlinie 18 abfährt.

Nahverkehr in Frankfurt

Ärger über teilweises Aus für Buslinie 30

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    Andreas Groth
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Wegen des drohenden Fahrverbots in Frankfurt sollen Fahrgäste in die Straßenbahn-Linie 18 umsteigen statt die Bus-Linie 30 zu nutzen.

Noch fährt die Buslinie 30 vom Bad Vilbeler Bahnhof zum Hainer Weg im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Von Dezember 2019 an soll sich das ändern: Wegen des Fahrverbots, das in Frankfurt droht, will die Stadt Fahrten mit Diesel-Bussen in der Innenstadt vermeiden. Die Fahrgäste sollen am Lokalbahnhof oder der Friedberger Warte in die Straßenbahnlinie 18 umsteigen.

In Bad Vilbel ist man darüber empört: Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU) nennt die Pläne ein „fatales Zeichen in den Bemühungen, den ÖPNV zu stärken“. Er befürchtet, dass die ohnehin schon stark beanspruchte B521 zwischen den beiden Städten dadurch überlastet werde. Pendler würden auf das Auto umsteigen.

Eine engere Taktung der Straßenbahnlinie 18 sieht Wysocki, der auch Erster Stadtrat ist, kritisch. Ihm sei schleierhaft, wie die Kapazitätserweiterung jener Linie funktionieren solle. Im Berufsverkehr fahre der Bus schon alle zehn und die Straßenbahn alle acht Minuten.  

Rückendeckung bekommt Wysocki aus der Stadtpolitik. CDU und FDP wollen in der Stadtverordnetenversammlung am 18. Dezember einen Eilantrag einbringen. Die Stadtverordneten sollen sich dafür aussprechen, die durchgängige Verbindung vom Bad Vilbeler Bahnhof bis zur Endhaltestelle in Sachsenhausen zu erhalten. Der Magistrat soll entsprechende Gespräche mit der Stadt Frankfurt führen.

Die Grünen sind „fassungslos“

Die Fraktionschefs von CDU und FDP, Irene Utter und Jörg-Uwe Hahn, sprachen mit Bezug auf die Kappung von einem „unausgegorenen Plan“. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass die Pendler auf die S6 umsteigen würden. Utter und Hahn rechnen stattdessen mit mehr Autoverkehr.

Die Grünen in Bad Vilbel reagierten „fassungslos“ auf die Ankündigung. „Viel sinnvoller wäre es, die Straßenbahn bis Bad Vilbel fortzusetzen, mit einer Linie von der Frankfurter Innenstadt bis zum Südbahnhof in Bad Vilbel“, sagt Fraktionschef Jens Matthias. 

Auf Kreisebene teilt man die Kritik der Bad Vilbeler. Landrat Jan Weckler (CDU) stellte sich gegen die Kürzung. Man habe einen Brief an Oberbürgermeister Peter Feldmann und RMV-Geschäftsführer Knut Ringat aufgesetzt, teilte ein Kreissprecher mit. Auch der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV), der im Auftrag des Kreises für die Planung, Organisation und Finanzierung des ÖPNV in der Wetterau zuständig ist, will dem Vernehmen nach gegen die Pläne protestieren.

Die Frankfurter Stadtpolitik ist in die Defensive geraten: „Es ist uns bewusst, dass es für Fahrgäste unangenehm ist umzusteigen“, sagte Michael zu Löwenstein, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Römer. Angesichts des drohenden Fahrverbots sei die Kappung der Linie 30 aber „die Maßnahme, die am wenigsten wehtut - die Betonung liegt auf wehtun“, sagte er. 

„Prinzipiell ist es keine gute Idee, die Verkehre zu brechen“, findet Wolfgang Siefert (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Römer. Er würde die Kürzung der Linie „vorübergehend akzeptieren, wenn damit ein flächendeckendes Fahrverbot vermieden werden kann“.

„Die Buslinie 30 sollte nicht an der Friedberger Warte gekappt werden“, sagte hingegen Annette Rinn, Fraktionsvorsitzende der FDP im Römer, aus der Opposition. Ein solcher Schritt befördere Autoverkehr, Staus und Schleichfahrten durch Wohngebiete. „Die Städte Frankfurt und Bad Vilbel sollten endlich die Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 nach Bad Vilbel angehen“, forderte sie.

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sieht dafür derzeit positive Signale aus Bad Vilbel. Er setze sich zunächst dafür ein, die Linie 18 zur Unfallklinik zu verlängern und dort einen Park-and-ride-Parkplatz einzurichten. Vom politischen Beschluss bis zur Umsetzung würde das sechs bis acht Jahre dauern. Die Kurt-Schumacher-Straße und die Battonnstraße, auf der die Linie 30 fährt, zählten zu den am meisten mit Stickoxid belasteten Strecken in Frankfurt. „Wir sind angehalten, die Schadstoffbelastung zu reduzieren“, sagte er.

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