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Nancy Faeser kommt aus einer sozialdemokratischen Familie.

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Hessen-SPD: Nancy Faeser ist Favoritin für die Nachfolge von Schäfer-Gümbel

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Die 48 Jahre alte Juristin rückte vor fünf Jahren mit der Wahl zur SPD-Generalsekretärin auch formell zur Nummer zwei in der Partei auf.

In den hessischen Polizeirevieren kennt man Nancy Faeser. Auf der Tribüne von Eintracht Frankfurt auch. Und in den Sozialeinrichtungen ihres heimischen Main-Taunus-Kreises sowieso.

Die 48-jährige Juristin aus Schwalbach ist viel unterwegs. „Politiker, die Ahnung vom echten Leben haben, das bekommen Sie nur bei der SPD“, warb Faeser mit Blick auf ihre Praxistage in Supermärkten, Kitas oder im Hospiz.

Regelmäßig schwärmen die Landtagsabgeordneten der Sozialdemokraten zu solchen Terminen aus. Das wurde vom scheidenden Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel eingeführt. Doch Faeser hatte noch mehr Praxis, denn auch als Abgeordnete führte sie ihre berufliche Arbeit als Rechtsanwältin teilweise weiter.

Jetzt dürfte die Innenpolitikerin Faeser ihren engen politischen Vertrauten an der Fraktionsspitze ablösen, wenn Schäfer-Gümbel zum 1. Oktober sein Mandat niederlegt und in die Entwicklungshilfe wechselt. Damit gilt Faeser auch als Favoritin für Schäfer-Gümbels Nachfolge an der hessischen SPD-Spitze, über die am 2. November entschieden wird. Doch hier könnte es auch andere Kandidaturen geben.

Nancy Faeser stammt aus einer sozialdemokratischen Familie. Vater Horst war 14 Jahre lang Schwalbacher Bürgermeister, ehe er zum Direktor des Planungsverbands Frankfurt/Rhein-Main gewählt wurde. Horst Faeser starb 2003 mit 61 Jahren, wenige Monate, nachdem seine Tochter in den Landtag gewählt worden war.

Im Parlament machte sich die engagierte, freundliche und durchsetzungsstarke Juristin schnell einen Namen. Schon fünf Jahre nach ihrem Einzug in die Landespolitik wäre Faeser fast Justizministerin im Kabinett von Andrea Ypsilanti geworden – doch Ypsilantis Wahl zur Ministerpräsidentin scheiterte.

Schäfer-Gümbel nominierte Faeser zwei Mal als Schatten-Innenministerin. Die Sozialdemokratin pflegt gute Kontakte zu den Polizeigewerkschaften. Im NSU-Untersuchungsausschuss bemühte sie sich eindringlich um Aufklärung, im geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremium für den Verfassungsschutz führte sie den Vorsitz.

Vor fünf Jahren rückte Faeser mit der Wahl zur SPD-Generalsekretärin auch formell zur Nummer zwei in der Partei auf. Es folgte privat ein schwieriges Jahr für sie, denn bei der Geburt ihres Sohnes Tim gab es Komplikationen. Faeser musste sich monatelang aus dem Politikbetrieb zurückziehen. Heute springt der Dreijährige bei SPD-Veranstaltungen herum, und auch Faeser ist längst wieder auf den Beinen.

Sie kann die parteipolitische Konkurrenz scharf angreifen, aber vermag auch über Parteigrenzen zusammenzuführen. So hat die SPD-Frau den Eintracht-Frankfurt-Fanclub im Landtag initiiert. Da stehen Abgeordnete verschiedener Fraktionen auf der gleichen Seite.

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