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Verändert das Plastik den Geschmack? Das behauptet mancher.

Spargelanbau

Plastik auf dem Feld spart Geld

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In Südhessen wird Spargel fast nur noch unter Folien angebaut - darüber streiten die Fachleute.

Damit Spargel schon sehr früh im Frühjahr auf die Teller kommen kann, setzt der überwiegende Teil der Landwirte zum Teil schon seit Jahrzehnten auf den Einsatz von Plastikfolien auf den Äckern. Neben Umweltschützern kritisieren dies allerdings auch einige wenige Spargelbauern.

Bereits Anfang März wurde der erste Spargel an der Bergstraße gestochen, weil ein Bauer seine Felder mit im Boden liegenden Warmwasserrohren beheizte, damit der Spargel unter den mit Folien abgedeckten Erdwällen sehr früh im Boden austreiben konnte. Normalerweise beginnt die Spargelernte erst im April und endet am „Johannistag“, dem 24. Juni.

Spargelbauer Markus Tresselt aus Griesheim ist einer der wenigen Bauern, die den Anbau mit Plastikfolien nichts abgewinnen können. Er ist auch davon überzeugt, dass der unter den Plastikbahnen austreibende Spargel schlechter schmeckt. Tresselt setzt vielmehr darauf, dass der Spargel „erst dann gegessen wird, wenn er auf den Feldern auf natürliche Weise geerntet werden kann“. Er findet es auch „nicht mehr normal“, wenn seine Kollegen tonnenweise Plastikfolien auf den Feldern ausbreiten, nur um ein paar Tage früher ernten zu können. Auf sechs Hektar baut Tresselt wie einst auch sein Vater und sein Großvater das Gemüse auf dem Griesheimer Sandboden an. Im Ort wirbt auch sein Kollege Johann Radnai selbstbewusst dafür, bei ihm Spargel zu kaufen, der „ohne Folie gewachsen“ ist. Ein Nachteil ist allerdings, dass sich die Spargelspitzen mitunter lila verfärben, wenn sie auf den Dämmen durch die Erde stoßen, während der „Folienspargel“ unter den Abdeckplanen weiß bleibt, was sich viele Kunden wünschen.

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Spargelbauer Andreas Lenhardt räumt ein, dass es für ihn und seine Kollegen auch ganz handfeste ökonomische Gründe für den Einsatz der Folien gibt. Weil die Preise die Produktionskosten nicht decken, sei es „das A und O, die Produktivität zu steigern“, um höhere Erträge zu erzielen. Durch den Einsatz von Folien sparen die Anbauer nach Angaben des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer etwa 40 Prozent ihrer Produktionskosten.

Auch Tresselt weiß, dass der Anbau des Spargels ohne Folie einen deutlich höheren Arbeitseinsatz erfordert. Seine Erntehelfer stechen kurz nach Sonnenaufgang bis zum Mittag und dann noch mal am Nachmittag das Gemüse. Auf den Feldern von Lenhardt müssen die Arbeiter am Nachmittag in der Regel nicht mehr aufs Feld, weil sich mit dem Einsatz der transparenten, weißen und schwarzen Kunststoffbahnen die Temperatur in den Dämmen regulieren lässt. Und Lenhardt kann auch die Einschätzung seines früheren Klassenkameraden nicht teilen, dass der Spargel, der unter den Plastikfolien wächst, in denen aber keine Weichmacher enthalten sind, angeblich schlechter schmecken soll. Lenhardt meint sogar, dass durch das gleichmäßigere Wachstum „der Stress der Pflanzen abnimmt und die Stangen weniger verholzen“. Dadurch, so Lenhardt, schmecke der Spargel besser und sehe auch besser aus.

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