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Sozialplan bei Zumtobel steht

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Von: Torsten Weigelt

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Beschäftigte von Zumtobel demonstrierten Mitte Oktober vor dem Haupttor der Firma.
Beschäftigte von Zumtobel demonstrierten Mitte Oktober vor dem Haupttor der Firma. © Michael Schick

Die Usinger Mitarbeiter des Leuchtenherstellers Zumtobel stimmen für einen Sozialtarifvertrag. Der Standort wird nach einem harten Arbeitskampf geschlossen.

"Das war einer der längsten Arbeitskämpfe, die Hessen je erlebt hat“, bilanziert Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt. Und es war auch einer der härtesten. Fast acht Wochen lang haben die Beschäftigten des Leuchtenherstellers Zumtobel ihr Werk in Usingen bestreikt. „Wir haben 24 Stunden das Werkstor bewacht“, schildert Mitarbeiter Mario Weide – aus Angst, das Unternehmen könnte Maschinen abtransportieren. Als es dabei zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei kam, befasste sich sogar der hessische Landtag mit dem Streik im Taunus.

Seit gestern ist der Rekord-Ausstand jedoch beendet. Mehr als 96 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder stimmten Sozialtarifvertrag und Sozialplan zu, die Vertreter der Zumtobel-Führung, Betriebsrat und IG Metall am Vorabend unter dem Vorsitz des Hamburger Arbeitsrichters Gunnar Rath ausgehandelt hatten.

Danach erhalten die 145 Usinger Beschäftigten noch bis Ende des Jahres ihr volles Gehalt, inklusive Weihnachtsgeld – der Arbeitgeber wollte sie schon zum 31. August vor die Tür setzen. Darüber hinaus bekommt jeder Zumtobel-Mitarbeiter eine Abfindung in Höhe von 0,7 bis 1,1 Brutto-Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr, gestaffelt nach Alter. Gewerkschafts-Mitglieder erhalten zusätzlich noch 0,1 Monatsgehälter obendrauf. Alle Beschäftigten haben zudem den Anspruch, sich zwölf Monate lang in einer Transfergesellschaft beraten und weiterbilden zu lassen – bei 80 Prozent der bisherigen Netto-Bezüge.

„Wir haben sehr viel erreicht“

„Wir haben sehr viel erreicht“, findet die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Sandberg. Entscheidend dafür sei der „Riesen-Zusammenhalt“ innerhalb der Belegschaft gewesen. Allerdings sei das Ergebnis nur die „zweitbeste Lösung“, bedauert Sandberg. Das Aus für den Betrieb und die Arbeitsplätze habe man leider nicht verhindern können. Für einige ältere Mitarbeiter werde es nicht leicht sein, wieder einen neuen Job zu finden, befürchtet die 53-Jährige.

Man könne einen Eigentümer leider nicht daran hindern, eine falsche unternehmerische Entscheidung zu treffen, kommentierte Uwe Zabel vom IG-Metall- Bezirk Mitte die Schließung des Usinger Zumtobel-Werks. Ende August hatte das Unternehmen überraschend bekanntgegeben, dass die entscheidenden Verhandlungen mit dem Kaufinteressenten Thomas Lorünser geplatzt waren. Kurz darauf hatte die Belegschaft nahezu geschlossen für den Streik gestimmt.

Und der habe nicht nur die direkt Betroffenen in Atem gehalten, betont Mario Weide. „Ganz wichtig war die Solidarität in der Region.“ Wildfremde Menschen hätten Lebensmittel vorbeigebracht, eine Nachbarin mitten in der Nacht Kaffee für die Streikposten gekocht. Sogar aus Jena seien Gewerkschaftsmitglieder zur Unterstützung gekommen – mit 150 Thüringer Würsten. „Unser Streik wird künftig bestimmt als Beispiel herangezogen werden“, sagt er nicht ohne Stolz. Das bestätigte Michael Erhardt. Trotz 32 Jahren in der IG Metall sei der Zumtobel-Streik auch für ihn eine neue Erfahrung.

Recht knapp kommentierte Christian Ranacher, Geschäftsführer von Zumtobel Lightning Deutschland, gestern den Ausgang der Verhandlungen. „Über das Ergebnis sind wir froh“, erklärte er per Pressemitteilung. Er hob dabei vor allem Erfahrung und Verhandlungsgeschick des Vermittlers Gunnar Rath hervor.

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